Schenkenzell

Die Geschichte der Schenkenzeller Spannstattbrücke

Autor: 
Willy Schoch
Lesezeit 4 Minuten
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30. Juni 2020
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Im Vordergrund ist die alte Spannstattbrücke zu sehen. 50 Meter oberhalb wurde die neue ­verkehrsgerechte Straßenbrücke errichtet. ©Repro: Willy Schoch

Teil 2:  Vor genau 35 Jahren feierten die Schenkenzeller ein großes Dorffest in der Spannstatt. Anlass war der Abbruch der historischen Spannstattbrücke. Heute werfen wir einen Blick in die Geschichte des Bauwerks.

„Brücken sollten immer auch als eine Verbindung zwischen den Menschen an beiden Ufern dienen“, so Pfarrer Schütt anlässlich des Spannstattbrückenfests vor genau 35 Jahren, im Juni 1985. Diese Funktion hat die „alte“ Spannstattbrücke bis zuletzt voll erfüllt. 1849 wurde begonnen, die Kinzigtalstraße Wolfach – Schiltach – Schenkenzell auf der Talsohle auszubauen. Auf Schenkenzeller Gemarkung wurde 1869 von Schiltach her kommend begonnen. Unter anderem waren drei Brückenbauten erforderlich. Alle ausgeführt in einer Stahlkonstruktion. 

Die alte Straße von Schiltach her führte noch über das Kaibächle, vorbei am heutigen Freibad und Schloßhof über einen gepflasterten Furt durch die Kinzig hin zur Schenkenburg. Dann ging es die Schlossbergsteige hoch um die Schenkenburg, über den Lehenweg zum Käppelesfelsen. Die Weiterführung erfolgte über den Allmendweg hinüber zum Tannensteg und wieder zurück über das Werksgelände der heutigen Firma STW bis zur Einmündung in die Schulstraße beim ehemaligen Gasthaus „Bahnhof“. Es folgte die Querung der Reinerzau, ehe es hinüber ging auf die Spannstatt und von dort hoch zur Wiedmen und weiter ins württembergische Alpirsbach. Durch den Bahnbau 1886 änderte sich nicht nur dieser Straßenverlauf öfter, sondern auch der Verlauf der Kinzig. Im Bereich der Schenkenburg fiel der steile Aufstieg zum Schlossberg weg. Vom Käppelesfelsen bis zur Drei-König-Brücke und von der Landstraße bis zum Stockhof kam es zu einschneidenden Straßenkorrektionen.  

Straßenführung belassen

Der Gemeinde Schenkenzell wäre es 1869 lieber gewesen, wenn man die bisherige Straßenführung über die Spannstatt und Wiedmen belassen hätte. Die Eingabe des Gemeinderats an das „Großherzogliche Hochpreisliche Handelsministerium“ hatte keinen Erfolg. Das hatte zur Folge, dass die sehr alte Spannstattbrücke von der Gemeinde künftig selbst zu unterhalten war.  

Es gingen noch Jahre dahin. Aber 1884 war es dann so weit: Die Spannstattbrücke, eine Holzbrücke über die Kinzig, wurde baufällig und war nicht mehr zu reparieren. Es wurde eine solche in Eisen mit Schottergedeck gebaut. Die Planung und Bauleitung hatte die Straßenbauinspektion Offenburg. Die Arbeiten wurden ausgeschrieben. Die Maurerarbeiten gingen an den einheimischen Maurermeister Franz Kilgus. Der Auftrag für die eiserne Brückenkonstruktion ging an die Maschinenfabrik Link in Oberkirch. Dort wurde die Brücke fix und fertig zusammengebaut und nach Schenkenzell transportiert. Laut Waagschein hatte die Ladung eine Last von 9590 Kilogramm.

Bauwerk kostet 3136 Mark

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Die Gemeinde Schenkenzell kostete das Brückenbauwerk damals 3136 Mark. An diesen Kosten beteiligte sich der Kreis mit einem Zuschuss von 850 Mark. Zur restlichen Finanzierung nahm die Gemeinde beim örtlichen Leibgedinger Jakob Haberer ein Darlehen über 2000 Mark mit vierprozentiger Verzinsung auf.      

Die Traglast der Brücke wurde von einem Ingenieur so berechnet, „dass sie Lastwagen mit 120 Zentner oder ein Menschengedränge mit fünf- bis sechsfacher Sicherheit tragen kann“. Als 1926 Zimmermeister Wilhelm Müller mit seinen Söhnen auf der Spannstatt ein Sägewerk errichteten, kamen beim Bürgermeister leichte Sorgen auf. Ab sofort mussten schwere Holzfahrzeuge die Brücke passieren. Es kam zu Streitereien wegen der anfallenden Unterhaltungskosten: Ein „Kontrakt“ mit der Gemeinde legte den Streit bei. In den 50er-Jahren erhielt die Brücke dann einen Betonbelag.

Mehrere Probleme

Die Brückenbreite von 3,50 Meter wurde für den Schwerlastverkehr langsam recht knapp. Erhebliche Rostschäden und die Maximaltragfähigkeit von nur sechs Tonnen führte zu Beanstandungen der Verkehrsbehörde. Nicht unbekannt war, dass die Brücke von Langholzfahrzeugen mit der fünffachen Menge der zulässigen Tragkraft befahren wurde und auch befahren werden musste. Auch der recht knappe Einmündungsbereich in die Bundesstraße war äußerst problematisch und für die Verkehrsteilnehmer nicht ungefährlich.

Der Gemeinderat sah die Notwendigkeit einer neuen Brücke, scheiterte aber von Jahr zu Jahr an dem Dringlichkeitskatalog anstehender Maßnahmen der Gemeinde. Das Warten hatte Erfolg. Die Gemeinde bekam 1984 Zuschussmittel des Bundes und Landes in einer Größenordnung, dass der Rat dem Neubau einer Spannstattbrücke 50 Meter oberhalb der alten Eisenbrücke bedenkenlos zustimmen konnte. Die Herstellung der Brücke und der verkehrsgerechten Anschlüsse im Zusammenhang gekoppelt mit dem Zwischenausbau der B 294 verursachte Kosten von 910 000 Mark. 

Abbruch 1986

Mit der Inbetriebnahme der neuen, zeitgemäßen Spannstattbrücke war die Zeit für den Abbruch der alten Eisenbrücke 1986 gekommen. Recht gerne hätten die Wohnanlieger der Spannstatt sie noch als Fußgängerbrücke länger genutzt, schon der Nähe zum Ort wegen. Mit dem Abbruch ging eine mehr als hundertjährige Geschichte zu Ende. Die Brücke hatte in dieser Zeit alle guten und bösen Lasten auf sich genommen und könnte viel aus der wirtschaftlichen Entwicklung, von Hochwassernöten, von Friedens- und Kriegszeiten der Gemeinde und ihrer Bürger erzählen. 

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