Hornberg

Die knallharte Heimat-Analyse des Fidelius Waldvogel

Autor: 
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
06. August 2020

Kabarettist Martin Wangler oder „Fidelius Waldvogel“ hielt in seinem Programm über die Heimat nicht hinterm Berg damit, was ihm alles missfällt. ©Petra Epting

„Erste und einzige kulturelle Veranstaltung 2020“ auf dem Fohrenbühl zieht 230 Gäste an. Kabarettist Martin Wangler spart auch Beobachtungen in Corona-Zeiten nicht aus.

Heimat, regionale Produkte, aber auch was so alles schief läuft auf dieser Welt: Das Programm von Kabaretttist Martin Wangler alias „Fidelius Waldvogel“ am Dienstagabend vor dem „Landhaus Lauble“ auf dem Fohrenbühl war facettenreich.

Gastwirt Jürgen Lauble begrüßte die 230 Gäste und nannte die Zahl „wirklich überraschend“. Bis zum Abend durchlitten sein Team und der Musik- und Trachtenverein Reichenbach, der die Bewirtung übernommen hatte, allerdings eine nervenaufreibende Hängepartie ob des Wetters. Schließlich entschloss man sich zu einer Open-Air-Veranstaltung. Noch viel mehr Gäste wären gern bei der „ersten und einzigen kulturellen Veranstaltung 2020“, wie es Jürgen Lauble formulierte, dabei gewesen. Doch auch hier stand natürlich alles im Zeichen von Corona, und so gab es dann für die Gäste zugewiesene Plätze mit Namensschildern.

Martin Wangler nahm mit seinem Traktor und dem umgebauten Forstwagen also ganz nach Programm „Nächste Ausfahrt: Heimat“ die Abfahrt in Richtung Fohrenbühl. Wobei er ganz sicher nie mehr Schlepper sagen werde, nachdem ihn die Polizei drei Stunden verhörte, als er bei einer Kontrolle berichtete, er komme von einem internationalen Schleppertreffen. 

Er sage jetzt nur noch Bulldog, und damit war der Kabarettist auch schon mittendrin in seinem Programm über heimatliche Begebenheiten, dem Umgang mit ihr und ihren Produkten sowie den knorrigen Schwarzwäldern, die Experten darin seien, nichts zu sagen. Im übrigen laute der erste Satz eines Schwarzwälders zu Fremden immer „Wad wid“, schwärmte er überdies von Begriffen im Dialekt wie „Sunnewirbele“, „Bettzipfel“ oder „Bubespitzle“, die sich allemal besser anhören würden als in Hochdeutsch.

Viel Blödsinn unterwegs

- Anzeige -

Neben der amüsanten Einlage, wie man richtig Speck vespert, hatte Wangler aber auch einiges Nachdenkliche in seinem Programm. Etwa, dass doch viele Leute gemerkt hätten, dass man an einem Handy nicht runterbeißen könne. Viele seien wieder, wenn auch mit „Nasenfahne“, einkaufen gegangen und hätten selber gekocht. Er sang über unsinnige Gesetze und Verordnungen rund um den „Bibiliskäs“, verurteilte die unsägliche Ferkelaufzucht im Ausland inklusive dem Herumkarren der Tiere, wohlgemerkt mit Unterstützung aus Brüssel, und blickte auf die Straßen, wo man sehe, „wie viel Blödsinn da unterwegs ist“, wenn verschiedene Produkte und selbst Bäume hin und hergefahren werden. „Was kostet uns das am Ende?“, fragte er. 

Einen Moment Totenstille herrschte nach seinem Song über die billige Milch und wie der Landwirt seinen Hof schließlich aufgibt und sich am Baum erhängt. Zwar humorvoll präsentiert und doch immer den Finger in die Wunde legend, so gestaltete Martin Wangler sein Programm. 

Deftiges gefiel

Der „Corona-Käfer“ habe doch gezeigt, woran es kranke. „Wir haben es jetzt in der Hand, wenn wir etwas nachdenken. Wir können jetzt etwas ändern oder so weitermachen“, gab er dem Publkium mit auf den Weg. Auf die Schippe nahm er auch gern den Tourismus im Schwarzwald mit so manchem Outdoor-Abenteurer.

Und Wölfe, die hier vielleicht wieder heimisch werden, die fürchte er gar nicht, eher jene im Schafspelz, die von Verantwortung und Werten erzählen und dabei gleichzeitig kleine Betriebe zur Aufgabe zwingen. Nein, beschönigen ist nicht Wanglers Ding, eher die knallharte Analyse, was mit der geliebten Heimat und ihren Menschen getrieben wird und wie es ohne die vielen Reglementierungen sein könnte. 

Das Speckvesper genoss er von seiner Bühne aus zwar genüsslich ganz alleine, aber dem Publikum gefiel, was es sonst an Deftigem serviert bekam.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 22 Stunden
Mittleres Kinzigtal
Das Talgeflüster ist ein ironischer Wochenrück- und -ausblick der Kinzigtal-Redakteure jeden Samstag. 
19.09.2020
Serie "Wasser-Fälle" (11)
Wolfachs Wetterexperte Franz Schmalz setzt sich im Interview mit dem Klimawandel und Niederschlägen auseinander und erklärt, ob es wirklich immer trockener wird. 
19.09.2020
Schiltach
Trotz Nasslagern und Pandemie-Unsicherheit: Die FBG Schiltach/Lehengericht blickte am Donnerstag optimistisch nach vorn. Die Kooperation mit der FVS soll fortgeführt werden.
19.09.2020
Rohbauarbeiten fast abgeschlossen
Viele Erdbewegungen in den Wäldern im Welschbollenbacher Tal warfen bei der Bevölkerung viele Fragen auf. Aus diesem Grunde informierten  Ortsvorsteher Andreas Isenmann und der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft „BZ-Verfahren Welschbollenbach“ Jürgen Schmid in der Ortschaftsratssitung am Montag...
19.09.2020
Wolfach
Schichtwechsel nach fast zwei Jahrzehnten gewissenhafter Arbeit: Norbert Hilberer gibt Aufsicht am Wolfacher Grünschnittplatz ab.
19.09.2020
Mühlenbach
Ein großes Lob für die Mühlenbacher Büchereileiterin Maria Neumaier gab es in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch von Bürgermeisterin Helga Wössner. 
18.09.2020
Hausach
Hildegard Geyer, Tochter der legendären „Hirsch“-Wirtsfamilie Metzger, schreibt an einer Chronik des ehemaligen Gasthauses „Hirsch“ in Hausach und hofft auf weitere Bilder. 
18.09.2020
Hausach
Der frühere Heimleiter des Hornberger Stephanus-Hauses, Torsten Dalichow, übernimmt beim DRK-Kreisverband Wolfach die Leitung des Pflegedienstes. Die bisherige Leiterin Luitgard Meier ist schwer erkrankt und kann ihre Arbeit erst einmal nicht fortsetzen.
18.09.2020
Seelsorgeeinheit Haslach
Der Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit Haslach beschäftigte sich am Dienstag mit dem Thema Kirchenentwicklung. Zu diesem wurde erneut ein Schreiben an den Erzbischof verfasst.
18.09.2020
Mühlenbach
Die Gemeinde Mühlenbach hat ihre Verkehrsinseln als insektenfreundliche Blühflächen gestaltet und sich damit am Wettbewerb „Blühende Verkehrsinseln“ beteiligt. 
18.09.2020
Infos im Ortschaftsrat
Haslachs Stadtbaumeister Clemens Hupfer informierte im Bollenbacher Ortschaftsrat über den Stand der Arbeiten und den weiteren Zeitplan.
18.09.2020
Gutach
Der Gutacher Gemeinderat lehnte am Mittwoch den Antrag mit neun Gegenstimmen ab, obwohl es einige interessierte Landwirte gab, die auf neue Möglichkeiten für ihren Berufsstand hofften.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Curvy Queen bietet trendy Mode bis Kleidergröße 60.
    16.09.2020
    Coole Looks bis Kleidergröße 60 / Drei tolle SSV-Shoppingtage
    Das Bekleidungsgeschäft Curvy Queen in der Offenburger Platanenallee bietet eine große Auswahl an Plus-Size-Mode. Vom 17. bis 19. September gibt es beim Sommerschlussverkauf die starke Mode zu reduzierten Preisen.
  • Voller Einsatz für die Patienten: Das Reha-Sport-Team vom Offenburger RehaZentrum - Sabrina Weidner, Sarah Figy, Mario Truetsch und Lars Bilharz (v. l.)
    15.09.2020
    Neue Kurse starten im Oktober – jetzt anmelden!
    Fit werden, fit bleiben: Dieses Ziel hat sich das Team des RehaZentrums in Offenburg für seine Kunden auf die Fahnen geschrieben. Hier bekommt jeder sein maßgeschneidertes Therapie- und Fitnessprogramm. Wer langsam wieder in Bewegung kommen will oder an einer Grunderkrankung, wie Rückenschmerzen...
  • Alexander Benz (von links), Michel Roche, Thomas Kasper, Erhard Benz und Erika Benz stehen an der Spitze des Top-Life.
    07.09.2020
    Top-Life Berghaupten: Die Adresse für Gesundheit und Fitness
    Gesundheit und Fitness haben eine Adresse in der Ortenau: Seit 1996 ist das Top-Life Gesundheitszentrum Benz KG in Berghaupten Ansprechpartner Nummer eins, wenn es in der Region um private Gesundheitsvorsorge, Wellness und medizinische Versorgungsangebote geht.
  • Die Vereine im ewo-Gebiet haben die Chance, für ihre Nachwuchsmannschaften zu gewinnen.
    28.08.2020
    Vereinsaktion #Ballwechsel: Energiewerk Ortenau und Partner suchen trickreiche Teams und deren Fans
    Ballkünstler gesucht! Das Energiewerk Ortenau (ewo) startet zusammen mit starken Partnern die Vereinsaktion #Ballwechsel: Wer seinen Club vorschlägt, eröffnet ihm die einmalige Chance, ein Fest und jede Menge Equipment im Gesamtwert von mehr als 5000 Euro zu gewinnen. Alles, was die meistgevoteten ...