Kinzigtal

Die Kultur vor der Tür erhalten

Autor: 
Maria Benz
Lesezeit 3 Minuten
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23. Juni 2008
Foto: Maria Benz - Wenn Filmerin Gaby Scheewe-Pfeil gerade nicht mit der Kamera unterwegs ist, bearbeitet sie ihre Aufnahmen am Computer.

Foto: Maria Benz - Wenn Filmerin Gaby Scheewe-Pfeil gerade nicht mit der Kamera unterwegs ist, bearbeitet sie ihre Aufnahmen am Computer.

Ein Stück Vergangenheit für die Nachwelt festhalten – das versucht die Bollenbacherin Gaby Scheewe-Pfeil mit ihrem Film »Es kommt im Leben nie wie man denkt«.
Haslach-Bollenbach. Filme über den Schwarzwald gibt es viele. Die meisten zeigen eine heile Welt mit lachenden Trachtenmädchen und Postkartenidylle. Solche Klischees liegen Gaby Scheewe-Pfeil fern. Die Filmerin aus Bollenbach ist seit 25 Jahren im Geschäft. Angefangen hat sie in einer Offenburger Werbeagentur, heute arbeitet sie selbstständig, übernimmt gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Roman Teufel Aufträge für Industrie und Werbung. Ihr Herzblut hängt jedoch in eigenen Projekten. So wie in ihren jüngsten Film »Es kommt im Leben nie wie man denkt«. Auch dort sind lachende Trachtenmädchen zu sehen. Die eigentlichen Hauptdarsteller sind jedoch vier Schwarzwälder Persönlichkeiten im Alter von 63 bis 89 Jahren – Vertreter einer aussterbenden Generation. Holzsägehackmaschine Als vor einigen Jahren das Haslacher Original Fritz Kilgus mit seiner mobilen Holzsägehackmaschine durch Bollenbach fuhr, wuchs bei Gaby Scheewe-Pfeil und ihrem Mann Ulrich die Idee einen Film zu machen, der eine Generation porträtiert, die wie keine andere für die Tradition und das Leben im Schwarzwald steht. »Ich finde es wichtig, das Vergängliche festzuhalten«, sagt Gaby Scheewe-Pfeil. Stück für Stück sei das Projekt gewachsen, ein Protagonist zum anderen hinzugekommen und doch ist der Film am Ende zu einer Einheit geworden. »Das Aufgehen in der Arbeit, die Zufriedenheit, die sie ausstrahlen und die Bescheidenheit, die sie auszeichnet, haben sich wie ein Puzzle zusammengefügt«, erzählt die Filmerin. Mit ihrem Werk hoffe sie, ein Stück Vergangenheit für die Nachwelt erhalten zu können. »Ich weiß nicht, ob es für die neue Generation wichtig ist, aber für mich war es wichtig«, bekennt Gaby Scheewe-Pfeil. Das Erhalten untergehender Kulturen ist ein Thema, dass sie immer wieder beschäftigt. So hat sie vor einigen Jahren einen Film über Burma gedreht und war erst vor einigen Wochen für ein neues Projekt in Namibia. Untergehende Kulturen direkt vor der Haustür zu suchen erscheint dagegen geradezu exotisch. Dies habe mit Scheuklappendenken zu tun, glaubt Gaby Scheewe-Pfeil: »Man meint immer, weit wegreisen zu müssen, und übersieht dabei das Naheliegende.« »In keine Schublade« Dieses Scheuklappendenken begegne ihr immer wieder. Während sich für den Burma-Film sogar der Kultursender Arte interessiert hat, stößt sie mit dem Schwarzwald-Projekt auf taube Ohren. »Ich habe an alle erdenklichen Sender eine Kopie geschickt, aber selbst beim SWR passt der Film in keine Schublade«, erzählt sie. Ab und zu sei eine Absage gekommen, in den meisten Fällen, habe sie aber überhaupt keine Reaktion auf den Film bekommen. Gaby Scheewe-Pfeil lässt sich jedoch nicht entmutigen. Auf der Seite www.schwarzwald-film.de stellt sie ihr Projekt im Internet vor und bietet den Film auf DVD zum Verkauf an. Gerne würde sie noch einen zweiten Schwarzwaldfilm drehen, doch dazu muss sie erst wieder einige Schwarzwälder Originale finden – und davon gibt es nicht mehr allzu viele.

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