Hausacher Stadtschreiber-Tagebuch (13)

Die Ungeschriebenen

Autor: 
Joachim Zelter
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. Mai 2017

Joachim Zelter aus Tübingen ist der 21. Hausacher Stadtschreiber. ©Yvonne Beradi

Joachim Zelter lebt seit Mitte Februar als Gisela-Scherer-Stipendiat und Hausacher Stadtschreiber im Molerhiisle im Breitenbach und schrieb jede Woche für die Leser des Offenburger Tageblatts eine Kolumne – und will sich mit dieser letzten nun von Hausach verabschieden:

Sicher kennen Sie José Olivers Mein andalusisches Schwarzwalddorf. In einer wunderbaren Wortverkehrung wandelt sich dort Hausach in achHaus! – eine Wortschöpfung, die mein Gefühl der letzten Tage sehr gut trifft. AchHaus! Wieviel Zärtlichkeit und Wehmut in diesem Wort schwingt. Denn meine Zeit geht hier langsam zu Ende, und mit ihr auch meine wöchentlichen Kolumnen, und ich sehe nun auf meinem Schreibtisch all die Notizen mit Beobachtungen zu Menschen, Orten und Begebenheiten, über die ich unbedingt noch schreiben wollte, doch leider (vor lauter anderen Kolumnen) noch gar nicht geschrieben habe. 

Da ist zum Beispiel die Tankstelle an der Eisenbahnstraße. Mitten im Kassenraum steht dort ein Kachelofen. In ganz Deutschland gibt es wahrscheinlich keine Tankstelle mit einem eigenen Kachelofen. Er ist für mich das Inbild für jede Einfahrt nach Hausach. Man würde dort mit allem rechnen, mit Schneeketten, Motorölen oder tiefgefrorenen Pizzen, nur nicht mit einem Kachelofen. In aller Freundlichkeit steht er an der Wand, wie ein Relikt aus alter Zeit. Fast bin ich geneigt, mich hinzusetzen, mir die Schuhe auszuziehen und tief durchzuatmen.

Wie in Venedig

- Anzeige -

Oder da ist die immer wieder vertagte Kolumne über die Terrasse am Gasthaus Akropolis. Sie befindet sich an einem Seitenarm der Kinzig, doch liegt diese Terrasse bei längerer Betrachtung gar nicht an der Kinzig, sondern direkt über ihr. Man speist gewissermaßen über einem Fluss, sieht beim Essen durch Holzplanken hindurch auf fließendes Wasser, fühlt sich wie ein Flößer auf einem Floß, kann sich beim Essen mal flussaufwärts- und dann wieder flussabwärts träumen, kann sich vorstellen, man treibe hinauf Richtung Schwarzwald zum Ursprung der Kinzig, oder das Rheintal hinab, Richtung Nordsee, während man Fischplatten isst und im Wasser Fischen nachtrauert. Je länger man auf dieser Terrasse sitzt, desto mehr wandelt sich alles in eine schwimmende und fließende Anordnung von Wasser, Kanälen und Stegen – und in eine Vielzahl kleinster und allerkleinster Brücken, die kreuz und quer über das Wasser führen. Man fühlt sich wie in Venedig. Die schwimmende Akropolis, die in Venedig an Land gehen wollte und dann doch in Hausach festmachte. Ach Hausach. 

Hallo Shakespeare

Oder meine unvollendete Kolumne über das Marktcafé, in dem ich oft saß und Flammkuchen, Bodenseefelchen oder Coq au vin aß. Hallo Shakespeare. So wurde ich dort jedes Mal begrüßt. Hallo Shakespeare. Und ich freute mich auf das Essen. Denn jedes Essen ist dort ein eigenes Kunstwerk, bis hin zu den selbstgebackenen Kuchen und Baguettes – Baguettes, die nicht nur ein bisschen schmecken wie in Frankreich, sondern genau so, und kein bisschen anders. Speisekunstwerke. Oder eine große Kolumne über das Gasthaus „Zur Eiche“. Nicht nur wegen der wunderbaren Kalbsbratwürste, von denen ich noch lange zehren werde, sondern auch wegen der langen und wechselvollen Geschichte dieses Hauses. Und niemand erzählt diese Geschichte so anschaulich wie Gisela Breithaupt. Wenn sie sich nach dem Essen zu uns setzt und zu erzählen beginnt: von Hausach, vom Krieg, vom Wiederaufbau, von Soldaten, Literaten und ungewöhnlichen Gästen, vor allem aber von ihrer großen Liebe zur Musik und ihrer Arbeit als Organistin. Wer ihr zuhört, der geht nicht mehr gleichgültig an diesem Haus vorbei … Alles Kolumnen, über die ich noch schreiben wollte, doch leider nicht geschrieben habe.

Etwa eine zweite Kolumne über die exorbitanten Radfahrten mit Matthäus (Matscher) Schmider. Und eine Sonderkolumne über seine kongenialen Mitfahrerinnen und Mitfahrer: Ralf, Thorsten, Manfred, Martin, Markus, Heike, Waltraud, Achim . . . Kolumnen über unerwartete und besondere Menschen. Kolumnen über Stadttore, Kapellen und Häuser. Alles nicht geschriebene Kolumnen, aber Kolumnen, die ich als Erinnerung nach Tübingen trage. Ach Hausach. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Der neue und alte Vorstand des Fasnet-Fördervereins Wolfach (von links): Klaus Sauerbrunn, Susi Riester, Bernhard Stelzer und Milena von Zelewski.
gerade eben
Wolfach
Mit mehr als 13 000 Euro unterstützte der Verein zur Förderung der Wolfacher Fasnet die Narrenzunft in den vergangenen zwei Jahren. Die Führungsriege des Vereins wurde am Dienstag in ihren Ämtern bestätigt.
Auf Einladung der Volkshochschule Kinzigtal und des Historischen Vereins Haslach gab Dr. Andreas Megerle im Refektorium des Alten Kapuzinerklosters einen Einblick in die geheimnisvolle Welt des Schwarzwalds im Laufe der Erdgeschichte.
vor 1 Minute
Dem Schwarzwald auf den Grund gegangen
Auf Einladung der Volkshochschule Kinzigtal und des Historischen Vereins Haslach gab im Refektorium des Alten Kapuzinerklosters einen interessanten Einblick in die geheimnisvolle Welt des Schwarzwalds im Laufe der Erdgeschichte.
Haslachs Bürgermeister Philipp Saar (rechts) freute sich mit den Anbietern und Teilnehmerinnen über den erfolgreichen Abschluss des Bildungsjahrkurses für Flüchtlinge (mit einem Klick auf das Foto sieht man alle Teilnehmerinnen).
vor 1 Minute
Haslach im Kinzigtal
Nach einem Jahr Fleiß und Arbeit fand das „Bildungsjahr für erwachsene Flüchtlinge – BEF 5“ mit der Zeugnisausgabe nach bestandener Prüfung seinen Abschluss.
Wurden einstimmig in den kleinen Narrenrat wiedergewählt (von links): Dieter Jehle, Bernd Schillinger, Wilfried Schuler, Jakob Zwikirs, Hubert Kessler, Sebastian Kopp, Christian Eichinger, Reiner Heil, Heiko Schneider und Hans Glunk.
vor 7 Stunden
Wolfach
Narrenvater Hubert Kessler kündigte am Dienstag in der Herbstsitzung des Großen Narrenrats an, in seine letzte Amtszeit zu gehen. Zudem gab es Infos für die Fasnet 2022.
Bürgermeister Bauernfeind (links) und Moderator Matthias Drescher während der Sendung.
vor 11 Stunden
Oberwolfach
Als Alternative zum Seniorennachmittag gab es einen Radio-Web-Stream. Das Angebot wurde gut angenommen. Im nächsten Jahr soll der Tag der Begegnung aber wieder in der Festhalle stattfinden.
vor 11 Stunden
Kein Online-Banking möglich
Kein Online-Banking und erwartete Probleme mit der Kartenzahlung: Kunden der Sparkasse Kinzigtal müssen am Wochenende mit großen Einschränkungen rechnen. Grund ist eine technische Umstellung.
Der Ringer Peter Öhler wurde mit einem großem Empfang geehrt. 
vor 16 Stunden
Mühlenbach
Mehr als 200 Fans und viel Ringer-Prominenz empfingen am Sonntag in Mühlenbach Peter Öhler, der sich bei den Weltmeisterschaften in Oslo auf den fünften Platz gekämpft hatte.
Ralf H. Dorweiler ist Autor mehrerer historischer Romane.
vor 19 Stunden
Wolfach
Beim nächsten Termin von „Mittwochs im Museum“ liest Ralf H. Dorweiler aus seinem Abenteuerroman „Der Pakt der Flößer“ vor. Die Geschichte spielt unter anderem in Wolfach.
Matthias und Anja Schulte vom Gesundheitszentrum Elithera engagierten sich für die Schnellteststation.
vor 22 Stunden
Wolfach
Der Wolfacher Pflegedienst „Pflege mobil an Wolf und Kinzig“ und das Gesundheitszentrum Elithera werden vom Land mit einer Auszeichnung für ihren Einsatz in der Pandemie geehrt.
Der Förderverein der Wolftalschule hat getagt.
vor 22 Stunden
Oberwolfach
Meike Gartner rückt bei der Mitgliederversammlung in den Vorstand nach
Die Bauleitung für den Umbau der früheren Grundschule wurde vom Gemeinderat neu vergeben.
vor 22 Stunden
Schenkenzell
Schenkenzells Gemeinderat musste in seiner jüngsten Sitzung die Bauleitung für den neuen Kindergarten in neue Hände vergeben: Das ursprünglich beauftragte Architekturbüro hatte keine Kapazitäten mehr frei.
v.l.: Claus und Bärbel Vögele sowie Shakti und Mathias Paqué
vor 23 Stunden
Steinach
Das Duo „Mon Mari et moi“ bezauberte das Publikum in Vögeles Mühle mit selbstkomponierten Liedern und Texten.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das RehaZentrum Offenburg bildet die ganze Bandbreite des Sports ab: Prävention, Rehabilitation, Therapie, Gesundheitsberatung und Sportmedizin.
    15.10.2021
    RehaZentrum Offenburg: Ihr Partner für Ihre Gesundheit
    Seit fünf Jahren ist das RehaZentrum Offenburg starker Partner, wenn es darum geht, fit zu werden oder fit zu bleiben. Der Geburtstag wird bis Ende des Jahres mit den Kunden gefeiert: Wer jetzt den Fitnessführerschein macht, kann bis Silvester kostenfrei trainieren.
  • Modern, sicher, barrierefrei und zentrumsnah in Achern wohnen, das ermöglicht die Wohnimmobilie AcherAPARTMENTS gleich 71 Mal (unverbindliche Illustration). 
    08.10.2021
    AcherAPARTMENTS: Sicher. Betreut. Wohnen in zentraler Lage
    Für Kapitalanleger oder Selbstnutzer: Auf dem ehemaligen Glashüttenareal in Achern entstehen 71 barrierefreie Wohnungen. Zentral gelegen sind die Apartments mit vielen Extras idealer Ausgangspunkt für selbstbestimmtes Wohnen im Alter. Überzeugen Sie sich selbst!
  • Jubel bei vielen "MitSTREITern" von STREIT Service & Solution: Das Unternehmen hat es bei "Great Place to work" im Wettbewerb "bester Arbeitgeber" erneut auf den ersten Platz im Land und den vierten im Bund geschafft. 
    29.09.2021
    Übernehmen Sie unbeSTREITbar starke Aufgaben
    Was als Familienunternehmen "Papierhaus STREIT" vor 70 Jahren gegründet wurde, erwuchs heute in dritter Generation zum Full-Service-Anbieter "STREIT Service & Solution" mit rund 250 Mitarbeitenden in Hausach. Die Expansion geht weiter – Stellen müssen besetzt werden.
  • Alexander und Inhaber Jürgen Venzke führen den Familienbetrieb in der zweiten Generation.
    29.09.2021
    Schneckenhaus bietet schadstoffgeprüfte Vollholzmöbel
    Designstark, flexibel, robust - Vollholzmöbel sind eine Anschaffung fürs Leben. Maßgefertigt passen sie sich jeder Raumsituation an und tragen maßgeblich zum wohngesunden Klima in den Räumen bei. Schneckenhaus - das grüne Möbelhaus - bietet eine umfangreiche Auswahl.