Oberwolfach

Drechsler drehen in Oberwolfach ein großes Rad

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07. April 2019
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(Bild 1/3) Die Sieger des 10. Internationalen Drechslerwettbewerbs: von links Hans-Ueli SChmocker, Kaspar Straub, Ralf Geithner, Klaus Reef, Jan Uwe Thomson und Alois Wimmer. ©Claudia Ramsteiner

Die Drechsler haben den Durchblick. Das war zumindest das Thema des zehnten Internationalen Wettbewerbs – neben Unternehmerfortbildung und Vorführungen für Amateure das dritte Standbein des Eurosymposiums der Drechsler am vergangenen Wochenende in Oberwolfach.

Das Drechslerhandwerk bekommt Aufwind. Nicht nur durch die Aufnahme in die Unesco-Liste als Immaterielles Kulturerbe (siehe Stichwort I). Auch die steigenden Teilnehmerzahlen beim Eurosymposium der Drechsler, dem ältesten und größten Fortbildungslehrgang des Berufsstands, sprechen dafür und vor allem die Teilnahme vieler junger Drechsler. 

Mehr als 40 Drechslermeister und -gesellen trafen sich am vergangenen Wochenende im Hotel »Drei Könige«. Dort haben sie seit vielen Jahren eine Heimat gefunden, um sich auszutauschen und weiterzubilden. Berichte aus den Berufsschulen in Deutschland und der Schweiz zeigten ähnliche Probleme: Es gibt zwar junge Menschen, die sich für diesen Beruf interessieren, aber immer weniger Betriebe, die sie auch ausbilden. Daran gelte es intensiv zu arbeiten, rief Innungsmeister Markus Günther die Meister zum Engagement für die Ausbildung auf.

Interesse der Jugend ist da

Dass sich auch junge Autodidakten mit gutem Erfolg am Internationalen Drechslerwettbewerb beteiligten, zeigte, dass das Interesse der Jugend durchaus da ist. Wolfgang Miller, Vize-Bundesinnungsmeister und Fachlehrer in der Berufsschule in Bad Kissingen, bestätigte außerdem das hohe Niveau der Lehrlinge, die sich ganz bewusst für dieses anspruchsvolle Handwerk entscheiden.

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Die jährliche Exkursion führte dieses Mal zur Schreinerei Moser nach Haslach. Thomas Moser hinterließ bei den Drechslern mit seiner Leidenschaft für seinen Beruf und seinen Betrieb einen nachhaltigen Eindruck. Die Themen der Vorträge reichten von »Holz und Hygiene« über Gestaltung bis zur Bedeutung der Ernährung für die Leistungsfähigkeit.

»Fast alles hier gelernt«

Wie immer öffnete sich das Drechslerhandwerk am Samstag für die Öffentlichkeit mit Ausstellungen und vor allem mit sehr gut besuchten Vorführungen verschiedener Drehtechniken für Amateure. Einer davon war Paul Müller, der seit vielen Jahren fester Gast ist: »Ich habe fast alles hier gelernt und daheim umgesetzt und geübt«, sagte er. Er fühle sich als Amateur vor allem sehr ernst genommen mit seinen Fragen und erhalte immer kompetente Antworten. 

»Die Ideen stehen im Mittelpunkt«, betonte Innungsmeister Markus Günther bei der Siegerehrung des Internationalen Drechslerwettbewerbs am Samstagabend (siehe Stichwort II) – und schon durch deren Umsetzung habe jeder Teilnehmer gewonnen. Dies bestätigte der Sieger der Hauptklasse Ralf Geithner, der aus Burgstädt bei Chemnitz angereist ist: »Die Themen dieses Wettbewerbs reizen zu den verrücktesten Ideen«, sagte er.  
 INFO: Das nächste Eurosymposium findet vom 27. bis 29. März 2020 im Hotel »Drei Könige« in Oberwolfach statt. Das Wettbewerbsthema lautet »angedockt«.

Stichwort

Immaterielles Kulturerbe der Unesco

Mit Schampus feierten die Teilnehmer des Eurosymposiums der Drechsler am Freitag die Aufnahme des Drechslerhandwerks als Immaterielles Kulturerbe der Unesco. Der stellvertretende Bundesinnungsmeister Wolfgang Miller berichtete vom Festakt in München: »Die Experten würdigen damit das Drechslerhandwerk als sehr beständiges, wandlungsfähiges und innovatives Handwerk, das langjährige Erfahrung, ein ausgeprägtes Verständnis, Geschick und Formgefühl erfordert. Besonders zufrieden zeigte sich Miller darüber, dass die gesamte Kultusministerkonferenz darüber entschieden hat. Das schütze das Drechslerhandwerk davor, bei geringen Lehrlingszahlen als Ausbildungsberuf gestrichen zu werden. »Ehre verpflichtet«, rief er die Meister dazu auf, ihr Wissen und Können weiterzugeben. Weitere Infos: www.unesco.de/ike.

Stichwort

Die Sieger des Wettbewerbs "Durchblick"

Zum zehnten Mal rief der Arbeitskreis Europadrechsler der Drechslerinnung Baden-Württemberg einen Internationalen Wettbewerb aus. Die Preisträger kamen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Zum Teil hatten sie ihre Wettbewerbsstücke eingesandt und konnten bei der Siegerehrung nicht selbst anwesend sein. 
◼ Klasse A, Meister/Gesellen/Fortgeschrittene Amateurdrechsler: 1. Ralf Geithner aus Burgstädt (Strukturierter Becherschale), 2. Jürgen Ludwig aus Dessau-Roßlau (Handschmeichler für Durchblicker), 3. Kaspar Straub aus Rückholz (X-Rohr aus Eibe).
◼ Klasse B, Amateurdrechsler: 1. Hans-Ueli Schmocker aus Egolzwil/Schweiz (Kaleidoskop), 2. Jan Uwe Thomson aus Lübeck (Lampe), 3. Alois Wimmer aus Stuttgart (durchbrochene Schale).
◼ Klasse C, Lehrlinge: 1. Sebastian Seidler aus Oberaichbach (durchbrochene Zwetschgenschale)
◼ Sonderpreise: Sonderpreis Gestaltung Helfried Puhr aus Graz/Österreich (Schachspiel), Sonderpreis Originalität Klaus Reef, Meerbusch-Osterath (Schlüssellochgucker).
Sponsoren hatten Sachpreise im Wert von mehr als 1000 Euro gespendet. 

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