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Gutach

Dreykönigsmatinee wieder gut besucht

Drei Autorinnen stellen im Gutacher Kunstmuseum ihre neusten Werke vor
09. Januar 2017
&copy Andreas Buchta

Die drei Autorinnen, aber auch die Musiker Christoph Haarmann und seine Tochter Ingrid, begeisterten bei der Dreykönigsmatinee, die am Freitag zum elften Mal im Gutacher Kunstmuseum stattfand.

»Einmal im Jahr stellen zwei Gutacher Einrichtungen bei der Dreykönigsmatinee zum elften Mal im 22. Jahr des Verlags mit nunmehr 99 Büchern seine neuen Autoren vor«, kommentierte Verleger Wendelinus Wurth die Lesung am Freitag im Hasemann-Liebich-Museum. Wie jedes Mal in all den Jahren waren wieder zahlreiche Zuhörer gekommen, um den Autoren, aber auch der Musik von Christoph Haarmann und seiner Tochter Ingrid zu lauschen.

Improvisationen auf Flöte und Cello

Freie, in faszinierender Weise auf die gelesenen Texte bezogene Improvisationen auf Flöte und Cello, die die Lesungen musikalisch kongenial illustrierten. Den Anfang machte Heide Jahnke aus Buchenbach, die Kulinarisches aus ihrem Gedichtband »Die Sahne bebt, der Löffel zuckt« serviert: Ein lyrisches Husarenstück, opulente Gedichte rund ums Einmachen, Kochen und Essen, garniert mit ebenso opulenten Bildern. Augenzwinkernd widmet sich die Autorin auch den Mangelerlebnissen der Kriegsgeneration, denn: »Genuss an Fülle ist nur dem möglich, der den Mangel erlebt hat.«

Vorkriegspralinee

Da wird »das letzte Vorkriegspralinee mit scharfem Messer viergeteilt«, in Omas Küche brennt und glüht und gärt es brodelnd und der ungeliebte Rübensirup kommt zum Einsatz. Auch der an Tragik übervolle Lebenslauf der Kartoffel Annabell vom Acker bis zum krossen Goldtaler wird in üppigen Worten geschildert und das Blutbad einer jählings geschlachteten Tomate. Mit einem Cafébesuch mit säuselndem Geigenhintergrund beendet Heide Jahnke ihre Lesung: Eine begnadete Interpretin ihrer selbst.

Geburt eines Kälbchens

In breitem »Lohrer« Dialekt stellte Ulrike Derndinger ihr Büchlein »Weckli, Deckli, Schleckli« vor. Sie schildert die Substitution von 10000 Kanadiern durch ebenso viele »Russlandditsche«, die sich in dem heimischen Dialekt so gar nicht wohlfühlen: »Deutsch lernen und auch noch Dialekt!« Sie schildert einen Unfall, der sich zur Liebesgeschichte entwickelt und die Geburt eines Kälbchens (»Alla, ziiege! S'schnuuft, s'läbt!«), das gleich mit Schnaps »deift« wird. Das »usländisch Fressglump« in der Krone mit »siner viehmäßige Schärfe« wird angeprangert und der angloalemannische Dialekt ihrer »Frisseri« zelebriert, für deren Sprachmischmasch sie lange geübt haben muss: »I speak als grad nus!«

Alltägliche Vorgänge

Als letzte trat Ingeborg Gleichauf mit ihrem Gedichtband »Danebengeschrieben« auf. Sie zeigt sich als feinsinnige Poetin alltäglicher Vorgänge. Da begrüßen die ersten Sonnenbrillen den Frühling, da reicht der Name eines Baumes bis in den Himmel, ein Schlagzeug ist bis nach Afrika zu hören, in Apulien »übersteht das Kastell auch noch die Sonne« und die Arme alter Männer zeichnen »zutiefst Gesprochenes in die Luft«. Momentaufnahmen sensibler Impressionen allesamt, ohne jede romantische Verklärung, die einen aufrufen zum »Inne- und den Blick aushalten, mitten hinein in ein Hier, wo es vollkommen still ist«.  

Autor:
Andreas Buchta

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