Hausach

DRK-Rettungswache hat einige Sorgen und Nöte

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21. Februar 2020

©Claudia Ramsteiner

Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Sandra Boser, hörte sich am Dienstag die Sorgen und Nöte der Rettungswache des DRK-Kreisverbands an. Es waren nicht wenige, die Geschäftsführer, Notfallsanitäter und Notärzte vorbrachten.

„Der Fachkräftemangel trifft auch uns“, begann Volker Halbe, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands, am Dienstag in der Rettungswache in Hausach das Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Sandra Boser (Grüne), und Rettungsdienstleiter Peter Giardini bekräftigte: „Es wird ziemlich eng!“ Die Stundenkonten stiegen unaufhaltsam, die Notfallsanitäter des Kreisverbands sind miteinander älter geworden. 1990 sei der letzte in Rente gegangen – in den nächsten zehn Jahren stünde aber ein großer Generationswechsel an.

Der Kreisverband bietet zwar jährlich drei Ausbildungsplätze für Notfallsanitäter, die auch noch besetzt werden könnten – es sei aber schwierig, diese zu halten, sagte Giardini. Mit Zulagen, Antrittsprämien, modernen Fahrzeugen würden die ausgebildeten Kräfte umworben. Und manche landen dann auch ganz woanders: in der chirurgischen Ambulanz, bei der Polizei, in der Notaufnahme. Es fehle auch die Perspektive „hier könnt ihr alt werden“ – mit einer Berufsausübung bis 67 ohne Teilzeitmöglichkeit.

Großer Frust

Ein großes Problem sehen Giardini und Notarzt Manuel Abels in der Anerkennung des Profilbilds. Die Aufwertung der Ausbildung habe viel gebracht, die Notfallsanitäter hätten ein „extrem großes Wissen“ – und dürften dieses dann nicht anwenden. Dieser Mangel an Vertrauen in die Kompetenzen sei „extrem frustrierend“. Mit einer „geregelten Kompetenz“ könnte man vieles viel besser regeln – auch im Sinne der Patienten, „und die Arbeit würde damit den Notfallsanitätern und den Notärzten mehr Spaß machen“, so Abels.

Die Crux sind die fließenden Grenzen zwischen Notfall- und Regelkompetenz. Abels verdeutlicht dies an einem konkreten Beispiel: Auf einem Spielplatz erleidet ein Kind einen offenen Bruch. Die Notfallsanitäter sind zuerst dort, erkennen die großen Schmerzen des Fünfjährigen: Das Kind schreit, die Mutter ist aufgelöst, der Notfallsanitäter darf aber kein Schmerzmittel geben, weil dies nicht zur Notfallkompetenz gehört. „Natürlich machen wir unsere Arbeit, wie sie gemacht werden muss, oft genug begehen wir dabei aber eine Straftat“, spricht der stellvertretende Rettungsdienstleiter Roland Klemm von einem „großen Frust“. Das Thema höre sie auch in den Pflegeheimen, sagte Boser: „Gut ausgebildete Fachkräfte mit mehr Kompetenzen auszustatten, tut überall not.“

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Geld für „Helfer vor Ort“?

Ein weiteres Problem für ländliche Rettungswachen sei die Änderung der Klinikstruktur. „Wir werden immer mehr fahren müssen“, so Abels. Hinzu komme der Personalmangel auch in den Notaufnahmen der Kliniken, die den Rettungsdienst mit ihrem Patienten mangels Kompetenzen schon wegschicken mussten. „Oder wir treffen auf sehr junge und sprachlich wenig versierte Ärzte, bei denen wir ein schlechtes Gefühl haben, ihnen unsere Patienten zu überlassen“, spricht Abels Klartext.

Kreisverbandsarzt Wolfgang Stunder sprach die wichtigen „Helfer vor Ort“ und die Notfallbetreuung an, die finanziell völlig alleingelassen würden. Allein in Oberharmersbach seien die Helfer vor Ort zu 100 Einsätzen im Jahr unterwegs und bekämen nicht einmal die Fahrtkosten ersetzt. „Das Land wünscht die Strukturen, will aber nichts bezahlen“, betonte auch Halbe. Gerade habe die Landesregierung 800 000 Euro für die Helfer vor Ort beschlossen – sie werde sich informieren, was damit finanziert werden kann, versprach Boser. 

Erste Strafanzeige

Die Respektlosigkeit vor den Rettungskräften nehme auch hier auf dem Land leicht zu, beantwortete Peter Giardini eine Frage von Sandra Boser. „Das wird uns in einigen Jahren einholen“, befürchet er. Ein Kollege habe nun erstmals eine Strafanzeige gestellt. 

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