Hausach

Ein Tag im Leben von Bürgermeister Wolfgang Hermann...

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07. Mai 2021
Ein Tag im Leben von Bürgermeister Wolfgang Hermann: Besichtigung der Kaplanei mit der Musikschule: von links Kulturamtsleiter Hartmut Märtin, Architekt Benjamin Schmider, Bürgermeister Wolfgang Hermann, Walter Glunk, Geschäftsführer der Musikschule, Musikalischer Leiter Peter Stöhr und Zweigstellenleiterin Katrin Krichel. 

(Bild 1/8) Ein Tag im Leben von Bürgermeister Wolfgang Hermann: Besichtigung der Kaplanei mit der Musikschule: von links Kulturamtsleiter Hartmut Märtin, Architekt Benjamin Schmider, Bürgermeister Wolfgang Hermann, Walter Glunk, Geschäftsführer der Musikschule, Musikalischer Leiter Peter Stöhr und Zweigstellenleiterin Katrin Krichel.  ©Claudia Ramsteiner

Wolfgang Hermann ist seit dreieinhalb Jahren Bürgermeister der Stadt Hausach. Er liebt die Vielseitigkeit seines Berufs, kein Tag ist wie der andere, er steht täglich vor neuen Entscheidungen.

Wenn der Hausacher Bürgermeister Wolfgang Hermann so zwischen 8.15 und 8.30 Uhr ins Rathaus kommt, ist sein Tag schon zweieinhalb Stunden alt. Er beginnt mit einer Morgenrunde mit seinem einjährigen Bernhardiner Cameo. Da sind die „Männer der Familie“ unter sich, Wolfgang Hermann macht sich fit für den Tag. Wenn er heimkommt, sind die Kinder wach, er hilft seiner Frau, sie zu richten. Im Oktober wird wieder eines hinzukommen. Hausach soll die 6000-Einwohner-Grenze erreichen, „aber eigentlich wollten wir das nicht allein vollmachen“, schmunzelt er.

Nebenbei eine Tasse Kaffee und ein Blick ins elektronische Offenburger Tageblatt, dann geht’s los. 8.15 Uhr, es ist Montagmorgen nach der Osterwoche, die sich der Bürgermeister frei genommen hatte. Auf seinem Schreibtisch stapelt sich ein Berg Post. Bis neun Uhr versucht er in der Regel, das zu erledigen, was er am Vorabend nicht mehr geschafft hat – meistens Mails. Pro Tag rund 50, die meisten bedürfen einer Antwort. Ab 9 Uhr ist sein Tag durchgetaktet. Seine Sekretärin Ulrike Tippmann achtet darauf, dass für jeden Gesprächspartner genügend Zeit bleibt.

Abstimmung mit den Fachämtern

Bauamtsleiter Hermann-Josef Keller ist der Erste. Wenn sich der Bürgermeister am nächsten Tag mit dem Käufer des Huthauses Lehmann vor dem Notar trifft, will er vorher genau wissen, was dort baurechtlich möglich ist, um dem Käufer Rede und Antwort stehen zu können. Die Abstimmung mit den Fachämtern ist für den Chef des Rathauses ungeheuer wichtig. Vor dem nächsten Gespräch mit Hauptamtsleiterin Viktoria Malek und Kämmerer Werner Gisler kommen dazwischen schnell noch mehrere Rathausmitarbeiter herein, die schnell eine Unterschrift oder eine Entscheidung brauchen.

„Jeder Tag hier bildet alle Facetten des Lebens ab“: Gerade diese Vielseitigkeit liebt Wolfgang Hermann an seinem Beruf. Mit Viktoria Malek und Werner Gisler geht es zunächst um Schnelltests für die Kindergärten. Ist das eine Sache der Stadt oder der Träger? Es wird entschieden: Die Stadt besorgt und bezahlt die Schnelltests, wie diese gehandhabt werden, entscheiden die Träger, die katholische Kirchengemeinde und der DRK-Kreisverband.

Großer Themensprung: Werner Gisler ist auch Verbandsrechner des Abwasserzweckverbands, und der hat Schwierigkeiten, den Klärschlamm zu einem angemessenen Preis zu entsorgen. Im Südschwarzwald gründet sich ein Zweckverband Klärschlammverwertung. Die Kinzigtäler haben bereits Interesse an einem Beitritt bekundet. Als Vorsitzender des Abwasserzweckverbands geht Hermann mit Gisler den Schriftverkehr durch und bespricht das weitere Vorgehen

Jahresbericht der Musikschule

Einige Minuten sind schon überzogen, im Sitzungssaal warten die Hausacher Zweigstellenleiterin Kathrin Krichel mit dem Geschäftsführer Walter Glunk und dem Musikalischen Leiter Peter Stöhr der Musikschule Offenburg-Ortenau, die dem Bürgermeister den Hausacher Jahresbericht der Musikschule vorstellen wollen. Das Pandemiejahr hat Spuren hinterlassen – die Schülerzahlen sinken. Nicht, weil es übermäßig viele Abmeldungen gebe, sondern kaum Anmeldungen. Doch Walter Glunk erwartet einen „Anmeldeboom“ mit der neuen Musikschule.

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Und die gilt es anschließend zu besichtigen. Architekt Benjamin Schmider führt durch das Haus vom „gläsernen Büro“, das rückwärts an die alte Kaplanei gebaut wurde bis zum Dachgeschoss, wo ein Veranstaltungsraum entsteht, der alle begeistert. Nun kann sich die Zweigstellenleiterin Gedanken machen, in welchem Raum was unterrichtet wird und natürlich auch, wann und wie die Einweihung gefeiert wird. Die Hoffnung, dass bis zum Winter wieder „richtig“ gefeiert werden kann, ist groß.

Mit dem Lob „Superschön, ich bin sehr beeindruckt“ von Walter Glunk und „ein echtes Schmuckstück“ von Peter Stöhr in den Ohren, geht es kurz nach 12 Uhr nicht in die Mittagspause, sondern Wolfgang Hermann macht sich noch einmal über seinen Berg Post her. Erst gegen 13 Uhr geht es „kurz heim, etwas essen“. Verdauen muss er danach nicht nur die Mahlzeit und weitere Post, sondern auch die Kündigung, die ihm ein Mitarbeiter des Kinzigtalbads ins Büro bringt. Er hat die Möglichkeit, als Fachangestellter für Bäderbetriebe an seinen Wohnort zu wechseln. Gut für ihn, schlecht fürs Bad, das nun erneut auf Fachkräftesuche gehen muss.

"Ein Segen und ein Fluch"

Gegen 14.30 Uhr verlässt der Bürgermeister das Rathaus in Richtung Badepark. „Ich habe in diesem Pandemiejahr unheimlich viele Videokonferenzen und sehr wenig Außentermine“, erzählt er. Oft nutzt er die Fahrzeiten für Telefonate. Die Fahrzeiten fallen jetzt weg, die Telefonate nicht. Die werden eher mehr. E-Mails liest Wolfgang Hermann überall, auf dem I-Phone, auf der Uhr: „Das ist einerseits ein Segen, andererseits ein Fluch.“

Nun aber bleiben für eine halbe Stunde Handy und Uhr unbeachtet. Thomas Blumenstock schildert seinem obersten Chef, wie er sich die Wildstaudenwiese hinter dem Badepark vorstellt. „Totholz? Steinhaufen? Und das sieht gut aus?“ Er lässt sich von dem Gärtner überzeugen – das sieht mit den Wildstauden, die zu verschiedenen Zeiten blühen, nicht nur gut aus, sondern hilft auch der Natur und braucht kaum Pflege. Der Bürgermeister segnet die Wildstaudenwiese ab, einschließlich einem Wildbienenhotel (Blumenstock: „Wildbienen stechen nicht, die haben keine Königin zu verteidigen“) und einer Sitzgruppe, die der Bauhofzimmerer fertigen soll.

Beim nächsten Termin ist die Presse außen vor: ein Personalgespräch, es geht um die Wiedereingliederung nach Elternzeit. Um 17.15 Uhr der letzte Eintrag im Kalender: Schani Hipp, Erzieher im Kindergarten St. Anna, möchte Sozialpädagogik studieren. Er hat sich um ein Stipendium beworben, für das er die Empfehlung einer öffentlichen Person braucht. Was läge da näher als der Bürgermeister – ist dieser doch auch Vorsitzender im DRK-Ortsverein, in dem Schani Hipp die Jugendgruppe leitet. „So eine Empfehlung mache ich zum ersten Mal, aber für Schani mache ich das sehr gern“, sagt Hermann nach dem einstündigen Gespräch.

Lesen und Kuscheln dank der Pandemie

Bis 19.45 Uhr sichtet und unterzeichnet der Bürgermeister noch die Unterschriftsmappen der Ämter, um 20 Uhr wird er von seinen Kleinen zu Hause erwartet: Er genießt mit seinen Mädels das Ritual mit Geschichtenvorlesen und Kuschelzeit sehr, denn „außerhalb der Pandemie ist das kaum möglich, weil jeder Abend terminlich belegt ist“.

Nach dem Abendessen werden weitere Mails gelesen und beantwortet: außer Corona zur bevorstehenden Tunnelschließung, der weiteren Verwendung des Molerhiisles, Kreistagsthemen. Der Tag schließt mit seiner Frau vor dem Fernseher. Bemerkenswert, wie oft der Bürgermeister den ganzen Tag über von einem Thema zum anderen „switchen“ muss. Gerade diese Herausforderung liebt Wolfgang Hermann: „Hauptsache, für meine Prinzessinnen zu Hause bleibt auch noch ein wenig Zeit.“

INFO: Nächsten Mittwoch begleiten wir einen Tag lang den Landwirt Andreas Schmalz aus Schiltach-Lehengericht.

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