Hausach

Fachstelle Sucht jetzt im Hausacher Pfarrhaus

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 3 Minuten
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10. August 2018

Martha Ohnemus-Wolf im neuen Beratungszimmer der Fachstelle Sucht im Pfarrhaus in der Hausacher Klosterstraße. Sie ist die Leiterin der Fachstelle Sucht in Offenburg und vertritt ihren Kollegen Andreas Birkenberger in der Kinzigtäler Außenstelle in dessen Urlaub. ©Claudia Ramsteiner

Lange hat die Fachstelle Sucht in Offenburg eigene Räume für die Außenstelle Kinzigtal gesucht, und dann ging auf einmal alles ganz schnell. Die Beratungsstelle ist bereits umgezogen, das Offenburger Tageblatt besuchte sie im Pfarrhaus in der Hausacher Klosterstraße.

Ein separater Eingang von der Klosterstraße her führt zur neuen Adresse der Fachstelle Sucht im Kinzigtal im Hausacher Pfarrhaus. Dort hat die Außenstelle Kinzigtal nun einen eigenen Raum – Toilette und Küche werden gemeinsam mit der Sozialstation genutzt, die dort ebenfalls einzieht. »Wir haben lange gesucht«, sagt Martha Ohnemus-Wolf. Sie ist die Leiterin der Fachstelle Sucht in Offenburg und vertritt in der Außenstelle Kinzigtal gerade Andreas Birkenberger in dessen Urlaub.

Als Pfarrer Christoph Nobs nach Hausach kam, sei plötzlich alles ganz schnell gegangen. Sogar ein Großteil des Mobiliars habe die Hausacher Pfarrgemeinde zur Verfügung gestellt, und nun konnte man zum 1. August bereits umziehen. 38 Jahre lang war die Fachstelle Sucht im Hausacher Rathaus. Das Trauzimmer im habe man sich mit vielen anderen teilen müssen – und die Tatsache, dass der Wartebereich direkt vor dem Sitzungssaal lag, sprach gegen die Anonymität, die gerade diesen Klienten sehr wichtig sei.

82 Betreuungen in der Außenstelle Kinzigtal im vergangenen Jahr

82 Betreuungen verzeichnete die Außenstelle Kinzigtal der Fachstelle Sucht im vergangenen Jahr. »Das kann von einigen Gesprächsterminen bis  zu einem Jahr ambulante Reha oder Nachsorge reichen«, so Ohnemus-Wolf. Schwerpunkt sei eindeutig der Alkohol, aber auch die Glücksspielsucht sei noch steigend. Während bei diesen Süchten der Anteil der Männer bei etwa zwei Dritteln oder mehr liegt, ist die Medikamentensucht eher weiblich. Dies sei eine »vorborgene Sucht« mit einer hohen Dunkelziffer. 

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Martha Ohnemus-Wolf ist entsetzt, dass das Nachtverkaufsverbot für Alkohol »ohne Not« aus einer falsch verstandenen Liberalisierung heraus wieder aufgehoben worden sei:  »Das ist ein Skandal, die Zahlen zeigen, dass das ein wirkungsvolles Instrument war.« Auch bei der Spielsucht zeige sich, dass die Verfügbarkeit eine große Rolle spielt: »Mit der steigenden Zahl der Spielotheken steigt parallel die Anzahl der Betroffenen«, sagt die Sozial- und Suchttherapeutin. Dass Deutschland eines der wenigen Länder Europas sei, in dem Alkoholkonsum bereits ab 16 Jahren erlaubt sei, sieht sie ebenfalls als »falsches Signal«.

Bei der Fachstelle Sucht sind nicht nur die Betroffenen selbst willkommen, sondern selbstverständlich auch die Angehörigen, Arbeitgeber und alle, die Fragen zu Suchtmitteln und -gefahren haben. Es gelte, Angehörige zu stärken, ihr bisheriges Verhalten wertzuschätzen und ihnen zu vermitteln, dass sie in dieser belastenden Situation besonders auch für sich selbst sorgen müssten: »Die Energie rausnehmen, auf sich lenken und mit sich selbst pflegeleicht umgehen«, sagt die Fachfrau. 

»Betroffene brauchen gute Gründe, aus der Sucht herauszukommen«

Für Betroffene brauche es »gute Gründe, aus der Sucht herauszukommen«. Je länger Angehörige die Folgen der Sucht abmildern, umso länger dauere es, bis ein Suchtgefährdeter einsichtig sei, dass er Hilfe braucht. »Grundsätzlich je früher, je besser«, sagt Martha Ohnemus-Wolf zum besten Zeitpunkt, die Fachstelle Sucht aufzusuchen.
Oft komme ein Hinweis vom Arzt oder vom Arbeitgeber. Auch hier könne es helfen, die Arbeitnehmer frühzeitig auf einen Verdacht anzusprechen: »Die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, ist der Veränderungsgrund Nummer eins!« Vom Chef darauf angesprochen zu werden, sei ein harter Einschnitt und für die meisten hochbeschämend. 
Ein »Trauzimmer« ist die Fachstelle Sucht übrigens immer noch. Man muss sich nämlich trauen, hinzugehen. 

Stichwort

Außenstelle Hausach

◼ Anmeldung unter 
• 0781/9193480 montags bis donnerstags 8 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, freitags bis 15 Uhr. E-Mail fs-offenburg@bw-lv.de
◼ Sprechstunde ohne Voranmeldung: Donnerstag 16 bis 17 Uhr in Hausach in der Klosterstraße 21
◼ Gruppenangebote in Hausach: 14-tägig montags 18 bis 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim, Pfarrer-Brunner-Straße 11, Anmeldung siehe oben.

Stichwort

Angebote: Ambulante Reha und Kontrolliertes Trinken

Zwei Angebote der Fachstelle Sucht sind noch relativ jung – aber sehr erfolgreich. 
◼ Ambulante Reha: Gerade im Ländlichen Raum sei die Ambulante Rehabilitation ein häufig genutztes Angebot für Menschen, bei Alkohol-, Medikamenten- oder Glücksspielsucht, für die ein längerer stationärer Aufenthalt nicht in Frage kommt. 
Wie bei der stationären Reha wird zunächst ein Antrag auf Übernahme der Behandlungskosten bei Renten- oder Krankenversicherung gestellt. Die Therapie dauert mindestens sechs Monate, die Patienten bleiben aber integriert in Alltag, Familie und Berufsleben. Die Bezugspersonen werden in die Therapie mit einbezogen, der Kontakt zum Hausarzt, Facharzt oder Psychotherapeuten bleibt bestehen. 
Da der schützende Rahmen einer Klinik fehlt, müssen einige Indikationen gegeben sein wie die Entscheidung und Fähigkeit, abstinent zu leben, weitgehend intakte soziale Bezüge und Berufstätigkeit und kontinuierliche Mitarbeit und Therapiemotivation. Ein Beginn ist jederzeit möglich.
◼ Weniger Alkohol – mehr Gesundheit: Der Kurs besteht aus vorbereitenden Einzelgesprächen und zehn Gruppensitzungen. Er richtet sich an Menschen, die selbst den Eindruck haben, ihr Alkoholkonsum sei zu hoch oder von anderen darauf hingewiesen wurden, sich aber eine dauerhafte Abstinenz nicht vorstellen können. »Kontrolliertes Trinken« bedeutet, sein Trinkverhalten eigenständig in Grenzen zu halten, erläutert Martha Ohnemus-Wolf. Gerade sei wieder ein Kurs mit acht Teilnehmern zu Ende gegangen mit dem Ergebnis, dass sich ein Teilnehmer für eine vollständige Abstinenz entschieden habe und der Großteil an der Reduzierung des Alkoholkonsums weiterarbeiten möchte. 

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