Wolfacher Stempelstationen

Faszinierende Begegnungen auf dem Kinzigtäler Jakobusweg

Autor: 
Daniel Wunsch
Lesezeit 4 Minuten
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31. August 2020

(Bild 1/5) Tourist-Info Chef Gerhard Maier zeigt den Pilgerpass. ©Daniel Wunsch

Wer den Kinzigtäler Jakobusweg wandert, hat auch in Wolfach die Möglichkeit, die Stadt in seinem Pilgerausweis abstempeln und verewigen zu lassen. Wir haben uns an einigen Stationen umgehört.

„Wir, die Kinzigtäler Jakobusfreunde, haben uns der Pflege und Betreuung eines Teilstücks des Jakobusweges verpflichtet. Dieser Weg führt seit vielen Jahrhunderten Pilger aus der ganzen Welt zum Grab des Apostels Jakobus nach Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten Spaniens“, heißt es auf der Homepage der Jakobusfreunde.

„Wie ein Spinnennetz überziehen die Jakobuswege unseren Kontinent, um sich in Puenta la Reina zum großen Pilgerstrom durch Nordspanien zu vereinen. Im Mittelalter stellte der Schwarzwald ein erhebliches Hindernis für pilgernde Menschen dar. Somit bildete das Kinzigtal im Südwesten eine wichtige Achse auf dem Weg zu weiteren Sammelorten wie beispielsweise Straßburg. Von dort ging es dann weiter zu den vier großen Pilgerwegen in Frankreich. Von unserer Gruppierung wird das Teilstück von Loßburg bis Straßburg betreut“, erklären sie weiter.

Rund 100 Kilometer lang

Ein Teil des sieben Etappen und rund 100 Kilometer langen Kinzigtäler Jakobuswegs führt auch nach Wolfach. Die Stadt ist dabei das zweite Etappenziel von Schenkenzell aus über den Ortsteil Wittichen (rund 20 Kilometer). Das dritte Teilstück führt von Wolfach über Mühlenbach nach Haslach und ist knapp 17 Kilometer lang.

Als Etappenziel kann sich der Wanderer in Wolfach an verschiedenen Stationen einen Stempel in seinen Pilgerausweis geben lassen. In der Innenstadt gibt es zwei Möglichkeiten: direkt nebeneinander entweder in der Tourist-Information im Rathaus oder ein paar Meter weiter im Hotel-Restaurant „Krone“. 

„In Wolfach sind Jakobuswanderer immer willkommen, hier gibt es schon seit mehr als zwölf Jahren Pilgerhefte und Stempel“, erzählt Tourist-Chef Gerhard Maier. Fast täglich kommen Pilger in der Saison zu ihm, um Wolfach per Stempel in ihrem Pass zu verewigen – mal nur eine Person, mal Gruppen von zehn Menschen.  Generell werde der Weg „sehr gerne gelaufen“.

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„Das Extremste war eine junge Dame, die im Winter vor einem Jahr mit einem Riesenrucksack, verfroren und mit zerzausten Haare im Schnee aus Norddeutschland bei uns angekommen ist.“ Meist pilgern die Leute laut Maier mit derselben Motivation: „mal eine persönliche Auszeit nehmen“. „Viele übernachten dann auch in Wolfach, suchen sich aber vor allem günstige Herbergen.“

Stempelzeiten verlängert

Übernachten – allerdings etwas gehobener – kann man auch in der benachbarten „Krone“. „Wir haben fast die ganze Woche durchgehend geöffnet“, sagt Björn Tibaldi. „Das freut die Leute, die sind oft ganz überrascht darüber.“ Bis zu 50 Personen nutzen pro Jahr geschätzt das Angebot, das sich vor allem dann rechnet, wenn die Tourist-Info geschlossen hat – also vor allem am Abend oder am Wochenende. Daher kam vor rund vier Jahren die Idee auf, damit die Stempelzeiten zu verlängern.

Auch das katholische Pfarramt St. Laurentius und die Jakobuskapelle sind beliebte Stempelstationen, wie Bruder Otto, der sich seit Mai um die Klause St. Jakob und die Wallfahrtskapelle kümmert, berichtet. Da das Pfarrbüro aufgrund Corona derzeit nicht geöffnet habe und auch sonst „vielleicht zehn bis 15“ Wanderer dort ihre Stempel abholen, ziehe es doch deutlich mehr Pilger zur Jakobuskapelle.

Dame war überglücklich

„Der Kinzigtäler Weg ist stark frequentiert und auch bei uns kommen bestimmt 30 bis 50 Wanderer pro Woche an“, berichtet Bruder Otto. Das Gute sei, dass die Pilger in der Kapelle auch selbst stempeln können. „Die meisten kommen von Schenkenzell und meinen, das sei die schönste, aber auch anstrengendste Etappe.“ Vor allem in der derzeitigen CoronaKrise sei das Wandern durch den Wald eine tolle Sache, da hier keine Ansteckungsgefahr herrsche, betont er.

„Eine Dame um die 40 kam einmal nur mit Putzeimern, in denen sie ihr Hab und Gut verstaute, zu mir und wollte in der Kapelle übernachten. Die war überglücklich, einmal nicht ‚vetrieben‘ worden zu sein. Und noch eine Begegnung fasziniert Bruder Otto: „Ein Pilger kam gleich zweimal bei uns vorbei – auf dem Weg nach Compostela und wieder zurück.“

Hintergrund

Orientierungstafeln zieren den Kinzigtäler Jakobusweg

Nicht nur schlichte Pilgerkreuze und kunstvolle Jakobussteine säumen den im Jahr 1993 von Kurt Klein unter Mitwirkung einer treuen Helferschar ins Leben gerufene Kinzigtäler Jakobusweg. Stiftungen machen es möglich, auf der Strecke von Loßburg nach Schutterwald (Kehl) 20 schmucke Orientierungstafeln in den Gemeinden entlang dieses inzwischen viel begangenen Pilgerweges anzubringen. Neben kurzen Texten und farbigen Darstellungen machen Wegskizzen auf den Kinzigtäler Jakobusweg und auf die großen europäischen Jakobuswege – Camino – aufmerksam. Durch ein Sicherheitsglas und eine stabile Metallumrandung sind die Kunsttafeln gegen schädliche Witterungsverhältnisse – auch gegen mutwillige Beschädigungen – geschützt. Sie sollen jedoch nicht nur den auf dem Kinzigtäler Jakobusweg befindlichen Wanderern dienen, sondern mehr noch die Allgemeinheit auf die über ein Jahrtausend anhaltende und in den vergangen Jahren wieder zunehmend belebte Wallfahrt zum Apostelgrab im nordspanischen Santiago de Compostela hinweisen. Eine dieser Kunsttafeln ist an der Häuserwand in der Wolfacher Hauptstraße gegenüber des Rathauses angebracht. Gesponsert wurden diese Tafeln von der Sparkasse und der Volksbank.

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