Schenkenzell

Freibad-Öffnung sorgt für Ärger im Schenkenzeller Rat

Autor: 
Lothar Herzog
Lesezeit 4 Minuten
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27. Juni 2020
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Im Freibad ist es am Donnerstag bei der zweiten Öffnung ab 14.30 Uhr nach Auskunft des Bademeisters zu Wartezeiten beim Einlass von bis zu 30 Minuten gekommen. ©Lothar Herzog

Die kurzfristige Öffnung des Schwimmbads durch die Verwaltungen von Schiltach und Schenkenzell ohne Absprache mit den Gemeinderäten kommt nicht gut an – vor allem nicht in Schenkenzell.

In der Ratssitzung am Mittwoch musste sich Schenkenzell Bürgermeister Bernd Heinzelmann beim Tagesordnungspunkt „Öffnung des Freibads“ zum Teil heftige Schelte von mehreren Ratsmitgliedern anhören. Da kam sein Amtskollege Thomas Haas in Schiltach deutlich glimpflicher davon. Dort hatte sich nur Rätin Inge Wolber-Berthold (SPD) enttäuscht darüber geäußert, dass der Stadtrat nicht in die Vorbereitungen eingebunden war (wir berichteten). 

Wie Heinzelmann vor der aufkommenden Diskussion am Mittwoch einräumte, seien zur Öffnung des Bads am 18. Juni Fragen aufgetaucht, die er nicht unkommentiert lassen wolle. Er habe sich mit Haas telefonisch abgestimmt. Sie seien der Meinung gewesen, das Bad trotz größerer Auflagen zu öffnen, wenn irgendwie möglich noch im Juni. Die Räte beider Kommunen seien deshalb nicht eingebunden worden, um nicht weitere Zeit zu verlieren. Das sei den Bürgern nur schwer vermittelbar gewesen. Ebenfalls habe darin Einigkeit geherrscht, dass eine Bevorzugung der Schiltacher und Schenkenzeller Bürger bei der Online-Reservierung nicht haltbar und vertretbar gegenüber Kurgästen und Auswärtigen sei. Wenn jemand auffällig werde, könne ein Hausverbot erteilt werden. 

Nicht nur Jahreskarten

Vorgeschlagen worden sei auch, nur Jahreskarten auszugeben. Davon halte er wenig, weil viele das Geld dazu nicht hätten. Sozial benachteiligte Personen könnten dann das Bad nicht besuchen. Man habe sich zudem über die entstehenden Mehrkosten durch erhöhten Aufwand für Reinigung, Hygienemaßnahmen, Aufsichtspersonal und Anschaffung des Reservierungssystems Gedanken gemacht. Andererseits spielten bei den Einnahmen mehrere Unwägbarkeiten wie Wetter, beschränkt zugelassene Besucherzahl und kürzere Badesaison eine wesentliche Rolle. 

Unterm Strich werde sich der Abmangel gegenüber dem Vorjahr auf circa 270 000 Euro erhöhen, wodurch der Gemeinde Mehrkosten von rund 10 000 Euro entstünden. „Das können auch nur 5000 Euro oder gar 15 000 Euro sein. Ich meine aber, das ist noch im Rahmen“, urteilte Heinzelmann.

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Meinungen aus dem Rat

Rat Michael Rempp (CDU) fand lediglich das Konzept in Ordnung. „Das hätte ich gerne im Vorfeld vorgestellt bekommen. Man hätte sich früher absprechen können, Nordrhein-Westfalen hat beispielsweise schon früher Bäder geöffnet“. Unterstützung erhielt Rempp von Rats- und Parteikollegin Andrea Braun, die sich ähnlich äußerte. Rat Stefan Mäntele (Freie Wähler) rügte: „Wenn es um Mehrkosten von rund 10 000 Euro geht, hätte der Gemeinderat darüber entscheiden müssen. Es hätte gereicht, das Bad erst zum 1. Juli zu öffnen. Außerdem sollte bei einer Online-Reservierung auch online bezahlt werden können. Jetzt kann es sein, dass es nachmittags an der Eintrittskasse zu größeren Warteschlangen kommt“. 

Noch deutlicher in der Kritik wurde Werner Kaufmann (CDU): „In meiner langen Amtszeit ist es nicht das erste Mal, dass wir beim gemeinsamen Bad vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Ich will der Stadt Schiltach nichts unterstellen. Aber sie nimmt zu wenig Rücksicht auf uns als Juniorpartner. Man hätte darüber nachdenken können, wie den Besitzern von Jahreskarten doch irgendwie ein kleiner Vorteil ermöglicht werden kann. Für mich war das ein Schnellschuss der Stadt Schiltach“, ärgerte sich Kaufmann. Rat Willi Intraschak (CDU) hätte sich gewünscht, dass man sich im Vorfeld austauscht. Dabei wäre sicherlich manche gute Idee herausgekommen. „Ich finde die Entscheidung der Verwaltungen trotzdem in Ordnung“, wollte Intraschak kein weiteres Öl ins Feuer gießen. 

Gemeinsame Sitzung mit Schiltach

Bürgermeister Heinzelmann zeigte Verständnis für den herben Wind, der ihm aus dem Ratsgremium entgegenblies. „Ich akzeptiere die Kritik, nehme das auf meine Kappe und gebe es an Haas weiter. Für mich war es alternativlos, das Bad nicht zu öffnen. Besser wäre es natürlich gewesen, die Gemeinderäte vorher zu informieren, beispielsweise per E-Mail. Klar, man hätte eine gemeinsame Sitzung mit Schiltach organisieren können. Aber in Zeiten von Corona finde ich das weniger sinnvoll. Für die Zukunft kann ich mir das gut vorstellen, wenn ein Thema beide Kommunen betrifft“, sagte Heinzelmann.

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