Haslach im Kinzigtal

Freihof wird 100 Jahre alt

Autor: 
Manfred Hildenbrand
Lesezeit 4 Minuten
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28. September 2013

Der »Freihof« bei seiner Einweihung am 22. Oktober 1913 – links sind Architekt Karl Luckscheiter und Heinrich Hansjakob zu sehen. ©Manfred Hildenbrand

Heinrich Hansjakobs Alterssitz, der Freihof, wird dieser Tage 100 Jahre alt. Am 22. Oktober 1913 bezog Haslachs großer Sohn, der viel gelesene Schriftsteller und Pfarrer Heinrich Hansjakob, seinen neu erbauten Ruhesitz.

Heinrich Hansjakobs Alterssitz, der Freihof, wird dieser Tage 100 Jahre alt. Am 22. Oktober 1913 bezog Haslachs großer Sohn, der viel gelesene Schriftsteller und Pfarrer Heinrich Hansjakob, seinen neu erbauten Ruhesitz.

Von Manfred Hildenbrand

Haslach. Als das Erzbischöfliche Ordinariat im Herbst 1912 seinen ältesten Kaplan und Privatsekretär Anton Trunz gegen den Willen Heinrich Hansjakobs als Pfarrverweser nach Andelshofen an den Bodensee versetzte, beschloss er, sich am 1. Oktober 1913 als Pfarrer von St. Martin in Freiburg pensionieren zu lassen und in seine Vaterstadt Haslach zu ziehen. Immerhin war er damals schon 76 Jahre alt.

Nachdem er ein passendes Grundstück mit »Aussicht auf Städtle, Berg und Tal« gefunden hatte, beauftragte er den bekannten Freiburger Architekten Karl Luckscheiter mit der Bauleitung für sein Landhaus im Schwarzwaldstil mit angebauter Hauskapelle. Noch vor dem Einzug, der auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin ohne jegliche Feierlichkeiten stattzufinden hatte, ernannte ihn der Haslacher Gemeinderat am 10. Oktober zum ersten Ehrenbürger der Stadt.

Großer Druck

Da Heinrich Hansjakob möglichst schnell in sein neues Heim einziehen wollte, übte er auf alle Beteiligten, den Architekten und die Handwerker, ständig großen Druck aus. Um den Bau zu beschleunigen, hatte Hansjakob einen erfahrenen Großbetrieb mit dem Bau beauftragt, den Bauunternehmer Siegrist aus Grötzingen bei Karlsruhe. Er hatte bereits 1910 und 1912 die Kanalisation in Haslach gebaut. Mit Hochdruck zog die Baufirma Siegrist den Bau in die Höhe. Am 23. April 1913 erfolgte der erste Spatenstich, bereits am 7. Juli wurde das Richtfest gefeiert. Und am 22. Oktober 1913 zogen Heinrich Hansjakob und seine lebenslange Haushälterin und Schwester Philippine ein.

»Ich freue mich, dass ich nicht mehr unter dem Joch des kirchlichen Absolutismus stehe, und darum habe ich mein Haus ›Freihof‹ genannt«, schrieb Hansjakob damals an einen Freund.

Auch im Freihof war Hansjakob als Schriftsteller unermüdlich tätig. Ende 1915 beendete er sein Alterswerk »Feierabend«, in dem er von seinen Lesern Abschied nahm. Es ist erst nach seinem Tod 1918 erschienen. Mitten im Ersten Weltkrieg im April 1916 publizierte er die pazifistische Flugschrift »Zwiegespräche über den Weltkrieg, gehalten mit den Fischen auf dem Meeresgrund«, in der er den Krieg scharf verurteilte. Nur drei Jahre konnte Hansjakob das Leben in seinem Altersruhesitz genießen. Am 23. Juni 1916 ist er im Freihof im Alter von 79 Jahren gestorben und wurde am 25. Juni in seiner Grabkapelle in Hofstetten beigesetzt.

Seine Schwester Philippine wohnte im Freihof noch nahezu neun Jahre. Sie ist im Alter von 85 Jahren am 27. April 1925 gestorben. Sie lebte von den 300 000 Mark, die ihr Bruder ihr auf einem Konto der Freiburger Gewerbebank hinterlassen hatte. Dieses gewaltige Vermögen wurde in der großen Inflation im November 1923 vollkommen vernichtet. Philippine war plötzlich mittellos. Aus diesem Grund musste sie den Freihof – entgegen dem Testament ihres Bruders – den Vinzentinerinnen in Freiburg für eine monatliche Leibrente von 60 Rentenmark (die neue Währung Ende 1923) vermachen.

Altenheim für Nonnen

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Alle Kunstgegenstände im Freihof und in Hansjakobs Privatwohnung »Kartaus« in Freiburg, die ihr Bruder sein Leben lang gesammelt hatte (zahlreiche Bilder von Wilhelm Hasemann, Curt Liebich und Carl Sandhaas und vieles mehr), vermachte sie der Stadt Freiburg für eine monatliche Leibrente von 50 Rentenmark. Die Vinzentinerinnen richteten von 1926 bis 1963 im Freihof ein Altenheim für ihre Nonnen ein. Erst 1964 konnte die Stadt Haslach den Freihof von den Vinzentinerinnen zurückkaufen. Zunächst wurde im Freihof das Hansjakob-Archiv eingerichtet. Mit dem Einrichten des Schwarzwälder Trachtenmuseum im ehemaligen Kapuzinerkloster 1978 wurde das dortige Hansjakob- und Heimatmuseum aufgelöst. Die Hansjakobexponate kamen in den Freihof. So entstand ein neues Hansjakob-Museum. In den folgenden Jahren wurde der Freihof renoviert und ausgebaut.

In den 1980er Jahren wurden die ständigen Ausstellungen der Künstler Carl Sandhaas, Otto Laible, Louis Blum und Julius Allgeyer im Freihof untergebracht. 1998 wurde das Hansjakob-Museum als literarisches Museum vollkommen neu gestaltet.

 

Programm:

Morgen großes Fest beim Freihof

◼ Das Fest beim Freihof  wird am morgigen Sonntag um 11.15 Uhr mit einer Ansprache von Manfred Hildenbrand eröffnet. Die Stadtkapelle gibt ein Frühschoppenkonzert
◼ 13.30 bis 15 Uhr Begegnungen mit Heinrich Hansjakob und seiner Schwester
◼ 15 Uhr Konzert der Mühlenbacher Bauernkapelle
◼ 16 Uhr Szenenspiel »Daheim auf eigenem Freihof« vor dem Haus

 

Hintergrund: 

Großer Umbau

Nach den Plänen der Stadt Haslach wird der Freihof Ende 2013 für mehrere Monate geschlossen und im Zug des Leader-Programms der EU nach neuen museumspädagogischen Gesichtspunkten zu einem modernen Hansjakob-Museum umgestaltet.

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