Kinzigtal

Gengenbach erhält sechs denkwürdige »Stolpersteine«

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 2 Minuten
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26. Mai 2009
Gunter Demnig bei seiner Projektarbeit, dem Verlegen der »Stolpersteine«. Heute ist der Künstler ab 15 Uhr in Gengenbach im Einsatz und ab 19.30 Uhr Referent im Gymnasium.	Foto: Ramsteiner

Gunter Demnig bei seiner Projektarbeit, dem Verlegen der »Stolpersteine«. Heute ist der Künstler ab 15 Uhr in Gengenbach im Einsatz und ab 19.30 Uhr Referent im Gymnasium. Foto: Ramsteiner

Die Würde des Menschen ist unantastbar: So beginnt der erste Paragraf des deutschen Grundgesetzes, unterzeichnet am 23. Mai 1949. Auf den Tag genau 60 Jahre danach wurden in Hausach drei »Stolpersteine« des Künstlers Gunter Demnig verlegt, um an die Zeit zu erinnern, als die Würde des Menschen mit Füßen getreten wurde. Die Steine mit der Messingplatte werden ebenerdig zum Pflaster eingelassen, »man stolpert nur mit dem Kopf und Herzen«, so der Kölner. Heute, Dienstag, erhält Gengenbach sechs »Stolpersteine«, die an jüdische Opfer erinnern, die einst hier lebten. Die Bevölkerung ist willkommen, ab 15 Uhr mit Start in der Grünstraße 27 dabei zu sein. Danach geht es zur Hauptstraße 18 und Hauptstraße 12. Die Projekt-AG »Stolpersteine« des Gengenbacher Schanzenbach-Gymnasiums, die diese Aktion vor Ort initiiert hat, lädt zudem zu einem Vortrag des Künstlers über sein europaweites Projekt ein. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Schule. OT-Redakteurin Claudia Ramsteiner sprach in Hausach mit Gunter Demnig.
Ω Wann und wie begann das Projekt »Stolpersteine«? Gunter Demnig: Angefangen hat es eigentlich schon 1990 mit einer Arbeit in Köln, einer Erinnerungsspur zum Gedenken an die Deportation der Sinti und Roma. Das war die Generalprobe, die Idee mit den Stolpersteinen kam drei Jahre später. Ich habe damals gedacht: »Sechs Millionen, das schaffst du nie!« Ein evangelischer Pfarrer sagte hingegen: »Nein, das schaffst du nie, aber man kann ja klein anfangen«. Ω Gibt es für Sie persönliche Hintergründe dafür? Demnig: Nein, in meiner Familie gab es weder Täter noch Opfer. Als sich die Idee entwickelt hat, hat mich eher der Gedanke dazu bewogen: »Einer muss es ja machen«. Ω Kritiker sagen, Mahnmale im Pflaster würden mit Füßen getreten. Was antworten Sie denn darauf? Demnig: An einem zentralen Denkmal legt man einmal im Jahr einen Kranz nieder und macht sonst einen großen Bogen drumherum. Bei den Stolpersteinen aus Messing wird die Erinnerung durch das stete Drübergehen blank poliert – und wenn man sie lesen will, muss man sich davor verneigen. Ω Ihre Aktion ist aber nicht überall so willkommen wie in Hausach oder nun in Gengenbach. Demnig: Ich habe auch schon Gedenksteine illegal verlegt und daraufhin tatsächlich mehrere Morddrohungen bekommen.

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