Hausach

»German Brass« mit brillantem Finale zum Stadtkapellen-Jubiläum

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15. Oktober 2018

(Bild 1/2) Bei aller Perfektion kommt bei »German Brass« auch der Spaßfaktor nicht zu kurz: In der letzten Nummer, in der alle – außer den zur Rhythmusgruppe verdammten Hornisten – auf Posaune umsteigen, trommelt sogar der Schlagzeuger auf einem Posaunentrichter. ©Claudia Ramsteiner

Das schönste Geschenk machte sich die Stadtkapelle Hausach zu ihrem Jubiläumsfest selbst. Das Konzert von »German Brass« übertraf sicher alle Erwartungen jener, die dieses Weltklasse-Blasensemble noch nie live erlebt haben.

Der Bürgermeister kann ja viel erzählen in seiner Begrüßung von wegen Weltklasse-Ensemble und Hausach vor Köln, Leipzig und Berlin. Als dann die zehn Bläser plus Schlagzeuger der »German Brass« loslegten, war nach den ersten Takten der Bach-Kantate schon klar: Dieses Konzert wird unbeschreiblich gut. Barock ging es erst einmal weiter mit Bach und seinem berühmtesten Orgelwerk »Toccata und Fuge in d-Moll«. Wer die Augen schloss, konnte bei den schnellen Läufen des Preludiums und der vierstimmigen Fuge tatsächlich die Orgel heraushören. Live, ohne Netz und doppelten Boden in dieser bestechenden Brillanz – dazu braucht es wirklich Weltklasse-Könner.

Geistreich-witzig leitete Klaus Wallendorf, Hornist der Berliner Philharmoniker und »Gebrauchskabarettist«, auf die Ouvertüre der Verdi-Oper »Macht des Schicksals« über: Er verteilte die »geschlechterspezifisch entrümpelten« Rollen unter dem Ensemble auf und machte launisch mit der blutrünstigen Handlung der Oper vertraut. Auch seine weiteren Sprachimitationen und literarischen Sahnehäubchen auf dem musikalischen Fünf-Sterne-Menü wären allein schon den Eintritt wert gewesen – bis zur gesungenen »Tokioter U-Bahn-Polka« als erste Zugabe, in der das Ensemble »Elemente des japanischen öffentlichen Nahverkehrs mit bayrischer Gemütlichkeit zusammenbrachte«. 

Jeder einArsenal an Instrumenten zu Füßen

So verschaffte Wallendorf den Bläsern auch die nötige Verschnaufpause zwischen den blasmusikalischen Höhepunkten. Davon gab es noch viele. Wie beispielsweise die »Mission«-Filmmusik »Gabriel’s Oboe« von Morricone, traumhaft gespielt vom Ensembleleiter und Arrangeur Matthias Höfs auf der Piccolo-Trompete. Überhaupt hat jeder der Musiker ein ganzes Arsenal an Blechblasinstrumenten zu seinen Füßen, die oft im fliegenden Wechsel während der Titel ausgetauscht werden.

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Nach einer wahnwitzigen Bahndurchsage auf sächsisch ging es mit einer Schnellpolka im Polka-Express von Johann Strauß Sohn weiter. Und nur, wer das Musical »West Side Story« der RGG-Schulgemeinschaft erlebt hat, kann erfassen, welche Freude »German Brass« den Hausachern mit den Titeln »Somewhere« und »America« machte. Mit einem Gershwin-Medley ging es in den zweiten Teil und zum wunderbar jazzigen »Fly me to the Moon« mit dem bemerkenswerten Solo auf der Bassposaune.

Mit Brass durch die Welt

Es wurde nun immer lockerer: Im Medley »Spain« nahmen im Kampf zwischen Stier und Torero »die Hörner eine herausragende Stellung ein«, weinselig lallend kündigte Wallendorf die Melodienfolge »Vive la France« an, bevor es mit »Soul Bossa Nova« rhythmisch an die Copacabana ging. 

Und dabei können die auch singen. Also zumindest der Posaunist Alexander – der zum Glückwunsch an den am Sonntagmorgen geborenen Sohn Alexander des Stadtkapellenvorsitzenden den Song des »Mackie Messer« intonierte. Mit »Sing Sang Sung« und dem faszinierenden Schlagzeugsolo wäre dann auch schon Schluss gewesen – wenn sich, so Wallendorf – das Publikum nicht »durch sein vorbildliches Applaudierverhalten eine Reihe von Zugaben erzwungen hätte«. 

»Die Posaunisten werden die Weltherrschaft antreten«, klagten die Hornisten und klappern bei »Trombonissimo« stoisch auf Rhythmusgeräten, während alle anderen auf immer kleiner werdende Posaunen umstiegen – ein komödiantisches Finale des Konzerts und des gesamten Jubiläumswochenendes, das ein restlos begeistertes, stehend jubelndes Publikum zurückließ. 

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