Unwetterunglück in Schenkenzell

Geröll- und Schlammlawine verwüstet den Stockhof

Autor: 
Martina Baumgartner
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
28. April 2015
Bildergalerie ansehen

(Bild 1/4) ©Martina Baumgartner

Im Minutentakt gingen am Montagabend bei der Feuerwehr Schenkenzell nach einem Unwetter die Hilferufe ein. Der Schenkenzeller »Stockhof« ist vom Unwetter am Montag am schwersten betroffen. Durch eine Gerölllawine  verstopfte Entwässerungsrohre ließen Wasser und Schlamm von hinten nach vorn durch den Stockhof fließen. Menschen wurden nicht verletzt.

»So einen Einsatz hab ich in Schenkenzell noch nicht erlebt«, sagte Jochen Sum, Abteilungskommandant der Schenkenzeller Wehr. Ein rund dreißig Minuten andauerndes Unwetter fegte mit Blitz, Donner, Windböen, Hagel und sintflutartigen Regengüssen über die kleinste selbständige Gemeinde im Landkreis Rottweil hinweg. Im Nu waren Keller, Heizöltanks, Garagen, Straßen und sogar der Gastraum des Hotels »Waldblick« sowie das Kartonagelager und ein Teil der Produktion im Firmengebäude Duratvit überschwemmt.

Am schwersten traf es jedoch Heike und Rudolf Armbruster vom Stockhof. Sie standen unter dem Vordach des frisch renovierten Leibdinghäuschens, das nur durch die Zufahrt zur Garage vom Stockhof getrennt steht. Plötzlich begann es so stark zu regnen und hageln, dass es die Gullydeckel in der Straße vor den Gebäuden anhob. »Alles passierte in wenigen Minuten. Das Wasser drückte zu den Lampen hinaus«, erinnert sich Heike Armbruster zwei Stunden nach dem Unglück.

Eine Lawine von Geröll und Schlamm wurde vom Starkregen am Hang gelöst, walzte sich aus dem Wald heraus in die Entwässerungsrohre, die um den Hof herumführen, verstopfte diese und suchte sich den Weg auf das Gebäude zu. Dort drückte die Masse die große Heubühnentür im hinteren Teil des Stockhofs ein. Schlamm und überlaufendes Wasser ergossen sich in den Heuboden, durch die Futterküche  hindurch und in die Wohnung der Armbrusters im oberen Stockwerk hinein. Schließlich landete die Lawine im Stall im Erdgeschoss bei zwanzig Kühen, sieben Kälbern und zwei Schweinen. Weder Menschen noch Tiere wurden verletzt.

- Anzeige -

Wohnzimmer trocken
Bis auf das Wohnzimmer sind alle Räume verwüstet. »Vor diese Tür konnte ich gerade noch einen Teppich rollen«, beschreibt Heike Armbruster ihre schnelle Reaktion. Das Unwetter ging direkt über Schenkenzell nieder. Die Schiltacher Feuerwehr kam den Schenkenzeller und Kaltbrunner Kameraden sofort zu Hilfe. Die Kreisleitstelle informierte den kreiseigenen Hochwasserzug und ein Transportfahrzeug mit Sandsäcken, die in Sulz stationiert sind. Das Kommando vor Ort hatte Konrad Fischer, Kommandant der Schenkenzeller Kameraden.

»Leider bekommen wir die Dohlen und Rohre nicht frei. Das Wasser drückt von der rückwärtigen Seite auf den Stockhof und muss schnell abgeführt werden,« erklärte Kreisbrandmeister Mario Rumpf, der beim Einsatz unterstützte. Nach einer Beratung mit Fischer, Harry Hoffmann, Kommandant der Schiltacher Wehr, und Bürgermeister Thomas Schenk stand der Plan fest: Ein Bagger sollte die Geröllhalde soweit abgraben, dass das aus dem Wald nachfließende Wasser über die rund vierzig Meter lange Garagenzufahrt zwischen Stockhof und Leibdinghäuschen in eine freie Wiesenfläche abfließt. Mit Sandsäcken bauten die Kameraden links und rechts der Straße ein künstliches Ufer für den so umgeleiteten Bach.

Helfer packen mit an
In Gummistiefeln, mit Schubkarren, Schaufeln und Besen halfen Familienangehörige, Nachbarn und Freunde direkt nach dem Unglück beim Aufräumen des Stalls, richteten in der Garage Verpflegung für die Helfer her und packten mit an. Die Koordinierung des Einsatzes wäre durch eine Störung des Funkverkehrs der Feuerwehr schwierig gewesen, informierte der Kreisbrandmeister. Die Kommunikation funktionierte jedoch sicher per Mobiltelefon. Die Arbeiten dauerten bis in die Nacht.

Stichwort

Duravit betroffen

Das Wasser, dass nicht mehr durch die verstopften Entwässerungsrohre beim Stockhof abfließen konnte, suchte sich seinen Weg neben dem Stockhof in die Stallgrube. Diese wurde überschwemmt und ergoss sich über eine Wiese und die B 294 hinweg ins Firmengebäude der Firma Duravit.

Zweites Unglück
Bereits 1987 war der Stockhof von einer Überschwemmung desselben Bächleins betroffen. Daraufhin wurde seine Entwässerung über Rohre und Dohlen um den Hof herum in einen Entwässerungskanal neben der Landstraße geleitet.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.
  • 09.05.2019
    Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch beraten
    80 Prozent der Deutschen haben Rückenschmerzen - viele sogar chronisch. Ursache dafür ist in den allermeisten Fällen eine mangelnde oder falsche Bewegung. Die Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch zeigen, wie Rückenschmerzen künftig der Vergangenheit angehören können - und beraten kostenlos.
  • 07.05.2019
    Mitgliederversammlung
    Es war eine geheime Abstimmung beim SV Berghaupten. Doch danach stand fest: Die Führungsmannschaft bleibt bis 2021 im Amt. Robert Harter wurde erneut die SVB-Präsidentenwürde zuteil.  
  • 01.05.2019
    Relaxen und Genießen im Renchtal
    Das neugestaltete Ringhotel Sonnenhof in Lautenbach im Renchtal begrüßt seine Gäste mit einer einzigartigen Kulisse am Fuße des Schwarzwaldes. Ob im Restaurant, bei den Spa-Angeboten, für Tagungen oder Hochzeiten – der Sonnenhof ist die ideale Adresse zum Relaxen und Genießen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 2 Stunden
Neue Saison gestartet
»Hört’ ihr Leut und lasst euch sagen . . . « tönt es seit Donnerstag zweimal die Woche durchs abendliche Wolfach: Nachtwächter Ralf Ketterer zieht donnerstags und samstags seine Runden. Nach wie vor wird aber Verstärkung für die Rundgänge gesucht.
vor 5 Stunden
Gutach
Der TuS Gutach ist mit 1220 Mitgliedern der größte Verein Gutachs und hat im vergangenen Vereinsjahr erneut an Mitgliedern zugelegt. Vorsitzender Martin Heinzmann freute sich bei der Hauptversammlung am Freitag sichtlich über einen voll besetzten »Löwen«.
vor 6 Stunden
Gelunges Konzert
»Helden und Legenden« hieß das Konzert, mit dem die Jugendkapelle am Samstagabend ihr Publikum im vollbesetzten Haus der Musik in Haslach begeisterte. Als Vorgruppe traten die jüngsten Musiker, die »Klangfänger« auf.
vor 20 Stunden
Serie zur Kommunalwahl
Was kann Hornberg tun, um sich noch besser zu präsentieren? Die Redaktion fasst zur Kommunalwahl bei den Vertretern der verschiedenen Listen CDU, Freie Wähler und SPD nach. 
18.05.2019
Serie zur Kommunalwahl
Mit attraktiven Angeboten den demografischen Wandel meistern? Bewerber der Listen BUW, CDU, FWV und SPD beziehen in der Serie um die Kommunalwahl Position. 
18.05.2019
Serie zur Kommunalwahl
Kann das Gehen auf Haslachs Altstadtpflaster erleichtert werden? Das ist die Frage, die in der Serie »Wahlprüfsteine« den Listen gestellt wird. 
18.05.2019
Vorstellung des Konzepts
Auch wenn es noch ein Jahr in der Zukunft liegt: Das Schiltacher Stadtfest 2020 nimmt Gestalt an. Das Konzept ist erstellt und die ersten Programmpunkte schon eingetütet. Christian Jäckels präsentierte am Mittwoch die Eckpunkte.
18.05.2019
Kinzigtal
Das Talgeflüster ist ein ironischer Wochenrück- und -ausblick der Kinzigtal-Redakteure jeden Samstag. 
18.05.2019
Abschied von einer spannenden Zeit
In einer Serie lassen wir bis zur Kommunalwahl am 26. Mai alle scheidenden Gemeinderäte der Kinzigtäler Kommunen zu Wort kommen, die mindestens 20 Jahre in der Kommunalpolitik mitgewirkt haben. Heute: Michaela Vetter aus Haslach.
17.05.2019
Reaktionen aus dem Kinzigtal
»Totalbetreute« dürfen bei den Kommunal- und den Europawahlen erstmals wählen. Wen betrifft diese Neuregelung aber überhaupt, wie setzen sie Kommunen um und wie wird die Neuregelung bewertet? Wir haben uns umgehört.
17.05.2019
Hausach
Die Freude war am Dienstag groß, als die Volksbank Mittlerer Schwarzwald zur Übergabe von Mitteln aus dem Gewinnsparen in Höhe von insgesamt 9000 Euro in den Teilmarkt nach Hausach einlud.
17.05.2019
Mittleres Kinzigtal
Die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden rücken im Sinne der Ökumene enger zusammen. Wir sprachen zum Thema mit Pfarrerin Marlene Schwöbel-Hug, die für die evangelischen Kirchengemeinden Schiltach/Schenkenzell sowie Gutach und Hausach zuständig ist.