Hausach

Gerwig-Gymnasiasten zum Eintreten für Demokratie aufgefordert

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. Juni 2018

Wie seht ihr eure Zukunft in 50 Jahren? Brauchen wir eine radikale Veränderung in der Politik? Fühlt ihr euch von den Politikern vertreten? Die Robert-Gerwig-Gymnasiasten beteiligten sich nicht nur rege an der Abstimmung über solche Fragen, sondern feuerten mit ihren Begründungen auch die Diskussion an. ©Claudia Ramsteiner

Demokratie, Freiheit und Friede sind nichts Selbstverständliches. Dafür muss man etwas tun. Dies machte Anton Pototschnik aus Graz, Vorsitzender des Vereins »Team Freiheit«, bei einem interaktiven Vortrag vor und mit rund 120 Robert-Gerwig-Gymnasiasten deutlich.

45 Prozent der Zehntklässler des Hausacher Robert-Gerwig-Gymnasiums denken an eine positive Entwicklung der Zukunft. 45 Prozent sehen diese eher negative, 17 Prozent gleichbleibend. Das war das Abstimmungsergebnis auf eine von vielen Fragen, die Anton Pototschnik zu Beginn seines interaktiven Vortrags am Mittwoch vor rund 120 Zehntklässlern (ein paar »Zwölfer« waren auch dabei) stellte.

Anton Pototschnik aus Graz ist Vorsitzender des Vereins »Team Freiheit«. Die Spanischlehrerin Mercé Ferrando-Melià hatte den leidenschaftlichen Kämpfer für Humanismus, für europäische Werte und Menschenrechte bei einer Veranstaltung kennengelernt und postwendend für die Schule engagiert. 

»Friede ist kein Wintergarten«

Mit dem Lied »Friede ist kein Wintergarten« und einem Videoclip stieg er in seine Präsentation ein. »Man kann Frieden nicht verordnen, befehlen, Frieden kann man immer nur wählen. Man kann ihn niederringen – den Wunsch danach niemals«, heißt es in dem Song von »Wolfsrachen«. 

Einige weitere Abstimmungen lieferten die Grundlage für eine angeregte Diskussion. Darf man beispielsweise einen Terroristen foltern, um Informationen zu bekommen, die einen Anschlag verhindern könnten? 53 Prozent meinten: »Nein – Menschenrechte müssen für alle gelten.« 28 Prozent stimmten für Ja – die allgemeine Sicherheit sei wichtiger als das Menschenrecht eines Einzelnen. 

»Hängt’s von euch ab?«

- Anzeige -

Ganz ohne erhobenen Zeigefinger gelang es dem Österreicher, die Jugendlichen zum Nachdenken anzuregen. Was, wenn Staaten, die sich von der Demokratie wegbewegen, einer Gruppe die Menschenrechte absprechen? Wer entscheidet, wer zu dieser Gruppe gehört? Wer hat in der Türkei entschieden, dass die vielen Inhaftierten alle als Terroristen zu gelten haben?

»Hängt der Friede und ein Leben in Freiheit von Euch ab?«, fragte Pototschnik rhetorisch und holte für eine fiktive Geschichte erst einmal weit aus: Hans will im Mittelalter Konstanze heiraten – die Leibeigene eines Grafen. Der Graf jagt ihn davon, der Bischof hilft auch nicht. Da trifft Hans auf einen Humanisten, der ihm erzählt, dass es vor vielen Jahren in der Antike bereits eine Zeit gab, in der der Mensch im Mittelpunkt stand und als selbst verantwortlich für sein Schicksal galt.

Das humanistische Denken wurde zu einem der ersten europäischen Wert, auf denen weitere aufbauten. Hans trifft 200 Jahre später Rationalisten wie Galileo Galilei, die blinden Glauben durch vernünftiges Denken ersetzen. Er trifft auf die Aufklärer und Kämpfer für Säkularität (Tennung von Kirche und Staat), der Rechtsstaatlichkeit, der Demokratie und schlussendlich der Menschenrechte.

Hans kann endlich seine Konstanze heiraten. Und ohne weiteres Zutun glücklich sein bis zum Lebensende? Rund 20 der im Gesetz verbrieften Menschenrechte bekommt die Schwarmintelligenz der Schüler zusammen – und um Tipps, was ein »starker Mann oder eine starke Frau« tun müssten, um die Macht an sich zu reißen, sind sie auch nicht verlegen. 

Song zum Runterladen

Ähnlich wir in der Antike bestehe auch jetzt wieder die Gefahr, dass die Religion instrumentalisiert wird, dass starke Männer (oder Frauen) erklären: »Gebt nur mir mehr Macht, dann löse ich eure Probleme.« Den Zehntklässlern fällt einiges ein, was sie tun könnten, um ein neuerliche Talfahrt wie nach der Antike zu verhindern: wählen (wenn sie denn dürfen), in einer Partei mitarbeiten, sich breit informieren, demonstrieren, Petitionen unterschreiben, Gespräche mit Politikern suchen .  . .
Zum Schluss gab’s für alle die »Werte für die Hosentasche« mit einer App und dem Friedenssong zum Runterladen. »Interessant, das alles mal zu hinterfragen«, sagte Fabio Sum, und Lorena Buciu fand, dass ihr der Vortrag schon etwas gebracht habe: »Ich werde mich jetzt darüber informieren, in welcher Partei ich mich wiederfinde!«

 www.teamfreiheit.info
App: »Europäische Werte«

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Kommentar
vor 33 Minuten
Kommentar zum Musical »West Side Story« des Robert-Gerwig-Gymnasiums in der Hausacher Stadthalle.
"Der Zauberer von Oz"
vor 3 Stunden
Mit riesigem Applaus und einem großen Dankeschön an Spielleiter Marvin Polomski für seine engagierte Arbeit wurde am Samstag die Premiere des "Zauberers von Oz" in der Hornberger Freilichtbühne gefeiert. Das Premierenpublikum war sich einig, dass dieses Stück sehr zu Herzen geht.
Oberwolfach
vor 12 Stunden
Drei Brücken entlang der Wolf saniert die Gemeinde Oberwolfach dieses Jahr, zudem steht der Neubau der Gelbachbrücke an. Die Arbeiten an der Zierlebrücke sind seit vergangener Woche beendet. An der Gelbachbrücke soll es am Montag mit der Vorbereitung der Umleitung losgehen.
Hausach
vor 18 Stunden
Bis gestern Abend haben bereits rund 1800 Zuschauer die Inszenierung des Musicals »West Side Story« des Robert-Gerwig-Gymnasiums in der Hausacher Stadthalle gesehen. Das Premierepublikum feierte alle  Akteure am Freitag minutenlang mit stehenden Ovationen.   
Wolfach
vor 21 Stunden
Viele Gäste lockte der Willkommensabend zum VW-Veteranentreffen am Freitag ins Festzelt in den Kinziganlagen. Eingebettet in einen Heimatabend der Trachtenkapelle Kirnbach, der Kirnbacher Kurrende und der Volkstanzgruppe Oberwolfach wurden die ältesten Teilnehmer, das älteste Fahrzeug sowie der...
Auto erfasst Fußgänger
17.06.2018
Tragisches Ende eines unbeschwerten Tags: In der Nacht zum Sonntag erfasste ein Auto im Alpirsbacher Stadtteil Rötenbach nach Polizeiangaben zwei Männer aus einer Junggesellenabschieds-Gruppe. Einer verstarb noch an der Unfallstelle, der andere wurde schwer verletzt.
30 Jahre Kiebitz in Haslach
17.06.2018
Der Kiebitz feierte am Samstag mit einem  bunten Fest sein 30-jähriges Bestehen. Mit Einkaufs- und Probiermöglichkeiten, einem Vortrag über die »Heilkraft einer gesunden Ernährung« und einem Repaircafé gab der Verein zugleich auch einen Überblick über seine Aktivitäten.   
Kinzigtal
16.06.2018
Ein Feuer in einem Dachgeschoss im Ippichen in Wolfach am Samstagmittag hat zwei Wohnungen zerstört. Das teilt die Polizei mit. Verletzt wurde jedoch niemand.
Lieblingsplätze der Heimatführer
16.06.2018
Die Stadt- und Heimatführer in Wolfach zeigen ihre Lieblingsplätze. Wer sind die touristischen Wegbegleiter in der Stadt, wo verweilen sie selbst gerne, was ist ihnen wichtig und was zeigen sie mit Vorliebe? Heute: Brigitte »Billy« Sum-Herrmann.
Gutach
16.06.2018
Das Genehmigungsverfahren für die neue Werkshalle der Zimmerei Kasper zog sich sehr lange hin – und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Das Verwaltungsgericht Freiburg hat nun eine vorläufige Einstellung der Bautätigkeit verfügt.  
Ausgefallene lange Einkaufsnacht in Haslachs Innenstadt
16.06.2018
Die wegen eines Gaslecks beim »Bayrischen Hof« ausgefallene lange Einkaufsnacht des Handels- und Gewerbevereins am 11. Mai hat ein finanzielles Nachspiel. Die Kosten für den Großeinsatz der Rettungskräfte und die Auslagen des Veranstalters sowie der Firmen werden in Rechnung gestellt.
Das Offenburger Tageblatt gratuliert
16.06.2018
Berthold Waidle wird am Samsstag, 16. Juni, 85 Jahre alt. Das Offenburger Tageblatt gratuliert herzlich.