Gutach

Gipfelmahlzeit beim Neujahrshock auf dem Farrenkopf

Autor: 
Wendelinus Wurth
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
03. Januar 2018

Der von Mathias Paffendorf (Bild) und seinem Bruder Marcel kredenzte Glühwein, das Schäufele und Bauernbrot gingen reißend weg beim Neujahrshock auf dem Farrenkopf. ©Wendelinus Wurth

Hunderte Wanderer gaben sich am Neujahrstag auf dem Farrenkopf wieder ein Stelldichein, wo die Gutacher Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins zu den Neujahrswünschen Glühwein und Schäufele servierte. 

»Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne«, schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht »Stufen«. Und so war es auch dieses Jahr zur Eröffnung der Wandersaison, die der Schwarzwaldverein Gutach wie gehabt den Wanderern mit einem Schäufeleessen und Glühweintrinken auf dem Farrenkopf schmackhaft macht.

»Hier stinkt s guet«, konnte man oben von denen hören, die gerade das Ziel, die Hasemann-Hütte, erreicht hatten und sich in die langen Schlangen einreihen mussten, bevor sie ihre Gipfelmahlzeit zu sich nehmen konnten. Mathias Paffendorf säbelte Schäufelescheiben herunter und verteilte Brot, während sich sein Bruder Marcel um den Glühwein kümmerte, dem Werner Hillmann, der Vorgänger, das Prädikat »toll« zugestand. 

Wanderer auch mit weiten Anfahrtswegen

- Anzeige -

Ab zwei Uhr mussten die Wanderer das Fleisch pur essen, weil das Brot ausgegangen war. Laut Werner Hillmann decken sich normalerweise die Kosten über die Spenden, die die Wanderer im Kässle lassen, und manches Mal bleibe noch genug übrig, um andere Projekte zu unterstützen. Auch wenn die meisten Wanderer aus der näheren Umgebung kommen, hatten auch Oberkircher, Zunsweirer und Schramberger vom Schäufele und Glühwein auf dem Farrenkopf Wind bekommen. Hier zeigt sich die Verbundenheit, mal geht man bei denen wandern, mal bei den anderen, die Wandervereine statten sich auch Gegenbesuche ab.

Eigentlich begann die Wanderung schon im Tal mit einem Regenbogen, dem Symbol der Hoffnung. Nachdem sich letzte Woche schon einer über den Bühlerstein gebogen hatte, verband zum Neujahrstag wieder einer Erde mit Himmel und geriet zum ersten Haiku des Jahres: »mim räängeboge / heert s alt johr uf s nej fangt aa / mim räängeboge«.
Gleichzeitig war die Neujahrswanderung natürlich auch der erste Aufstieg des Jahres, der erste Höhepunkt, die erste Rundwanderung und der erste Abstieg. Und auch da wieder Überraschungen: Es gab noch Pilze zu sehen. Die ersten – oder letzten – Herbstpfifferlinge, denen die wenigen Nachtfröste bisher nichts anhaben konnten – und auf dem Rückweg ein »normaler«.

Giftiger Wind auf dem Gipfel

Auf dem Heimweg erklärte sich, warum beim Aufstieg so wenige Wanderer zu sehen waren: Den Autos nach zu urteilen haben sich etliche den ersten vollständigen Aufstieg des Jahres erspart und sind auf den Parkplatz beim Büchereck gefahren. Einige waren sogar noch bequemer, nahmen die Servicestraße der Windräder und parkten kurz vor dem letzten Aufstieg.
Das Wetter hatte es auch gut gemeint, und bei strahlendem Sonnenschein machte die Wanderung noch einmal so viel Spaß, auch wenn oben auf dem Gipfel zeitweise ein giftiger Wind blies. Nur an wenigen Ecken verloren sich noch ein paar Schneefleckchen. Das Wetter war auch dafür verantwortlich, dass die Sonne mal farbenreiche Aquarelle hintupfte, und mal Wind, Wolken und Licht eine chinesische Zeichnung hintuschen ließ. Die Windräder vor weißem Himmel sahen aus wie entnadelte Tannen oder Lärchen.
Und beim Abstieg zum Büchereck konnte man beim Hinweisschild zwei verwaiste Schirme sehen, die an diesem Neujahrstag vergeblich auf ihren Einsatz warteten: ein Stillleben in lila und gelb.
Inspiration zum Haiku
Auf dem Heimweg übers Büchereck war noch der eine oder andere Wanderer unterwegs, aber von da an wurden nur noch einige Rehe in ihrer Deckung verschreckt. Anlass für den zweiten Dreizeiler des Jahres: »was fir angschthase / d reh deckle us de deckung / wu si uns sehne.«

Kommentare

Damit Sie Kommentare zu diesem Artikel lesen können, loggen Sie sich bitte mit Ihren Zugangsdaten ein.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Gutach
vor 3 Stunden
Nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Besitzer des Gasthauses »Löwen« muss der »Park mit allen Sinnen« seinen Eingang verlegen. Der Antrag auf einen neuen Eingangskiosk mit Schließanlage und Toiletten am Radweg passierte den Gemeinderat am Mittwoch nur knapp.  
Hausach
vor 5 Stunden
Als vor einem Jahr 25 Gründungsmitglieder den Mostmaierhof-Verein aus der Taufe hoben, war die Erfolgsgeschichte noch nicht abzusehen. Bei seiner ersten Hauptversammlung am Mittwochabend blickten die Mitglieder auf ein gelungenes Jahr.
Hausach
vor 6 Stunden
Die Mütter von Marlin Ukat und Lorenzo Diplomatico überbrachten Schulleiterin Simone Giesler und allen Beteiligten eine Auszeichnung des Deutschen Down-Syndrom-Infocenters für hervorragende Inklusion an der Graf-Heinrich-Schule.
Hofserie: Bad Rippoldsau-Schapbach
vor 9 Stunden
Hof- und Flurnamen geben heute ein lebendiges Bild und einen interessanten Einblick in die Vergangenheit. In einer Serie stellen wir die Höfe in der Region vor und erzählen ihre Geschichten. Heute: der Schmidbauernhof in Bad Rippoldsau-Schapbach.
Hofserie: Schmidbauernhof in Bad Rippoldsau-Schapbach
vor 9 Stunden
Stefan Schmid setzt auf nachhaltige Bewirtschaftung. Dass seine Vorfahren den Wald vorausschauend bewirtschaftet haben, davon profitiert der Besitzer des Schmidbauernhofs heute. Darüber hinaus spricht  er im Interview auch über den Wolf und den Wanderschäfer.
Gutach
vor 12 Stunden
Bis 24. April will die Breitband Ortenau GmbH für die Ausschreibung der Netze wissen, welche Gemeinde welche Bereiche mit Glasfaser ausbauen will. Der Gutacher Gemeinderat hat seine Hausaufgaben gemacht. 
Herr der Blüten und Anlagen
vor 14 Stunden
Haslachs Stadtgärtner Uwe Schweitzer arbeitet seit 25 Jahren im öffentlichen Dienst. Zum Arbeitsjubiläum gab es eine Feierstunde im Dienstzimmer von Bürgermeister Philipp Saar.
Freibadsanierung Hornberg
vor 14 Stunden
Die Sanierung des Hornberger Freibads wird nach der jüngsten Kostenschätzung 2,5 Millionen Euro kosten. Bauleiter Arnulf Burger informierte in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch über die verschiedenen Mehrkosten. Außerdem wird, obwohl nicht alle Gemeinderäte dafür sind, das Gelände komplett mit...
Arbeitskreis in Schenkenzell
vor 14 Stunden
Mit zuletzt einem kleinen Arbeitskreis verfolgt der Historische Verein Schiltach/Schenkenzell gemeinsam mit den Schiltacher Flößern seit 2015 den Erhalt von Bauwerken zum Nutzen der Flößerei.
Rohrnetzanalyse vergeben
vor 14 Stunden
Für 19 200 Euro hat der Oberwolfacher Gemeinderat am Dienstag die Rohrnetzanalyse an die Firma RBS-Wave vergeben. Zuvor hatte Patrick Gaus, Experte der Firma, das Strukturgutachten der Wasserversorgung im Ort vorgestellt. 
Wolfach-Kirnbach
vor 21 Stunden
Neustart auf dem Moosenmättle: Die Spuren des verheerenden Brands vom Januar 2017 sind weitgehend beseitigt. Während die letzten Handwerker noch Hand anlegen, begrüßte Doris Epting im März die ersten Gäste im wieder aufgebauten Freizeithaus.
Hausach
vor 23 Stunden
Das Forum Hausach bestätigte sein Vorstands- team. Dieses will sich nach der Befreiung der Last des Muttertagsmarkts wieder verstärkt um einen echten Mehrwert für die Mitglieder kümmern und diese auch stärker in seine Arbeit einbinden.