Hausach

»Große Tochter« beim Heimspiel

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 3 Minuten
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16. Juli 2014

Zwei junge Sympathieträger des Hausacher LeseLenzes aus Berlin: die Drehbuchautorin Nicole Armbruster mit Hausacher Wurzeln und der in der Ukraine aufgewachsene Autor Dmitrij Gawrisch, die sich beide den Fragen von Andreas Öhler und dem Hausacher Publikum stellten. ©Claudia Ramsteiner

Sie lieferte unbewusst das Leitmotiv für den Hausacher LeseLenz 2014: Weil  Nicole Armbruster 2013 den Deutschen Drehbuchpreis erhielt, lautet das Motto »bewegt:bilder«. Am Montag war die Wahl-Berlinerin, die in Hausach aufgewachsen ist, zu Gast in der Stadthalle.

Hausach. »Ich darf Ihnen eine große Tochter Ihrer eigenen Stadt vorstellen«, begann »ZEIT«-Redakteur Andreas Öhler am Montagabend das Gespräch mit Nicole Armbruster, die, in Jeans, Turnschuhen und Bluse, die »große Tochter« nun so gar nicht raushängte. Vor ihr saßen neben dem »üblichen« LeseLenz-Publikum ihre Eltern, ihre Familie, ehemalige Schulkameraden. »Heimspiele sind besonders schwierig«, gestand sie. Falls sie nervös war, kann sie nicht nur Drehbücher schreiben, sondern auch gut schauspielern.
Thema des Gesprächs war das Drehbuchschreiben im Allgemeinen und der Film »Freistatt« im Besonderen, für den Nicole Armbruster im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde. Ein »harter Film«, wie sie selbst sagt, über den 14-jährigen Wolfgang, der in den 60er-Jahren gegen die unmenschlichen Bedingungen in einem Erziehungsheim der Diakonie rebellierte.
Ängste vor den Klagen der Evangelischen Kirche habe es nicht gegeben: »Wir haben uns stark an das dokumentarische Material gehalten und an die Erzählungen eines Zeitzeugen, der seine Jugend in dem Heim heute noch nicht überwunden hat«, erzählt Armbruster, dass  das heutige Heim sehr offen mitgearbeitet habe. Mit »wir« meint sie den Regisseur Marc Brummund, der das Drehbuch angefangen und sie ums Weiterschreiben gebeten hatte.
Gehört eine Portion Bescheidenheit dazu, Drehbuchschreiber und nicht gleich Regisseur werden zu wollen?, fragte Öhler. »Dazu hätte ich die Nerven nicht, ein Regisseur muss das Chaos lieben« – Armbruster findet gerade diese Form des Schreibens faszinierend, auch wenn ein Drehbuch nie so umgesetzt wird, wie es sich der Drehbuchschreiber ausgedacht hat. »Das erste Mal war der Hammer«, erzählt sie von den Kurzfilmen im Studium, bei denen die jungen Drehbuchschreiber ihre eigenen Filme kaum wiedererkannten. 
Offenes Ende
Ein gutes Team sei für sie eine wichtige Voraussetzung, dass sie »mit dem Regisseur gut kann«. Bei »Freistatt« sei dies so gewesen, »und das merkt man dem Film sicher auch an«. Dennoch kennt sie das Ende ihres eigenen Films selbst noch nicht. Andreas Öhler empfand den Schluss des Drehbuchs, das ihn an ein psychologisches Kammerspiel erinnert, als »sehr bitter«. Wie der Film wirklich ausgeht, stehe nicht mehr in der Macht des Drehbuchschreibers, erklärt Nicole Armbruster, dass hier Redakteur, Regisseur und vor allem der Produzent, »dem der Film gehört«, mehr zu sagen hätten. 
Denkt man bei der einen oder anderen Rolle schon an einen bestimmten Schauspieler? An George Clooney oder so? »Wenn ich mal den Clooney krieg’ in meinen Film, wow! Aber zu solchen Fantasien hab’ ich’s noch nicht geschafft«, schmunzelt die Wahlberlinerin aus Hausach, die nicht in die Schublade »sozialkritische Schublade" gesteckt werden will und durchaus auch bereit wäre, mal einen "Tatort" zu schreiben.
Das Publikum bekam nur eine kleine – sehr vielversprechende – Szene des Films zu sehen. Bevor dieser nämlich in die Kinos kommt, soll er seine Premiere bei einem Festival erleben. Wenn er öffentlich zu verleihen ist, wird sich einer schon bald in die Warteliste einreihen: der Hausacher Bürgermeister Manfred Wöhrle, der »Freistatt« gern in der Stadthalle zeigen würde. Dass diese schon bei dem Gespräch mit Nicole Armbruster gut gefüllt war, freute auch LeseLenz-Kurator José Oliver: »Dieser LeseLenz schlägt alle Rekorde«, strahlte er bei der Begrüßung.
Das anschließende Gespräch mit Dmitrij Gawrisch lesen Sie morgen auf der Kulturseite

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