Gutach

Gutacher arbeiten bei "Zahnärzte ohne Grenzen" in Namibia

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10. Juli 2019

Maria Bizenberger hinten, von links), eine Zahntechnikerin aus Tübingen und Michael Bizenberger freuen sich mit einer Patientin über ihr neues strahlendes Lächeln, dass diese durch eine Zahnprothese wiedergewonnen hat. ©Stefan Rohr

Michael und Maria Bizenberger, Vater und Tochter, sind vor Kurzem von ihrem zweiten Aufenthalt in Namibia zürückgekommen. Dort arbeiteten sie in ihrem Beruf – täglich, unter einfachen Bedingungen und unentgeltlich – allerdings nicht umsonst.

Die Urlaube im vergangenen und in diesem Jahr waren für Vater und Tochter Michael und Maria Bizenberger anstrengend. Im Süden Namibias halfen die beiden Zahntechniker bei der Organisation DWLV-»Dentists without Limits« also »Zahnärzte ohne Grenzen« mit – im bereits bewährten Team von 2018,  mit einer Zahntechnikerin aus Tübingen und dem Zahnarzt Stefan Rohr aus München.

Diesmal arbeiteten sie lediglich eine Woche in einer Klinik in Karasburg und ließen sich dann auf den »real Deal« ihres Ansprechpartners vor Ort ein: Der einzige Zahnarzt im Süden des Landes schickte sie ins 270 Kilometer entfernte Aussenkehr, eine Wanderarbeitersiedlung mit saisonal bis zu 20 000 Einwohnern. »Die Menschen leben in ärmlichen Schilfhütten, ohne Strom, mit lediglich drei Wasserstellen für die ganze Siedlung und ohne zahnärztliche Versorgung«, erklärte Michael Bizenberger. 

Provisorisch eingerichtet, schnell gearbeitet und wirksam geholfen

Das Team arbeitete unter erschwerten Bedingungen mit Stirnlampen, auf Stühlen an Campingtischen in gebückter Haltung und mit nur einer Steckdose für alle Apparate. 

Das Nötigste an Geräten,  Gips, Kunststoff und Zähnen in unterschiedlichsten Farben hatten sie im Gepäck – selbst bezahlt und diesmal unterstützt von einigen Wohltätern. Neben Kleiderspenden nahm die eigene Kleidung den geringsten Platz im limitierten Gepäck ein. Und die haben Bizenbergers vor ihrer Rückreise größtenteils auch verschenkt. 

Eigene Ausgaben bestens angelegt

Die Reise, Unterkunft und Verpflegung bezahlten die Teilnehmer ebenfalls aus eigener Tasche. »Ich weiß nicht, was es gekostet hat. Ich habe es nicht zusammengerechnet. Aber jeder Cent ist gut angelegt«, resümiert Michael Bizenberger.

Als sie in Aussenkehr ankamen, wurde das Team im Gottesdienst vorgestellt und bot seine Hilfe an. »Da gab es großen Applaus«, erinnert sich Maria Bizenberger. Am nächsten Tag ging’s los. Es warteten bis zu 80 Patienten, teils trotz großer Schmerzen fröhlich, vor dem Raum, den sich das Team teilte.

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Für ein Stückchen Würde im Akkord gearbeitet

Und drinnen wurde Akkord gearbeitet: In zehn Tagen behandelte Rohr insgesamt 639 Patienten. Er zog 598 Zähne und das Zahntechnikerteam erstellte über sechzig Mal teilweise oder vollen Zahnersatz.

Vater und Tochter wollen die Reise und Arbeit auf jeden Fall wiederholen, denn sie war nicht umsonst. »Wir haben den Menschen dort mit einem besseren Aussehen, Würde, Glück und Chancen zurückgegeben und dafür große Dankbarkeit, Freude und Freundlichkeit erfahren. Das ist ein gutes Gefühl. Man kommt geerdet und dankbar für vorhandene Möglichkeiten nach Hause zurück«, so Maria Bizenberger.

Unter großer Hitze geht es überall langsamer 

Michael Bizenberger interessierte sich bei dieser Reise besonders für die Schönheit der Landschaft und die Lebensumstände der Menschen dort. »Man fragt sich warum’s bei uns läuft und dort nicht. Doch Obacht: Wenn’s bei uns heiß ist wie kürzlich, wird das Tempo langsamer und es funktioniert auch in Deutschland nicht mehr alles hundertprozentig«, hat er beobachtet.

Und wenn man nicht wie selbstverständlich den Wasserhahn aufdrehen oder das Licht anknipsen könne, würde auch die westliche Weltordnung ihre Macken zeigen, schlussfolgerte er mit einem Verweis auf den Klimawandel. 

Ordnung ist bei genauem Hinschauen zu sehen

Selbst in Aussenkehr wird Müll gesammelt, aber eben nicht abgeholt, morgens vor der Haustür gekehrt, obwohl es keine Straßen, sondern nur Staubpisten gibt und der Tagesbedarf an Wasser oft von weit her geholt wird, und das dauert eben seine Zeit.

»Der Blickwinkel macht den Unterschied und lässt manches gut gepflegte Vorurteile überdenken«, sagt er. Auch das sei ein Mehrwert, den ihn die Lebensumstände in Namibia gelehrt hätten. 

Info

"Zahnärzte ohne Grenzen"

Die Stiftung »Zahnärzte ohne Grenzen« wurde 2004 als gemeinnützige und mildtätig anerkannte Hilfsorganisation gegründet. Sie unterstützt Zahnmediziner bei deren Hilfsprojekten, damit diese unkompliziert und legal in benachteiligten Ländern ehrenamtlich humanitäre zahnmedizinische Hilfe leisten können.

Weitere Informationen unter 

www.dentists-without-limits.org 

www.dwlf.org
www.smile.amazon.de  (hier kann man bei Amazon-Einkäufen spenden)

 

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