Gutach

Gutacher Blumbauer hadert mit »nicht nachvollziehbaren Gesetzen«

Autor: 
Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 3 Minuten
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19. April 2019

Helmut Blum (vorn) zeigte seinen Gästen Ernst Wöhrle (von links), Vorderschlauchbauer Florian Wöhrle, Sebastian Duffner (Landwirt und Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Schönwald), Gerhard Wöhrle (SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Gutach) und  Bundestagsminister Johannes Fechner (SPD) seinen Hof. ©Claudia Ramsteiner

Auf seiner Stippvisite durchs Gutachtal besuchte der SPD-Bundestagsminister Johannes Fechner den Blumbauernhof in Gutach und hörte sich die Sorgen und Nöte der Landwirte an. 

Helmut und Rosemarie Blum bereiteten am Mittwoch dem Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner (SPD) einen herzlichen Empfang. Unter den weiteren Gästen waren auch Bürgermeister Siegfried Eckert, der SPD-Ortsvorsitzenden und Gemeinderat Gerhard Wöhrle, Vorstandsmitglied Ernst Wöhrle, Landwirt Florian Wöhrle vom Vorderschlauchbauernhof und der FBG-Vorsitzenden Jürgen Lehmann. Helmut Blum zeigte bei einem Rundgang durch Schlachthaus, Stall und Keller mit Pelletsheizanlage, wie der Hof geführt wird und mit welchen Problemen er zu kämpfen hat.

»Wir spritzen und düngen nicht, sind zwar kein Bio- aber ein Öko-Betrieb«, spielte Helmut Blum die Schlachtung und Vermarktung von »reinem« Fleisch an. »Die Auflagen aus den EU-Richtlinien werden immer größer«, bedauert er. Seine beiden Söhne werden diesen und den Hof, von dem seine Frau stamme, übernehmen. Der Schwerpunkt liege neben der Arbeit als Gebrauchshalter (es wird nicht gezüchtet) auf dem Wald mit mehr als 70 Hektar und bei den Feriengästen.
Zu einem Wellness-Bauernhof soll der »größte Bauernhof in der Ortenau« umgebaut werden. »Doch wir wollen keinen Massentourismus«, betonte Blum. Auch wenn mehr Übernachtungsmöglichkeiten besser zu finanzieren seien, sind fünf Ferienwohnungen und drei Zimmer geplant.

Viehbestand reduziert

Er habe bereits von 22 auf 16 Kühe reduziert. Subventionen würden gestrichen, »nicht nachvollziehbare EU-Gesetze« streng kontrolliert und mit Sanktionen bedacht. Ein Knackpunkt sei für ihn der Spaltenboden im Stall (siehe »Stichwort). »Wenn er aufwendig und teuer saniert werden muss, werden meine Söhne die Tiere abgeben«, blickte der Landwirt voraus. »Ich kann damit aber nicht aufhören, die Viecher sind mein Herzblut«, so Blum.

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Heiß diskutiertes Thema war die Forstreform. »Ein großes Problem für die Waldbesitzer und die FBG«, bestätigte FBG-Vorsitzender Jürgen Lehmann. Wenn die Gemeinde nicht mehr dabei sei, würde mehr die Wirtschaftlichkeit als die Nachhaltigkeit zählen. »Wir wollen die Nachhaltigkeit und den Tourismus fördern«, hakte Johannes Fechner ein. So sei dies mit der Reform nicht beabsichtigt gewesen, »und plötzlich kam das Kartellamt.« 

»Es geht vor allem um die Offenhaltung«

»Dabei geht es vor allem um die Offenhaltung«, so Helmut Blum. Dem Gast würde es nicht gefallen, wenn immer mehr Flächen zugesetzt und verwildert seien. Doch Offenhaltung würde immer schwieriger, verwies er auf den Wegfall der Ausgleichszulage Wald und der Steillagenförderung. »Wenigstens läuft da etwas in Gutach mit der erlassenen Grundsteuer«. Etwa 90 Prozent würden mit dieser »Stallprovision« gefördert. »Das sind rund 25.000 Euro«, rechnete Bürgermeister Siegfried Eckert vor. Eins stellte Helmut Blum dabei aber klar: »Die Hauptförderung muss von der EU kommen, das kann man nicht an die Gemeinde hinhängen«.

Auch der Gutacher SPD-Vorsitzende Gerhard Wöhrle unterstrich, dass benachteiligte Gebiete gefördert werden sollen. »Nur das Überleben kleinbäuerlicher Betriebe hält den Schwarzwald offen«. Der Bundestagsabgeordnete bestätigte zwar, dass 50 Millionen Euro EU-Agrar-Subventionen fließen, doch die gingen an die Großbetriebe. »Da sollten mehr Grundsätze mit einfließen, wer beispielsweise die Landschaft offenhält oder keine Pestizide einsetzt«.
»Es geht nicht um den Spaltboden sondern um die Sauberkeit, wie geschlachtet wird – sie sollen uns Bauern einfach Bauern sein lassen«, brachte es Helmut Blum schließlich seine Forderung auf den Punkt.

Stichwort

Spaltenboden

Ein Spaltenboden in einem Rinder- oder Schweinestall besteht abwechselnd aus den Balken, der Auftrittsfläche für die Tiere, und schmalen Spalten, diese sind ein Durchlass für Kot und Harn. Laut Tierhaltungsverordnung für Kälber darf die Spaltenweite im Lauf- und Fressbereich maximal 25 mm betragen, wobei die Auftrittsbreite der Balken mindestens 80 mm betragen muss. (Quelle: Wikipedia)
 

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