Gutach

Gutacher Katholiken auf dem Weg in die Zukunft

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20. Oktober 2019

4300 Euro Einsparung hat im vergangenen Jahr der Umzug der Gottesdienste und Veranstaltungen von der katholischen Kirche und dem Pfarrsaal zur evangelischen Gemeinde gebracht. Ab 1. November gilt erneut die „Winterregelung“ – mit Ausnahme der Gottesdienste von Weihnachten bis Dreikönig, diese möchten die Gutacher Katholiken auch weiterhin in der eigenen Kirche feiern. Was auf lange Sicht mit dem katholischen Kirchengebäude geschieht, steht noch in den Sternen. ©Claudia Ramsteiner

Gut 30 Gutacher waren zum vierten und letzten Ausspracheabend der katholischen Seelsorgeeinheit Hausach-Gutach am Freitag in den Hornberger Pfarrsaal gekommen. Und es zeigte sich, dass jede der vier Gemeinden anders „tickt“.

Die Situation in Gutach ist eine besondere in der Seelsorgeeinheit Hausach-Hornberg: Die Gutacher haben (noch) eine eigene Kirche, werden aber als Filiale von Hornberg geführt – und bei ihnen ist die Ökumene am weitesten gediehen. Auch, weil in Gutach Katholiken wie Protestanten gezwungen sind, finanziell teure Doppelstrukturen zu vermeiden. Wie in den drei Ausspracheabenden zuvor gingen Pfarrer Christoph Nobs und Gemeindereferentin Katharina Gerth zunächst auf die Großwetterlage der Kirche, ihre schwindende Relevanz in der Gesellschaft und auf die Zukunft der Seelsorgeeinheit in der Pastorale 2030 ein. 
In Gutach strebe man eine ökumenische zukunftsfähige Perspektive an. Eine Rahmenvereinbarung dafür sei erarbeitet und müsse in den Gremien und den Kirchenleitungen noch verabschiedet werden. Beide Kirchengemeinden wollen ihre Gottesdienste gegenseitig anerkennen: „Ein ökumenischer Gottesdienst verlangt nicht zwingend zwei Geistliche beider Konfessionen“, so Nobs.
Die Winterregelung, in der die Katholiken Kirche und Gemeindehaus der Schwestergemeinde nutzen und nur Weihnachten bis Dreikönig das eigene Gotteshaus für Gottesdienste heizen, hatte im ersten Jahr 4300 Euro Einsparung gebracht, legte Pfarrer Nobs offen. Bekanntlich wird eine Simultankirche angestrebt.

Vier Phasen Trauerarbeit

Entschieden wandte sich der Pfarrer gegen Unterstellungen, die ihn sehr getroffen hätten: „Ich mache nicht alles Katholische kaputt, weil’s mir Spaß macht, sondern ich versuche zu retten, weil die Realität eine andere ist“, betonte er. Die vier Phasen der Trauerarbeit ließen sich auch auf die Trauer um die eigene Kirche übertragen: Die Realität noch gar nicht wahrnehmen, dann dem Verlust emotional begegnen, schließlich komme die Vernunft hinzu, und in der Endphase könne man sich wieder öffnen für die Zukunft.

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Wie der Abend zeigte, befinden sich die Katholiken in Gutach je nach Typ und Verbindung zur Kirche in allen vier Phasen. Ein Mitglied des Gemeindeteams kritisierte das Tempo der Vorgehensweise: „Dieser Ausspracheabend hätte am Anfang des Prozesses stehen müssen.“ Nobs verwies auf zwei Versammlungen, die bereits zum Thema Ökumene stattgefunden hätten.
„Ich bin froh, dass ich 2030 nicht mehr mitrede“, fehlen einer älteren Gutacherin in der Kirche allgemein das „Gefühl für die Menschen und die Anerkennung der Arbeit der Frauen.“ In Gutach sei die Kirche „kalt und kahl“ geworden. Und sie wolle wissen, was mit Kreuzweg, Krippe und Statuen passiert, wenn die Kirche geschlossen werde. „Die Kirche wird nicht übermorgen verkauft und leergeräumt“, bremste Katharina Gerth. „Die Gutacher Kirche ist keine Barockkirche, die man mit Heiligen vollknallt“, versuchte Pfarrer Nobs zu erläutern, dass es für jeden Kirchenstil liturgische Standards gibt. 
„Ich möchte auch meinen Kindern unsere Kirche noch zeigen“, bemängelte eine 22-Jährige, dass es derzeit für die Jugend nicht inpirierend sei, sich zu beteiligen. Ein klarer Hinweis an das Gemeindeteam, befand Nobs und rief dazu auf, sich dort zu engagieren, um die Gemeinde für die Zukunft aufzustellen. 

Der evangelische Pfarrer Dominik Wille will in den Sommermonaten mal einen Gottesdienst in der katholischen Kirche feiern, „damit die evangelische Gemeinde den Schmerz nachvollziehen kann“. Bürgermeister Eckert betonte, dass die katholische Kirche „den Gutachern gehört, und nicht Freiburg“. Bei einer Bürgerversammlung im Februar solle auch dies Thema sein. Er würde es begrüßen, wenn sich da auch jemand von der Erzdiözese sehen ließe. 

Dankbarer Applaus dann für zwei zukunftsweisende Schlussworte. Eine Neugutacherin schilderte ihren positiven Ersteindruck: „Ein Pfarrer, der jung denkt und eine funktionierende Ökumene“. Und Pfarrer Nobs bezeichnete „Immobilien und Finanzen als Äußerlichkeiten“. Sein Herzensanliegen sei die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation. 

Stichwort

Winterdienst

Der Winterdienst vor der katholischen Kirche war ebenfalls Thema. Pfarrer Nobs hatte vergangenes Jahr den Bereich abgesperrt, weil ihn niemand übernehmen wollte und er die Verantwortung dafür ablehnte. Er nahm den Wunsch mit, sich in der Rechtsabteilung zu erkundigen, ob mit einem Hinweisschild die Gefahr, zur Rechenschaft gezogen zu werden, gebannt ist. 

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