Hausach

Gutachter geben Steinbrucherweiterung freie Bahn

Claudia Ramsteiner
Lesezeit 4 Minuten
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11. Mai 2017

Der Steinbruch am Hechtsberg in Hausach wird künftig mit rund 200 000 Tonnen im Jahr die gleiche Menge abbauen wie bisher – er muss dafür aber weiter in den Berg hinein sprengen. ©Claudia Ramsteiner

Dem Hausacher Steinbruch gehen bald die Steine aus, wenn er nicht erweitert wird. Bei einer im Genehmigungsverfahren geforderten »Frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung« erfuhren die Anwohner am Dienstag, dass für sie mit einer Erweiterung nichts besser wird – aber auch nichts schlimmer.

Zum Ende dieses Jahres läuft die Genehmigung für den Betrieb des Hausacher Steinbruchs auf der aktuellen Fläche nach 20 Jahren aus. Der Regionalplan Südlicher Oberrhein hat die potenzielle Erweiterungsfläche des Hausacher Steinbruchs um rund drei Hektar nach Süden (in Richtung Berg) schon festgelegt, um die Gewinnung von Rohstoffen in Baden-Württemberg zu sichern. Dennoch muss die Schotterwerk Hausach GmbH in einem Immissionsschutzrechtlichen  Verfahren die Genehmigung dafür erwirken. 

Der Freiburger Fachanwalt für Verwaltungsrecht Volker Stehlin leitet das Verfahren, er führte am Dienstagabend im Feuerwehrgerätehaus in den Informationsabend zur Frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung ein und versprach den gut 60 Anwohnern: »Was Sie uns heute mitgeben, werden wir ernst nehmen.«

Erst danach werde ein konkreter Antrag beim Landratsamt gestellt und das offizielle Verfahren eröffnet. Im Rahmen dieses Verfahrens komme es noch zur Offenlage, bei der jeder Anlieger noch einmal seine Betroffenheit zum Ausdruck bringen könne.

Um all das, was die verschiedenen Gutachter anschließend vortrugen, zusammenzufassen: Die Belastungen mit Staub und Lärm werden für die Anwohner nicht besser werden – aber auch nicht schlimmer.

Staub

Gutachterin Corinna Humpert-Zerulla von der Prüfgesellschaft Dekra erläuterte die Vorsorgewerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit. In ihre Berechnungen sei die Betrachtung des Betriebsablaufs über ein ganzes Jahr inklusive der Winddaten eingeflossen. Sie kam zu dem Schluss, dass sämtliche Immissionswerte eingehalten werden, und dass von der Luftschadstoffseite her »nichts gegen einen Betrieb spricht«. 

Lärm

Gutachter Jürgen Hermann berichtete von der Schalltechnischen Untersuchung. In einem Mischgebiet seien 60 Dezibel zulässig mit Spitzen bis zu 90 Dezibel. Bei seiner Beurteilung, was an den Wohnhäusern ankommt, kam Hermann bei einem »maximalen Arbeitstag« auf Werte zwischen 41 (Adlersbach) und 56 (Martinshof 5 und Hechtsberg 6) mit Spitzenpegel zwischen 70 und 84 Dezibel und urteilte: »Total unkritisch!«

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Sprengungen

Der Sachverständige für Sprengemissionen und Erschütterungen Jürgen Wieck hatte untersucht, »wo man wie sprengen darf, um die Gebäude nicht zu gefährden«. Und hier gibt es nun tatsächlich eine Änderung: Künftig darf der Umbau nur noch auf einer Wandhöhe von 20 statt 30 Metern mit kleineren Sprengungen und weniger Sprengstoffaufwand stattfinden. Die Sprengsituation sei gegenüber bisher deutlich verbessert Einem Anwohner, der über Steinflug geklagt hatte, beschied er, dass es dies »bei dieser Sprengweise nicht mehr geben werde«. Und dass man selbstverständlich nicht schutzlos ausgeliefert sei, falls sich ein Unternehmen nicht an die vorgeschriebenen Regeln halte. 
»Wir werden etwas häufiger sprengen müssen, um die gleiche Menge wie bisher zu produzieren«, sagte die Firmenchefin Meike Beck-Uhl  gestern auf Anfrage. Es werde sich aber dennoch in einem Rahmen von etwa 50 Sprengungen im Jahr bewegen.

Natur und Umwelt

Der Diplom-Geologe Axel Dörr informierte über die Naturschutz- und Umweltplanung. Nach der Untersuchung der Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere, Boden und Wasser kam er zu dem Schluss, dass die geplante Erweiterung des Steinbruchs verträglich sei mit dem FFH-Gebiet. Als Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur sieht er unter anderem die Aufwertung von Waldbiotopen auf sechs Hektar und Maßnahmen für Auerwild auf drei Hektar. Dass die Erschütterungen die vorhandenen Quellen beeinträchtigen, halte er für »sehr, sehr unwahrscheinlich«. 

Reaktionen

Die Anwohner reagierten zum Teil recht emotional auf die Gutachten und sprachen von Erschütterungen, Rissen in den Häusern und einem Staubaufkommen, das bei entsprechendem Wind das Aufhängen der Wäsche im Freien verbiete. »Das bestreiten wir nicht, solange es den Steinbruch gibt, wird es für Sie diese starken Unannehmlichkeiten geben«, gab Stehlin unumwunden zu. Da aber sämtliche Richtwerte eingehalten und zum Teil sogar deutlich unterschritten würden, sei eine Erweiterung rechtlich sicher nicht aufzuhalten. 

Ein Anlieger bat darum, dass die Firma, wie vom Seniorchef versprochen worden sei, bei trockenem Wetter mehr wässern, um die Staubbelastung zu minimieren. Auf die Frage, wer die Gutachter denn beauftragt habe, machte Stehlin deutlich, dass das Unternehmen dazu verpflichtet sei. »Die Gutachter haben eine sehr hohe Reputation und werden vom Landratsamt auch überprüft:  »Für das, was Sie hier andeuten wollen, gibt es nicht die Spur von Anlass.«

Sämtliche Infos gibt es auch auf der Homepage des Unternehmens: www.uhl-beton.de

Stichwort

Steinbruch Hechtsberg

◼ Übernahme 1988
◼ Produktion von Schotter, Gleisschotter, verschiedenen Splitten, Mineralgemischen
◼ Abbaumenge rund 200 000 Tonne pro Jahr
◼ Gesteinsabbau genehmigt bis 31. Dezember 2017 auf einer Fläche von 7,5 Hektar
◼ Geplante Erweiterung 2,98 Hektar, Reichweite Restabbau und Erweiterung 5,8 Millionen Tonnen für 29 Jahre

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