Hausach

Gymnasiasten in Thailand: "Chaos fügt sich und funktioniert"

Autor: 
Sabine Glöckler
Lesezeit 5 Minuten
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14. Januar 2020

Mit dem sozial-ökologischen Projekt Amphawa Chaipattananaurak Conservation werden die Bewohner der Region geschult, wie sie eigene Produkte hochwertig und ökologisch wertvoll herstellen und vermarkten können. Hergestellt werden unter anderem Kokoszucker, -sirup und -essig, Stamm und Blätter werden Brennstoff. Die Kinzigtäler Schüler lernen hier, wie man aus den Kokospalmblättern Fische und Vögel flechtet. ©Sabine Glöckler

Sowohl die Satrininonthaburischule in Bangkok als auch das Robert-Gerwig-Gymnaisum in Hausach sind sogenannte Pasch-Schulen (Partnerschulen der Zukunft). Das ist eine Initiative des Auswärtigen Amts, die Begegnungen von Schülern verschiedener Kulturkreise unterstützt. Der Thailandaufenthalt der Schülergruppe aus dem Kinzigtal geht langsam dem Ende entgegen. Schüler und Begleitlehrer Reinhardt Bäder berichten über ihre Eindrücke.

Genießt du deinen Austausch?

Fiona Dorn, 10a aus Kirnbach: Ja sehr, jeden Tag gibt es was Neues zu entdecken, da die Kultur total anders ist als in Deutschland. Zum Beispiel der respektvolle und höfliche Umgang der Kinder mit den Erwachsenen. Alles ist ein bisschen chaotisch auf den ersten Blick, etwa der Verkehr, aber alles fügt sich und es funktioniert dann.

Was habt ihr heute Vormittag erlebt?

Jana Fritsch aus Wolfach: Wir besuchten das Amphawa  Chaipattananurak Conservation Projekt. Wir haben gelernt, wie man Zucker aus der Kokospalme herstellt, und danach durften wir aus den Blättern der Kokospalme Fische und Vögel basteln (siehe Foto).

Findest du den Austausch sinnvoll?

Jana: Ja, weil man etwas ganz anderes sieht – eine andere Kultur und Landschaft – besonders, was man als Tourist nicht sehen würde: Wie die Leute hier wohnen, alles ist ein bisschen anders, die Zimmer haben Klimaanlagen, in der Küche ist ein Gasherd, es gibt keine Schränke, sondern alles steht offen auf dem Boden, gegessen wird mit Löffel und Gabel, Messer werden nur zum Kochen benutzt.

Was hat dich bisher am meisten überrascht?

Hannah Jehle aus Wolfach: Als wir nach Hause gefahren sind, haben meine Gast­eltern das Auto nicht in der Garage geparkt, sondern im Wohnzimmer. Beim Auto meines Gastvaters kann man die Gurte nicht benutzen. Ich dachte, in der Schule ist es viel strenger. Das Gegenteil ist der Fall. Gestern Nachmittag sind wir im Klassenzimmer gesessen und haben Musik gehört. Es fand kein Unterricht statt, manche haben Hausaufgaben gemacht, jemand hat Gitarre gespielt.

Was habt ihr sonst noch gemacht?

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Hannah: Gestern haben wir thailändische Tänze gelernt. Das war ziemlich schwierig, weil unsere Finger nicht so beweglich sind wie die der Thais. Im Goethe-Institut hat man uns gezeigt, wie man dort die Leute zum Deutschlernen motiviert. Unser Austausch ist dafür eine gute Möglichkeit, da unsere Austauschschüler mit der deutschen Sprache in Berührung kommen.

Marco Schmidtke aus Halbmeil: Heute wurde uns erklärt, wie Abwasser auf natürliche Weise gereinigt wird – das Projekt wurde von König Bhumibol, Rama der IX, initiiert. Mich begeistert, dass man in Thailand in vielen Bereichen Deutschland voraus ist, obwohl man das beim ersten Eindruck nicht denkt. Zum Beispiel bei der Wasserreinigung, bei der Sicherheit auf den Bahnhöfen – Plexiglastrennwände verhindern, dass man auf die Gleise tritt – und es gibt überall in den Zügen und vor den Geschäften Prioritätsplätze für Schwangere, Ältere, Mönche, Kranke oder Behinderte.

Was nimmst du von Thailand mit nach Hause?

Maybritt Moser aus Schnellingen: Man kann auch ohne strenge Regeln problemlos zusammenleben, auf der Straße hält sich niemand an Regeln, aber man wird vorgelassen, wenn man irgendwo abbiegen will, alles ist sehr eng, aber jeder macht Platz, wenn man ihn braucht, man nimmt aufeinander Rücksicht. Meine Gastmutter schimpft nicht mit ihren Kindern und sagt nie direkt, was sie will, aber die Kinder merken genau, wenn sie etwas falsch machen. Und die ganzen neuen Eindrücke von dem Land natürlich: Es gibt morgens, mittags und abends das gleiche Essen, Reis, Nudeln, Suppe mit Gemüse, Fleisch oder Fisch. Auch die Natur und die Umgebung, die Thais sind glücklicher, gelassener und schneller zufrieden als die Deutschen.

Welche Erwartungen hatten Sie an den Austausch?

Reinhardt Bäder, Begleitlehrer: Was die Erwartungen angeht, was das Gastland bietet, war ich relativ frei, weil ich weiß, dass in anderen Kulturen Dinge ganz anders laufen, und da möchte ich ganz bewusst von den „deutschen“ Erwartungen Abstand nehmen. Erwartungen habe ich gehabt, was das Verhalten unserer Schüler angeht: Dass sie offen für diese ganz andere Kultur sind, dass sie sich in das ganz neue Schulsystem einfügen und dass sie neugierig und interessiert sind an dem, was auf sie zukommt – und dass sie, auch wenn es ihnen mal gegen den Strich geht, trotzdem bei guter Laune bleiben.

Haben die Schüler diese Erwartungen erfüllt?

Bäder: Zum allergrößten Teil ja. Sie haben eine unglaubliche Flexibilität und Offenheit gezeigt, wenn es um gemeinsame Aktionen ging, wie beim thailändischen Tanzen, beim Umgang mit neuen Regeln wie dem Tragen der Schuluniform, mit Verhältnissen in der Wohnung der Gast­eltern, bei denen es in zwei Fällen keine Dusche gab, oder wenn sich während der gemeinsamen Aktionen Wartezeiten ergaben. Bei manchen Besichtigungen hatte ich auf mehr Interesse und Begeisterung gehofft.

Was nehmen Sie persönlich von der Reise mit?

Bäder: Dass es wichtig für junge Menschen ist, nicht nur als Touristen eine solch fremde Kultur kennenzulernen, sondern auch das neue Land mit der familiären Anbindung zu erleben. Überraschend für mich war, wie weit die Digitalisierung im Klassenzimmer vorangeschritten war. Schön für mich war zu erleben, dass Unterricht auch auf ganz andere Weise funktionieren kann.
 

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