Freilichtmuseum

Handwerkern im Vogtsbauernhof in Gutach über die Schulter geblickt

Autor: 
Christine Aberle
Lesezeit 4 Minuten
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16. Juni 2021
Martha und Rudi Leitl aus Wolfach-Kirnbach zeigten im Vogtsbauernhof, wie man Holzschuhe herstellt.

(Bild 1/2) Martha und Rudi Leitl aus Wolfach-Kirnbach zeigten im Vogtsbauernhof, wie man Holzschuhe herstellt. ©Aberle, Christine

„Zwischen Kunst und Handwerk“ lautete das Motto des Aktionstags am Sonntag im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach. Den Besuchern hat es gefallen.

Es ist sehr warm an diesem Sonntag, trotzdem kommen viele Gäste in das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach. Verschiedene Kunsthandwerker sind zu Gast und stellen ihr Handwerk vor. Außerdem ist in der Familienwerkstatt einiges geboten.

Unter den Kunsthandwerkern sind Martha und Rudi Leitl aus Wolfach-Kirnbach. Mit viel Liebe zur Sache stellen sie Strohschuhe her. Dabei achten sie auf beste Qualität, und das hat sich herumgesprochen. Rudi Leitl erzählt, dass sie von Aufträgen überrannt werden. Für die beiden soll es aber noch Spaß machen, begründet er Absagen größerer Aufträge.

Gutes Getreide für Strohschuhe

Die Grundvoraussetzung für gute Strohschuhe sei gutes Getreide. Das fänden sie im Elztal, wo der Roggen noch in Handarbeit geerntet und zu Garben gebunden werde. Auch das Dreschen mit dem Flegel gehöre dazu. Später werde das Stroh eingeweicht, geflochten und dann über Leisten zu einer Schuhform zusammengenäht. Ein Markenzeichen ist der von Martha Leitl gestrickte Socken, der farblich abgestimmt zum Band passt. Das sei vor allem in der kalten Jahreszeit sehr angenehm.

Sie hat dieses Hobby der Strohschuhherstellung von ihrer Mutter von klein auf gelernt, und diese Liebe ins Detail ihrem Mann vermittelt. Das Paar arbeitet im Team, jeder hat seine Aufgaben. In einem Paar Schuhe stecken etwa 25 bis 30 Arbeitsstunden, was eigentlich unbezahlbar sei. Für die zwei Kirnbacher ist es Ehrensache weiterzumachen. Für sie gehört dieses Handwerk zur Brauchtumserhaltung, auch viele Hexenzünfte würden ihre Schuhe tragen, sagen sie mit Stolz.

Ein ganz anderes Handwerk ist das von der Polsterei Ehret aus Hohberg. Wolfgang Ehret ist vor dem Falkenhof gerade dabei, einen alten Stuhl abzuschleifen. Er erzählt, dass sein Handwerk nur noch wenige ausführen würden. Er selbst führe einen Familienbetrieb und lege höchsten Wert auf Natürlichkeit. Spezialnähmaschinen und Tacker seien seine einzigen elektrischen Geräte.

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Kutschen gepolstert

Er will mit seiner Arbeit eine Alternative zur Wegwerfgesellschaft bieten. Viele Polstermöbel, Eckbänke oder Sitze, auch von Motorrädern, seien nach einer fachmännischen Aufpolsterung wieder gut in Schuss. Auch das komplette Programm zur Bearbeitung der Holzkomponenten beispielsweise von Polsterstühlen führt Ehret fachmännisch aus. Er berichtet, dass er alle Kutschen im Museum neu gepolstert hat und so der gute Kontakt ins Freilichtmuseum entstanden ist. Zweimal im Jahr präsentiert er in Gutach sein Handwerk.

Die Steinmetzin Karin Läpple aus Stuttgart bearbeitet gerade einen Sandstein. „Der Vogtsbauernhof ist ein magischer Ort für mich", schwärmt sie. Das Wort „Vogtsbauernhof“ hat sie bereits aus dem Stein herausgearbeitet. Dazu seien etwa zwölf Arbeitsstunden notwendig gewesen. Ein Relief von der Ansicht des Hofes ist nun im gleichen Stein in Arbeit.

Dieses plastische Herausarbeiten ist herausfordernd, erzählt sie. Auch mit feinstem Werkzeug könne ein falscher Handgriff das ganze Werk zerstören. Läpple vermisst in dieser Zeit die Kinder, die sich zu anderen normalen Zeiten auch mal an einem Stein versuchen konnten.

Mama und Papa helfen

Ein Stück weiter im Museumsareal ist aus einem Holzpavillon Motorsägengeräusch zu hören. Adrian Burger aus Elzach hat aus einem Baumstamm bereits sichtbar einen Engel ausgesägt. Nach gut zwei Stunden Grobarbeit sei nun Feinarbeit angesagt. Dazu kann er den Helm und die schnittfeste Jacke ablegen, was bei diesen Temperaturen angenehmer ist. „Das Tempo wird sich nun deutlich verlangsamen“, sagt er vorausschauend.

Aus der Familienwerkstatt ist derweil lautes Klopfen zu hören. Die siebenjährige Finja aus Horb ist mit ihrer Schwester und den Eltern zu einem Tagesausflug nach Gutach gekommen. Das Klopfen einer Kupferschale ist anstrengend, Mama und Papa müssen auch mal ran, denn schon bald tut der Arm der Kleinen weh. Das edle Metall passt sich aber bald der runden Form an und das Mädchen ist stolz, dass sie die selbst geklopfte Schale mit nach Hause nehmen kann.

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