Kinzigtäler Museen (6)

Museum im Freihof: Hansjakob in vielen Facetten

Autor: 
Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 3 Minuten
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29. August 2016
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Im Freihof liess Hansjakob auch eine prächtige Hauskapelle bauen. Nach heutigen Maßstäben war der Bau des Alterssitzes ein Millionenprojekt, das dank der Tantienem seiner Bücher möglich war. ©Christiane Agüera Oliver

Der »neue« Freihof sucht seinesgleichen in der Region. Der Alterssitz von Heinrich Hansjakob, der seit rund 50 Jahren als Museum an den in Haslach geborenen Schriftseller, Politiker und Priester erinnert, ist 2014 umfassend umgestaltet und in ein Kleinod verwandelt worden. Das literarische Museum macht Lust und weckt Neugier, sich näher mit der widersprüchlichen Persönlichkeit Hansjakobs zu beschäftigen.

74 Bücher schrieb Heinrich Hansjakob (1837 – 1916). Doch nicht nur das, im Freihof, dem einstigen Alterssitz und Hansjakob-Museum, wird deutlich, welche zwiespältige und komplizierte Persönlichkeit der »Rebell im Priesterrock« war. Kulturamtsleiter Martin Schwendemann lebt bei der Führung durch den Freihof richtig auf, schlüpft immer wieder in die Rolle Hansjakobs. 
Der wohl bekannteste Haslacher hatte viele Gesichter, egal ob als Schriftsteller, Pfarrer, Politiker, Publizist oder Historiker.

Der Querdenker prägte nicht nur seine Heimatstadt. Werke, Wirken und Werdegang des Bäckersohnes sind anschaulich in dessen Altersruhesitz, dem Freihof, dargestellt. »Hansjakob hielt hier Hof«, beschreibt Martin Schwendemann und zeigt auf sein liebstes Stück im Museum, die veredelte Hausiererkiste von Hansjakobs Großvater Xaver Kaltenbach: »Hansjakob machte aus den Dingen seines Lebens Ikonen und veredelte sie.«

 
Vorher als Pfarrer in Hagnau am Bodensee, wo er die erste badische Winzergenossenschaft gründete, und in Freiburg in St. Martin, als Abgeordneter im badischen Landtag und als Schriftsteller kam Hansjakob zu Ruhm. »Er war einer der meistgelesenen Autoren seiner Zeit«, so Schwendemann. »Reichsweit eine bekannte Persönlichkeit und wichtige Person«. 

Für sich sowie seine Schwester und Haushälterin Philippine Hansjakob ließ der Dichter den Freihof im Jahr 1913 ganz nach seinen Vorstellungen erbauen. Nach seinem Tod 1916 wurde die Schwester Erbin, nach deren Ableben sollte der Freihof an die Stadt Haslach übergehen. Philippine Hansjakob verkaufte das Anwesen jedoch an die Vinzentinerinnen. Die Barmherzigen Schwestern nutzen den Freihof als Alters- und Erholungsheim, bis sie 1964 auszogen und die Stadt den Freihof kaufte. 

»Seither diente er als Museum«, informiert Schwendemann, vor etwa drei Jahren wurde er zum Literaturmuseum.

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Der Freihof ist eines der wenigen Museen in Baden-Württemberg, die einem Schriftsteller gewidmet sind. 
Alle 74 Bücher sind ausgestellt, unterteilt in Predigtwerke, wissenschaftliche Bücher und kritische Schriften bis hin zu seinen Reiseberichten »damals Bestseller«, dem Prunkband »Der Vogt auf Mühlstein« und den Pfennig-Heften. »Seine Ansprüche waren hart gegenüber den Illustratoren«, weiß Schwendemann und deutet auf die Zeichnungen an der Wand. 
 

Kritischer Geist

Kritisch war Hansjakob in seinen Veröffentlichungen zeitlebens wie in seinem letzten Werk »Zwiegespräche über den Weltkrieg gehalten mit Fischen auf dem Meeresgrund«. »Eine flammende Abrechnung mit dem Weltkrieg« (Schwendemann). 
Alles wird zu Papier gebracht: seine Aufenthalte im Gefängnis und der Nervenheilanstalt oder der nahende Tod in »Mein Grab«. »Ein tiefgläubiger Marianer und Vater von drei Söhnen« – sein ganzes Leben sei Heinrich Hansjakob ein zerrissener Mensch, Kirchen- und Staatskritiker, aber auch sozial engagiert gewesen. 

Maßgeblich war und ist der Haslacher Ehrenbürger und Hansjakobforscher Manfred Hildenbrand als Kurator an der Verwirklichung des Museums Freihof beteiligt. Gern übernimmt auch er Führungen und berichtet kontinuierlich aus seinem großen Fundus an Wissen um den berühmten Haslacher. »Eine beeindruckende Lebensleistung«, zollt Martin Schwendemann Anerkennung.  

Große Bildersammlung

Während sich die Besucher im Erdgeschoss umfassend über Hansjakob informieren können, gibt es in den oberen Räumen ständige Ausstellungen von Haslacher Künstlern. Im ersten Obergeschoss sind die Werke des »närrischen Malers« Carl Sandhaas (1801 – 1859) ausgestellt, »einem der bedeutendsten Vertreter der süddeutschen Romantik«, so Schwendemann. Im Dachgeschoss ist die umfangreiche Ausstellung des Künstlers Otto Laible (1898 – 1962) untergebracht. 

Hintergrund

Öffnungszeiten

Der Freihof ist mittwochs von 10 bis 12.30 und 15 bis 17 Uhr, freitags von 15 bis 17 Uhr sowie vom 1. April bis 15. Oktober auch sonntags von 10 bis 12.30 und 15 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. 
Der Eintritt beträgt für Erwachsene 2 Euro. Ab 15 Personen, Schüler und Schwerbehinderte (mit Ausweis) 1,50 Euro. Schulklassen, Schwerbehindertengruppen bezahlen jeweils 0,50 Euro. Eine Familienkarte kostet 4 Euro. Mit der Eintrittskarte kann auch das Schwarzwälder Trachtenmuseum besucht werden. Weiter gibt es Themenführungen im Kostüm. Info und Buchung: Tourist-Info • 0 78 32 / 70 61 72.

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