Blick in die Geschichte

Haslacher Carl-Sandhaas-Schule feiert 50.

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08. Oktober 2019

(Bild 1/2) Rektor Andreas Graff freut sich schon auf das Geburtstagsfest am kommenden Sonntag. ©Lars Reutter

Seit einem halben Jahrhundert werden in Haslach Kinder und Jugendliche mit unterschiedlich hohen Einschränkungen gefördert. Wo zu Beginn noch Skepsis herrschte, ist die Carl-Sandhaas-Schule heute längst ein anerkannter Teil der Bildungslandschaft.

Die Carl-Sandhaas-Schule wurde am 6. Oktober 1969 als „Privatschule für bildungsschwache Kinder und Jugendliche“ in der Villa Magdalena nur rund ein Jahr nach der Gründung der Lebenshilfe eröffnet. 50 Jahre später lädt die Schule zu ihrem Geburtstagsfest ein (siehe Stichwort). Anlässlich des Jubiläums blickt das Offenburger Tageblatt heute auf die Geschichte der Schule zurück.

„Bis zur Gründung der Schule hatten die Kinder zwar ein Schulrecht, das aber nicht eingelöst wurde. Sie saßen dann zu Hause und die Eltern haben sich teilweise für sie geschämt“, erinnert der heutige Rektor Andreas Graff an die damaligen Zustände.

„Die Förderung stand und steht den Kindern aber einfach zu und die anfängliche Skepsis gegenüber der Schule besteht heute nicht mehr.“ Auch dank der Schule sei es für Eltern heute nicht mehr so eine Tragödie, ein geistigbehindertes Kind zu haben. „Heute kommen die Eltern und Großeltern mit Stolz zu unserer Einschulungsfeier“, freut er sich.

Fördern steht im Fokus

Der veränderte Blick auf die Schule lässt sich dabei auch in der Namensgebung ablesen. Sprach man anfangs noch von einer Schule für „Praktisch Bildbare“ beziehungsweise für Geistigbehinderte steht heute bereits im Titel nicht mehr die Beeinträchtigung, sondern die Förderung im Mittelpunkt.

Denn sie firmiert als Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ)  mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Dass die einzelnen Schüler höchst unterschiedlich sind und entsprechend auch nicht alle gleich beschult werden können, zeigte eindrucksvoll der Film „Hallo Welt“ (wir haben berichtet).

Doch wo es heute einen guten Betreungsschlüssel (siehe Hintergrund) und auch eine wesentlich ausgereiftere Ausbildung und Methodik gibt, die eine individuelle Förderung ermöglicht, war dies zu Beginn noch nicht so. Denn die anfangs 24 Kinder aus 16 Gemeinden wurden nur von zwei Erzieherinnen betreut, die von einer Schwesternhelferin und einer Kinderpflegerin unterstützt wurden.

„Da musste Pionierarbeit geleistet werden. Das war sicher schwierig, aber auch spannend, da man auf nichts zurückgreifen konnte“, meint Graff. Bei der Förderung sei man aber schon immer von den Fähigkeiten der Schüler ausgegangen und habe dann darauf aufgebaut.

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Seit 1972 Kreis als Träger

Dies gebe den Lehrern bis heute ziemlich viel Freiheit, aber sei auch eine große Verantwortung. Werde ein Förderziel nicht erreicht, stelle sich dann stets die Frage, ob das Ziel zu ambitioniert oder ob beispielsweise die Methodik falsch war.

Nachdem die Schülerzahl von 24 auf 42 angestiegen war und 70 weitere auf der Warteliste standen, war bereits im Mai 1972 ein Erweiterungsbau nötig. Ein einstöckiger Bau mit sieben Klassenzimmern, Gymnastikhalle und Mehrzweckraum entstand. Zwei Jahre später wechselte dann der Träger: Die Lebenshilfe übergab die Schule mit inzwischen 80 Schülern an den Ortenaukreis. Doch Schule und Lebenshilfe sind bis heute eng verbunden.

Eine Frühberatungsstelle wurde 1977 von der Lebenshilfe eröffnet und 1980 an den Kreis als Träger übergeben. Im September 1991 zog der Schul-Kindergarten in den neuen Anbau der Carl-Sandhaas-Schule.

Auch mit Schulen aus der Region kooperierte man lange Jahre und erstmals 1996 mit der Grundschule des Haslacher Bildungszentrums. Doch in diesem Schuljahr findet eine solche Kooperation nicht mehr statt, wobei dies nicht nur bei der Sandhaas-Schule, sondern auch bei anderen SBBZ so sei.

Stabile Schülerzahlen

Als Gründe sieht Graff die verschiedenen Reformen an den Regelschulen an, aber auch Platzmangel sei teilweise ein Problem. Um die Kooperationsklassen zu ermöglichen, sei auch immer großes Engagements der Lehrer und Schulleitungen  gefragt gewesen. 

Heute können Eltern aber einen Antrag auf inklusive Beschulung an einer Regelschule stellen. Aktuell gibt es in der Region vier solche Schüler, für welche die Carl-Sandhaas-Schule stundenweise Lehrer abordnen müsse. „Trotz Inklusion sind unsere Schülerzahlen aber stabil“, sagt Graff. Im Schulkindergarten hätte man sogar leider 15 Kinder abweisen müssen, da keine Betreuer zu bekommen waren, welche die vorgeschriebene Qualifikation mitgebracht hätten.

Info

Das Fest

Dle Carl-Sandhaas-Schule möchte mit möglichst vielen Gästen, Ehemaligen sowie allen Schülern, Eltern und Lehrern am Sonntag, 13. Oktober, von 13 bis 17 Uhr ihr Geburtstags- beziehungsweise Herbstfest feiern. Als großes Geschenk zum 50-jährigen Bestehen wird an diesem Tag der neue Spielplatz auf dem neu gestalteten Außengelände freigegeben. Zudem gibt es eine Hüpfburg, verschiedene Spielstationen und Kinderschminken. Zu kaufen gibt es die DVD des Films „Hallo Welt“. Der Erlös des bewirteten Fests kommt dem Förderverein der Schule und dem Kinderzentrum Nadjeschda in Kirgisien zugute, das sich um für bildungsunfähig erklärte Kinder kümmert.

Hintergrund

38 Schüler treffen auf 18 Lehrer

An der Carl-Sandhaas-Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sind laut Rektor Andreas Graff in sechs Klassen und einer Kindergartengruppe 38 Schüler und acht Kinder im Schulkindergarten. An der Schule arbeiten 18 Lehrkräfte, welche mit unterschiedlichen Teildeputaten unterrichten. Fachlehrer und Sonderpädagogen sind dabei am meisten vertreten, es sind aber auch drei Realschullehrer an die Carl-Sandhaas-Schule abgeordnet. Unterstützt werden die Kinder und Jugendlichen von drei Betreuungskräften und drei Bundesfreiwilligen. Drei Schüler erhalten zusätzlich Unterstützung durch eine Schulbegleitung, um am Unterricht und am Schulalltag teilhaben zu können. In diesem Schuljahr wird an dem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) in Trägerschaft des Ortenaukreises auch die Schulsozial­arbeit installiert. Die Carl-Sandhaas-Schule profitiert allerdings zunächst nur an einem halben Tag von dieser Erweiterung.  Zudem sind pro Jahr 50 bis 60 Praktikanten bis zu vier Wochen an der Schule.

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