Typisierung in Wolfach

Hausacher Jürgen Buchholz erzählt von seiner Stammzellspende

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07. Februar 2019
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Jürgen Buchholz vom Hausacher Deckerhof war schon Stammzellenspender und rät: Das ist den Aufwand allemal wert. ©Claudia Ramsteiner

Der Förderverein der Herlinsbachschule organisiert am Samstag eine Stammzellen-Typisierung für die Stammzelldatei der Uniklinik Freiburg. Jürgen Buchholz aus Hausach hat so eine Spende bereits mitgemacht und berichtet, wie einfach und risikolos das Lebenretten sein kann.

Eines­ vorweg, weil es viele immer noch nicht wissen: Auch wenn landläufig immer noch von einer »Knochenmarkspende« geredet wird – da wird nichts operiert, die Entnahme von Stammzellen geht über das Blut. Jürgen Buchholz hat das selbst schon mitgemacht: »Das lohnt den Aufwand auf jeden Fall«, unterstützt er gern die morgige Typisierungaktion der Herlinsbachschule in Wolfach. Immerhin hat er mit seiner Stammzellenspende möglicherweise einem Menschen das Leben gerettet.

Er wurde bei der ersten Untersuchung bei der Bundeswehr gefragt, ob er sich typisieren lassen will. Das war im Oktober 2010. Klar habe er da zugesagt, »wenn sie sowieso schon Blut abnehmen«. Bei ihm ging das über die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz im rheinland-pfälzischen Birkenfeld. Die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands ist an das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD) angeschlossen, in dem alle für die Suche nach einem passenden Spender relevanten Daten aus ganz Deutschland zusammenlaufen und damit weltweit zur Verfügung stehen.

Schon ein gutes Jahr später, während seines Studiums in Konstanz im Januar 2012, wurde er als »genetischer Zwilling« eines Patienten aus Südamerika entdeckt. Dann sei alles ziemlich schnell gegangen. Schließlich hat ein schwer kranker Patient, der auf eine Stammzellenspende angewiesen ist, keine ewige Wartezeit. »Man wird aber in jeder Phase gefragt, ob man das wirklich will und könnte jederzeit noch ablehnen«, erzählt Jürgen Buchholz. 

»Guter Gesundheitscheck«

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Er bekam einen Fragebogen und ein Päckchen zur Blutentnahme beim Hausarzt geschickt. Das ging zurück an die Stiftung für eine intensivere Prüfung. Mitte Februar fuhr der Einbacher mit seiner Freundin nach Birkenfeld zu einer Voruntersuchung: »Da wird wirklich alles auf Herz und Nieren geprüft, das war auch für mich ein guter Gesundheitscheck.« 

Bald kam die Nachricht: »Alles passt, Termin am 12. März.« Dieses Mal fuhr ein Freund mit. Kosten habe man damit überhaupt keine, Fahrt, Essen und Hotelübernachtung werde alles gezahlt. Etwa fünf Stunden saß er auf dem Stuhl: Aus einem Arm wurde das Blut herausgepumpt, die Stammzellen herausgefiltert, und das gefilterte Blut in den anderen Arm wieder hineingepumpt. Die Dauer hänge davon ab, wie viele Stammzellen gebraucht werden. »Bei mir ging es ziemlich lang, das hing wohl auch mit dem Gewicht des Empfängers zusammen«, hatte man ihm erklärt.

Danach sei er schon ziemlich fertig gewesen, aber sein Freund sei ja gefahren. Am nächsten Tag war schon nichts mehr davon zu spüren: »Das muss es einem Wert sein«, sagt der 30-Jährige. Ob er diesem Südamerikaner nun wirklich das Leben gerettet hat, weiß er (noch) nicht. Nach vier Monaten habe man die Möglichkeit, danach zu fragen, wie es dem Patienten geht. Und wenn dieser es will, sei eine Kontaktaufnahme möglich. 

Zwei Jahre geblockt

Noch habe er das nicht getan, um in dem Glauben zu bleiben, dass sein Stammzellenempfänger noch lebt. »Aber in letzter Zeit habe ich öfter darüber nachgedacht, mich danach zu erkundigen.« Sicher sei jedoch, dass dieser keine weiteren Stammzellen benötigt habe. Denn jeder Stammzellenspender werde zwei Jahre für »seinen« genetischen Zwilling geblockt. Erst dann wird er wieder freigegeben für die weltweite Suche. Einmal könnte er noch spenden, mehr geht nicht. Und Jürgen Buchholz würde es sofort wieder tun.

Stichwort

Typisierung für Jürgen Günter

Die Herlinsbachschule ruft am Samstag, 9. Februar, von 11 bis 15 Uhr zur Stammzellen-Typisierung auf. Die Aktion findet in der Aula der Schule im Herlinsbachweg 14 in Wolfach statt. Der Hintergrund ist die Erkrankung von Jürgen Günter, Ehemann einer Lehrerin an der Herlinsbachschule, der an Leukämie erkrankt ist und dringend eine Stammzellenspende braucht. 

Die Typisierung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Stammzelldatei der Uniklinik Freiburg. Für die Aufnahme jedes potenziellen Spenders fallen Laborkosten an. Der Förderverein der Herlinsbachschule hofft, dass ihre Registration mit Spenden unterstützt wird. Dafür wurde eigens ein Sonderkonto eingerichtet: Förderverein – Aktion Jürgen, Iban: DE27 6645 2776 0000 0786 27 bei der Sparkasse Wolfach. 

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