Gutach

Helga Aberle stellt ihr Buch »In Traurigkeit mein Lachen« vor

Claudia Ramsteiner
Lesezeit 4 Minuten
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22. November 2013

Helga Aberle, die 33 Jahre in Gutach wohnte, kehrt heute und morgen zurück: Sie stellt ihr Buch »In Traurigkeit mein Lachen« vor, in dem sie ihre unglaubliche Krankengeschichte verarbeitet hat. ©Claudia Ramsteiner

Morgen und am Sonntag stellen in der Gutacher Festhalle Hobbykünstler ihre Werke aus. Helga Aberle ist dort nicht nur mit Handarbeiten vertreten, sondern auch mit ihrem Buch »In Traurigkeit mein Lachen«. Ihre Lebensgeschichte ist kaum vorstellbar.

Wer Helga Aberle so sitzen sieht: aufrecht, strickend und fröhlich lachend, der glaubt kaum, was für eine Odyssee durch Krankenhäuser und Arztpraxen diese Frau hinter sich hat.

Ihr Neurologe riet ihr schon zum Schreiben, ihre Schwiegertochter bestärkte sie, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben und ihre Schwester sorgte dafür, dass ein gebundenes Buch daraus wurde. Und nun liegt es vor, das Buch »In Traurigkeit mein Lachen« – die Lebensgeschichte von Helga Aberle. Eigentlich ist es eine Geschichte von wenigen Jahren, die aber mehr beinhalten, als ein Mensch in einem Leben ertragen kann. 1964 kam die Rheinländerin als 17-Jährige zur Hausarbeit ins Gutachheim. 33 Jahre wohnte sie im Obertal, heute lebt sie bei ihrer Tochter in Lahr.

Mit einer Niereninfektion beginnt ihre Leidensgeschichte Mitte der 70er-Jahre. Die Ärzte halten sie für empfindlich, ihre unglaublichen Schmerzen für eingebildet – und eine Krankenschwester entschuldigt sich später, dass sie sie für einen »Fall für den Psychiater« hielt.  Immer wieder keimt die Infektion auf, keinem fällt auf, dass sie über Monate in Lebensgefahr schwebte. Erst, als sie sich nach einem neuerlichen Schmerzanfall mit allerletzter Kraft in die Klinik schleppt, stellt ein Arzt die Diagnose: Urosepsis. Die Bakterien sind ins Blut gelangt und werden im ganzen Körper verteilt.

»Sie haben hier überhaupt keine Kompetenz, um mit-reden zu können«

Irgendwann wird sie aus dem Krankenhaus wieder entlassen. Geheilt war sie nicht. Ein Jahr später liegt sie mit den gleichen Symptomen wieder dort – mit unerträglichen Schmerzen nun auch im Rücken. Ihr mehrfacher zaghafte Hinweis, es könnte sich vielleicht wieder um eine Sepsis handeln, wird von einem Arzt barsch hinweggefegt: »Sie haben hier überhaupt keine Kompetenz, um mitreden zu können!«

Als sie sich kaum mehr bewegen kann, brüllt ihr eine Schwester nach: »Frau Aberle, nicht so steif. Wenn ich meinen Nacken so starr halten würde, täte er mir auch weh«. Im Zähnezusammenbeißen und Schluchzenunterdrücken ist sie längst Weltmeisterin. Keine Sekunde ohne unerträgliche Schmerzen, kein Atemzug ohne Qual, keine Bewegung ohne Horror. Der Befund: altersgemäßer Verschleiß der Wirbelsäule. Helga Aberle ist knapp 40.

Und dann der große Schock und die riesige Erleichterung im Doppelpack: Ein Arzt lässt ein zweites Röntgenbild anfertigen. Die Halswirbel Nummer sechs und sieben haben sich quasi aufgelöst. Ihr droht eine Lähmung vom Hals abwärts – aber endlich, endlich hat ihre Qual einen Namen. Die Sepsis aus der Niere hatte sich an der Wirbelsäule festgesetzt.

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»Beinah fühlte ich mich beschenkt!«, schreibt Helga Aberle über ihre Gefühle der Erleichterung, dass die Schmerzen rückwirkend quasi gerechtfertigt wurden. Da wusste sich noch nicht, was noch alles kommen sollte. Endlich gesteht auch ein Arzt, dass man ihr diesen unvorstellbaren Horror hätte ersparen können.

Vor einer Operation müsse die Infektion zunächst ausheilen – man zwängt sie in einen Gipspanzer und fixiert ihren Kopf mit einem Metallgestell – ganz neu aus Amerika. »Festgeschraubt und eingeklemmt. Kopf im Schraubstock. Herz im Gefrierschrank. Seele über alle Berge«, schreibt Helga Aberle. 123 Tage sollte dieser Zustand andauern. Dann haben sich die Wirbelkörper miteinander verblockt, der Körper hat sich selbst geholfen, eine Operation ist nicht mehr notwendig.

Ein Wunder oder doch ein Engel Gottes? Wie oft hat sie ihren Gott angefleht, warum er sie verlassen hat – und wie oft hat sie sich selbst beschworen, für ihre Familie, für ihre Kinder weiterleben zu müssen.

Irgendwann wurde aus dem quälenden »Warum« ein fragendes »Wozu«

Helga Aberle ist heute nicht wirklich gesund – aber sie hat ihren Lebensmut zurück, und sie fühlt sich reicher als je zuvor. Im Schreiben hat sie vieles verarbeitet. Irgendwann wurde aus dem quälenden »Warum« ein fragendes »Wozu«. Reicher an Erfahrung, an Lebensfreude und an Selbstbewusstsein.

Nach Schuld fragt sie nicht. Die Namen der Ärzte sind geändert, jene der Krankenhäuser nicht genannt. »Es waren nicht nur die Ärzte, die gepennt haben, es war auch eine Patientin, die das alles mit sich machen ließ«. 

Schon zu ihren Gutacher Zeiten hat sie sich mit ihren Fotokarten und Handarbeiten am Hobbykünstlermarkt beteiligt. Nun ist sie wieder mit dabei – ihr Angebot ist um das Buch »In Traurigkeit mein Lachen« bereichert. Es ist im Verlagshaus Schlosser erschienen und für 17,90 auch im Buchhandel oder im Internet erhältlich.

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