Schiltach

Helga Harter schreibt Roman über »Hausierer Sophie«

Autor: 
Martina Baumgartner
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
21. Oktober 2017

Mit einem Familien-Fotobuch, deren Inhalt Helga Harter zusammenträgt, beginnt ihre Neugier. Damit ihre Familiengeschichte nicht verloren geht, schreibt sie sie auf. ©Martina Baumgartner

Zuerst kam das Familien-Fotobuch, das Helga Harter zusammenstellte. Dann waren da noch die Erzählungen ihres Schwiegervaters und ihr Wunsch, dass diese Geschichten nicht verloren gehen. Das Offenburger Tageblatt trifft die Buchautorin in Schiltach. 
 

Wenn ihr Schwiegervater »von damals« zu erzählen beginnt, ist Helga Harter ganz Ohr. »Ich möchte einfach nicht, dass die Geschichten verloren gehen. Darum schreibe ich sie auf«, verrät die Autorin den Antrieb für ihr neues Buch über die »Hausierer Sophie« aus Lehengericht, der Mutter ihres Schwiegervaters. Es ist ihr zweites Werk.

Ihre Hauptfigur Sophie Harter, geborene Bossert, stammt aus Vorderlehengericht und deren Mann aus Alpirsbach. Gewohnt haben sie mit ihren vier Kindern im ehemaligen Gesindehaus des Rohrbachhofs in Hinterlehengericht. Die Autorin beschreibt Sophies Überlebenskampf in der Zeit von 1924 bis 1925.

»Eigentlich möchte ich nicht, dass meine Geschichten traurig ausgehen«, sagt sie. Darum hat sie mit Unterstützung ihrer zweitjüngsten Tochter Sara am Schluss gefeilt, sodass die Geschichte in sich stimmig blieb, aber dennoch eine positive Wendung nahm.

Und das war gar nicht leicht, denn ihre Hauptfigur lebte unter harten Umständen: Ihr Mann wurde verurteilt, seine jüngste Tochter gewaltvoll geschwängert zu haben und saß zwei Jahre lang unschuldig im Wolfacher Gefängnis ein. 
Neben Sophies Geschichte beschreibt Helga Harter den Alltag in der Stadt Schiltach und das ländlich geprägte Leben im Rohrbach. »Manchmal war ich so angefüllt mit der Geschichte, dass ich nur noch davon erzählen konnte«, erinnert sie sich.

Szenen auf Kärtchen

- Anzeige -

Begonnen hatte sie ihr zweites Buch mit einer Szenensammlung, die sie auf Kärtchen schrieb und mit Stecknadeln an die Wand pinnte. »Da schiebe ich dann alles so hin und her, bis der Handlungsstrang stimmt«, beschreibt sie ihre Vorbereitungen. An deren Ende stand die morgendliche Schreibstunde, die Harter genoss. Nach einem Jahr war das Buch geschrieben und die Nacharbeit begann. Korrekturarbeiten der Schwiegertochter brachten noch mal wichtige Verbesserungen und dann legte sie das Buch im Selbstverlag auf.

Harters Recherche führte sie in den Rohrbach, in den Lehengerichter Wald und und auf einige Wege, die Sophie wanderte sowie nach Schiltach. Auch im Stadtarchiv und im Museum am Markt sammelte sie Material für ihr Buch. »Welche Brauereien, Biersorten und Wirtschaften es in Schiltach um diese Zeit gab, habe ich daher«, verrät sie. 

Tipps, wie Sophie um diese Zeit lebte, holte sie sich im Museum Vogtsbauernhof. »Ich habe mir dort bespielsweise die Küche und die Kochstelle genau angesehen«, sagt sie. Für alte Haushaltstechniken, wie etwa die Haltbarmachung von Sauerkraut, stand ihre Mutter mit gutem Rat zur Seite.

Für weitere Figuren in ihrem Roman boten das eigene Familien-Fotobuch und die Erzählungen des Schwiegervaters die Vorlage sowie reale Schiltacher Vorbilder, die sie aus ihrer Kindheit kannte. Beispielsweise ihre Tante, die die Autorin von Besuchen noch gut in Erinnerung hat. Manche Personen des Romans seien allerdings auch erfunden – soviel künstlerische Freiheit gebe das literarische Genre ja auch her, so Harter.

Kommendes Projekt

Über ihr kommendes Romanprojekt ist sich Harter nicht sicher. Gerne würde sie die Flüchtlingsgeschichte ihrer eigenen Ursprungsfamilie aufschreiben. Doch die Recherche dazu sei so schwierig. Vielleicht bleibt sie aber auch bei der Familiengeschichte ihres Mannes, die in Alpirsbach, Schenkenzell und Schiltach spielt.

  • INFO: Helga Harter: »Hausierer Sophie. Nach einer wahren Geschichte aus dem Schwarzwald«. ISBN: 9 78 - 37 43 93 85 19.
Hintergrund

Familiengeschichte recherchiert

Die ausgebildete Erzieherin Helga Harter wohnt mit ihrem Mann und sieben mittlerweile erwachsenen Kindern in Furtwangen. Die Familie ihres Mannes ist nach Alpirsbach, Schenkenzell und Schiltach verwandt. Die Recherche zu ihrem Buch führte die 59-Jährige an die Haustüren dieser Familie. »Das war interessant. Ich klingelte bei Menschen, die zu uns gehören und die ich teilweise nicht kannte«, erinnert sie sich und dass sie immer herzlich empfangen wurde.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 2 Stunden
Wolfach
Gleich drei Ingenieurverträge bewilligte der Wolfacher Gemeinderat mit seinem dritten Beschluss im sogenannten Umlaufverfahren. Gerade noch rechtzeitig: Mit der Vergabe wahrt die Stadt ihren Anspruch auf die Millionen-Förderung zur energetischen Sanierung der Fassade der Herlinsbachschule.  
vor 4 Stunden
Bilderserie (2)
Eigentlich stand am 3. April die Vernissage der neuen Ausstellung „Schiltach in Agfa-Color“ im Museum am Markt an. Daraus wurde wegen des Coronavirus aber nichts. Dafür gibt es die Bilder der Ausstellung nun auf diesen Weg: Die heutige Farbaufnahme zeigt eine Mädchengruppe – weitere Informationen...
vor 5 Stunden
"50 Jahre KSV Hofstetten" (2)
Der KSV Hofstetten wurde vor 50 Jahren gegründet. Aus diesem Grund blickt das OT in einer Serie auf die Geschichte des Vereins, kuriose Erlebnisse und Erfolge zurück.
vor 8 Stunden
Hausach
Mediathekleiterin Mathilde Sum hat mit ihrem Team seit Freitag schon fast 400 Medien zur kontaktlosen Ausleihe gerichtet und freut sich auch über die vielen netten Dankesworte.
vor 11 Stunden
Mühlenbach
Vor drei Jahrzehnten wurde in Mühlenbach direkt vor dem Rathaus ein Sandsteinbrunnen erbaut. Das Offenburger Tageblatt hat über die Entstehungsgeschichte recherchiert.
vor 14 Stunden
Haslacher Chemiker
Andreas Fath gerät ins Schwärmen, wenn er über die Forschungsbedingungen in den USA erzählt. Sein aktuelles Thema war festzustellen, wie das Mikroplastik in Fischen über die Jahrzehnte hinweg zunahm.
vor 16 Stunden
Steinach
Um allen Interessierten die Möglichkeit zu bieten, trotz der aktuellen Situation gemeinsam zu trainieren und fit zu bleiben, startet der TV Steinach ab sofort mit einem kostenfreien Online-Kursprogramm.
vor 16 Stunden
Wolfach/Oberwolfach
Fünf neue Gesichter sitzen im neu gewählten Pfarrgemeinderat der Katholischen Seelsorgeeinheit An Wolf und Kinzig. Insgesamt acht Sitze im Gremium waren zu vergeben, der Großteil der Wähler stimmte online ab.  
vor 16 Stunden
"Schwimmender Professor" forschte
Der Haslacher Chemie-Professor Andreas Fath forschte in Tennessee und flog wegen der Corona-Pandemie  früher als geplant zurück. Die Rückreise dauerte 40 Stunden statt wie sonst nur zehn. 
vor 16 Stunden
Haslach im Kinzigtal
Das Coronavirus hat sich auch auf die Pfarrgemeinderatswahl in der Seelsorgeeinheit Haslach ausgewirkt. Nur 11,41 Prozent der Katholiken gaben ihre Stimmen ab.
vor 16 Stunden
Haslach im Kinzigtal
 Im Haslacher Veranstaltungskalender fällt ein weiterer Termin der Corona-Pandemie zum Opfer.
vor 23 Stunden
Wolfach
Stadt, Land und Kreis machen gemeinsame Sache. Als zweites Ergebnis der Beschlüsse im Umlaufverfahren stimmte Wolfachs Rat der Auftragsvergabe für einen neuen Anstrich am Schloss zu.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Mit Sorgfalt: Bei der Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg eG wird vornehmlich von Hand gelesen.
    vor 5 Stunden
    Weine mit Herz und Hand
    Die Sonne, der Wein, das Badner Land: Ein Dreiklang, der nicht nur Kenner zum Schwärmen bringt. Die Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg eG bringt Jahr für Jahr Spitzenweine ins Glas. Während der neue Jahrgang zurzeit in den Weinbergen heranwächst, tragen die Verantwortlichen Sorge dafür, dass die...
  • 19.03.2020
    Neuer Service: Alles, was die Karte bietet, kann ab sofort abgeholt oder geliefert werden
    Mitten im Herzen Gengenbachs lädt das italienische Lokal „Michelangelo“ seit elf Jahren zum Genießen ein. Das bleibt auch weiterhin so, denn ab sofort werden Gerichte und Eisspezialitäten entweder geliefert, oder die Kunden holen ihre Bestellungen vor Ort ab.
  • Pizza, Salat oder Pasta - alles wird frisch zubereitet.
    19.03.2020
    Das mediterrane Restaurant in Hohberg
    Gerade in diesen turbulenten Tagen will das Team des mediterranen Restaurants Casamore in Hohberg für seine Gäste auch weiterhin da sein. Zu diesem Zweck wurde ab sofort ein besonderer Service eingerichtet und das „to go“-Angebot erweitert. Fast alle Gerichte auf der Speisekarte können nun auch...
  • Leckere Pizzavariationen, Salate und Getränke werden ab sofort geliefert oder können auch nach der Bestellung selbst abgeholt werden..
    18.03.2020
    "Wenn die Gäste uns nicht besuchen können, kommen unsere Spezialitäten zu ihnen"
    „Wenn die Gäste in nächster Zeit durch die Coronavirus-Pandemie nur eingeschränkt zu uns kommen dürfen, dann kommen unsere Spezialitäten eben zu Ihnen“, erklären Sülo und Aslan Keles, Inhaber der bekannten Ruster Pizzeria „Garibaldi“, mit Nachdruck. Ab sofort kann telefonisch und online bestellt...