Hausach

Hilfe für Afrika durch zivilen Ungehorsam

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 4 Minuten
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27. September 2017

Angela Menke hat sich in den vergangenen zwei Monaten intensiv mit Adama Tonde befasst, dem sie in Burkina Faso ein Landwirtschaftsstudium ermöglicht. Sie bereut es nicht, dass sie den »lieben Kerl« trotz Bürokratieaufwands und hoher Kosten aufgenommen hat. ©Claudia Ramsteiner

Der Landwirtschaftsstudent Adama Tonde aus Burkina Faso wird am Donnerstag wieder zurück in seine Heimat fliegen. Dass er dabei einen reichen Erfahrungsschatz aus der Kinzigtäler Landwirtschaft mitnehmen kann, hat er dem zivilen Ungehorsam seiner Patin Angela Menke und des Landwirts Bernhard Kohmann zu verdanken.

Wer einen Gast aus Ländern außerhalb der EU nach Deutschland einlädt, hat hohe Hürden zu nehmen. Angela Menke weiß ein Lied davon zu singen. Dass sie für ihren »Patensohn« Adama Tonde, dem sie in Burkina Faso ein Landwirtschaftsstudium ermöglicht, bürgen soll, war ihr klar. Schließlich möchte der deutsche Staat sicherstellen, dass der Gast aus Afrika hier niemandem auf der Tasche liegt. Auch der Abschluss entsprechender Versicherungen war obligatorisch. Selbst den Nachweis ihrer Einkünfte und einen Auszug aus dem Grundbuchamt, dass ihr Haus wirklich ihr gehört, hat sie beigebracht.

Ein aufwendiger »Behördenkram«, für den sie durchaus noch Verständnis aufbringt. 

Von Gastgebern von Gästen aus vielen Nicht-EU-Staaten werde eine Erklärung verlangt, dass sie für alle entstehenden Kosten aufkommen werden, sagt Ludwig Schuster, stellvertretender Leiter des Migrationsamts im Landratsamt. Und falls die eingeladene Person nach Ablauf des Visums nicht freiwillig zurückkehre, müssten sie auch die Abschiebungskosten übernehmen: »Das kann sich bei einer Familie leicht im Bereich von mehreren Tausend Euro bewegen«, so Schuster. Da sei es unumgänglich, die dafür notwendige Bonität nachzuweisen.  

Jegliches Verständnis fehlt Angela Menke allerdings für das Verbot, dass ihr Schützling in der Kinzigtäler Landwirtschaft in einem Praktikum Erfahrungen für seine berufliche Zukunft in einem der ärmsten Länder Afrikas sammeln durfte. Ein Praktikum wurde ihm verwehrt, Erwerbsarbeit sei nicht möglich. Ihr Einwand, das Praktikum sei unbezahlt, half ebenfalls nichts. 

Auf Granit gebissen

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Sabrina Dold, die Vorsitzende des Vereins »Wir für Burkina«, in dem auch Angela Menke aktiv ist, hatte gemeinsam mit Adama Tonde bereits in der Deutschen Botschaft in Ouagadougou versucht, ein Visum für einen Praktikumsaufenthalt zu bekommen und auf Granit gebissen. Im Landratsamt habe ihr die zuständige Sachbearbeiterin dann gedroht, sie solle sich »ja nicht erwischen lassen, ihn trotzdem auf den Hof zu schicken«, erzählt Angela Menke bewusst erst jetzt, nachdem Adamas Aufenthalt vorbei ist. Denn im Landratsamt hatte man ihr »Kontrollen und Schwierigkeiten« angedroht, sollte sie sich über das Verbot hinwegsetzen.

In dem Hausacher Biolandwirt Bernhard Kohmann fand die pensionierte Lehrerin einen Mitstreiter, der wie sie allein die gute Sache sah und deshalb mit ihr zivilen Ungehorsam leistete. »Dann soll er meinetwegen als Tourist bei mir arbeiten«, sagte er. Er war beeindruckt von dem jungen Mann, der sich nicht nur an allem landwirtschaftlichen Fachwissen sehr interessiert zeigte, sondern auch sehr gut mitarbeitete. Den Stalldienst versah er schon bald ganz allein – »nur an die großen Maschinen traute er sich nicht heran«, so Kohmann. Eine Kontrolle kam übrigens nicht: »Notfalls hätte ich halt erzählt, ich zeige Adama gerade den Hof.«

Schutz des Arbeitgebers?

Ludwig Schuster schreibt auf OT-Anfrage, man verhalte sich bei derartigen Praktikumsanfragen zum Schutz der Arbeitgeber zurückhaltend: »Im geschilderten Fall wurde für die Abgabe der Verpflichtungserklärung des Studenten zwar als Aufenthaltszweck ›Praktikum‹ ohne Angabe von weiteren Spezifikationen (zum Beispiel Landwirtschaftspraktikum) angegeben. Was dann die deutsche Auslandsvertretung tatsächlich als Aufenthaltszweck im Visum eingetragen hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir haben lediglich online die Info erhalten, dass ein Visum der Kategorie C für einen kurzfristigen Aufenthalt für zwei Monate erteilt wurde«, so Schuster.

Hätte der Student nach der Einreise im Landratsamt vorgesprochen, hätte sein Visum geprüft werden können. Wäre dort »Aufnahme eines Praktikums bei der Firma XY« gestanden, wäre dies erlaubt gewesen, bei einem Besuchs-/Tourismusaufenthalt in der Regel nicht.

Einen »Schutz des Arbeitgebers« kann Angela Menke nicht nachvollziehen: Bernhard Kohmann habe ein Schreiben beigelegt mit genauester Schilderung des Hofs, seiner Bereitschaft, dem Studenten als Praktikant die deutsche Landwirtschaft nahe zu bringen, seinem Meisterbrief und der Versicherung, dass kein Entgelt vorgesehen sei. 
»Hätte Adama selbst im Migrationsamt vorgesprochen, wäre er nach zwei Stunden Wartezeit innerhalb von zwei Minuten wieder draußen gewesen mit dem Bescheid: ›Verboten. Lassen Sie sich nicht erwischen!‹«, erklärt Menke ihr Vorgehen.

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