Oberwolfach

Indische Familie Ghotra ist geflohen aus verbotener Liebe

Autor: 
Janine Ak
Lesezeit 3 Minuten
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17. Mai 2017
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Der Spielplatz hinter dem Haus in der Schulstraße ist der Lieblingsort von Manpreet (»Neetu«, links), Parminder (»Deep«) und ihren Söhnen Kamaldeep (drei) und Sonu (fast zwei). ©Janine Ak

Sie kommen aus Indien, Syrien und Afrika: In einer Serie stellen wir die in Oberwolfach lebenden Flüchtlingsfamilien und die beiden alleinstehenden Männer vor. Heute: Familie Ghotra, die bestens integriert, aber in Deutschland trotzdem nur geduldet ist.

»Endlich bin ich richtig glücklich«, sagt Manpreet Ghotra, und serviert den Gästen in ihrer Wohnung in der Oberwolfacher Schulstraße barfuß Kartoffeltaschen und Frühlingsrollen. Nein, nicht typisch indisch und nicht selbst gebacken, sondern vom Discounter nebenan. Die 29-Jährige ist mit ihrem Mann Parminder vor vier Jahren nach Deutschland gekommen, zunächst verbrachten sie drei Monate im Erstaufnahmelager in Karlruhe, dann eineinhalb Jahre in Hornberg, wo sie sich mit drei anderen indischen Familien eine Wohnung teilen mussten. Seit 22. Juli 2015 leben sie in Oberwolfach – sie waren die allerersten Flüchtlinge in der Gemeinde, wo sie mittlerweile fast jeder unter ihren Spitznamen Deep und Neetu kennt.

Deutsch haben sie mithilfe des Oberwolfachers Fritz Brodbeck gelernt: Der pensionierte Konrektor der Realschule Wolfach kam zweimal in der Woche ins Haus, wo er auch ihren Nachbarn, der kurdischen Familie Halil aus Syrien, ehrenamtlich Sprachunterricht gab.

Ein Anrecht auf einen Sprach- und Integrationskurs haben die Ghotras nicht, denn sie sind nicht als Flüchtlinge anerkannt – Indien gilt als sicheres Herkunftsland. Geflohen ist das Paar auch nicht vor Krieg oder Verfolgung, sondern: aus Liebe. Neetus Familie war dagegen, dass sie Deep zum Mann nimmt, und so flohen die beiden aus ihrer Heimatstadt Haryana in der Provinz Punjab nahe der pakistanischen Grenze.

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Glück im Unglück 

Mit einem gekauften Visum stiegen sie in Neu Delhi ins Flugzeug nach Paris, von dort fuhren sie mit dem Zug nach Karlsruhe – Neetu war zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger mit ihrem älteren Sohn Kamaldeep (drei). Sein Bruder Sonu (fast zwei) kam in Offenburg zur Welt – mit einer offenen Bauchdecke. Das sei bei allem Unglück zugleich das Glück der Familie, sagt Integrationshelferin Sandra Müller; denn solange Sonu wächst, werden Operationen in der Freiburger Kinderklinik nötig sein – was die Familie vor der Abschiebung bewahrt.

Die Ghotras sind eine fröhliche und offene Familie, sie arbeiten beide – Deep ist in Vollzeit beim Bauhof der Gemeinde angestellt, beide haben nebenbei einen Putzjob beim Busunternehmen Heizmann. In ihrer Freizeit genießen sie aber auch ihre ursprüngliche Kultur: Sonntags fahren sie mit dem Bus in den Sikh-Tempel nach Lahr, um mit anderen zu beten, zu kochen und zu essen. Sie feiern Ende Oktober das hinduistische Lichterfest »Diwali« und im März das Frühlingsfest »Holi«, bei dem man sich mit Farbpuder besprengt. Aber zu Weihnachten gibt es in der Familie auch Geschenke.

Deep hält telefonisch Kontakt zu seiner Mutter in Indien. Neetus Familie darf nicht wissen, wo sie und ihr Mann  sind. Aber sie hofft, dass die verbotene Liebe des Paars eines Tages, wenn die Kinder erwachsen sind, kein Thema mehr ist und die Familie nach Indien zurückkehren kann – und sei es auch nur zu Besuch.

Stichwort

Die Teile der Serie

11. Mai: 
Der neue Flüchtlingshelferkreis kümmert sich um die Integration der Neuankömmlinge.

17. Mai:
Familie Ghotra aus Indien

24. Mai: 
Familie Halil
aus Kobane, Syrien

31. Mai:
Familie Zakaria
aus Aleppo, Syrien

7. Juni:
Abdi Zeitun 
aus dem Sudan

14. Juni:
Zeray Yehdego
aus Eritrea

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