Hausacher Stadtschreiber-Tagebuch (1)

Innen- und Außensicht auf Österreichs Politik

Autor: 
Stefan Schmitzer
Lesezeit 3 Minuten
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06. März 2018

Stefan Schmitzer aus Graz ist von Februar bis Mai der 24. Hausacher Stadtschreiber. ©Claudia Ramsteiner

Stefan Schmitzer lebt seit Mitte Februar bis Mitte Mai als Gisela-Scherer-Stipendiat und Hausacher Stadtschreiber im Molerhiisle im Breitenbach und schreibt immer mittwochs eine Kolumne, in der er die Leser des Offenburger Tageblatts Einblicke in die Innenpolitik Österreichs geben will:

Der Vizebürgermeister meiner Heimatstadt Graz hielt kürzlich auf einem Kongress von ca. »Verteidigern Europas« eine Rede, in der es um die ca. »Vermehrungsraten« von ca. »Angehörigen fremder Kulturen« ging, und immer genau so weiter und weiter, wie man sich’s denken kann, dass man es eigentlich für unvorstellbar halten würde, wenn man’s nicht besser wüsste . . . Der Mann wird Vizebürgermeister der immerhin zweitgrößten Stadt Österreichs verlässlich bleiben; es reichte hin, ein Statement rauszugeben, es hätte ihn diese oder jene rechtsradikale Internetseite falsch zitiert (die zu verklagen er gleichwohl verzichtet); er ist keine Ausnahmeerscheinung; er ist Mainstream, nicht nur in Österreich, und dass sowas wie er Mainstream ist, das ist mit ziemlicher Plötzlichkeit gekommen.

Als handelsüblicher deutschsprachiger Textemacher durfte man ja die letzten zwanzig-dreißig-fuffzig Jahre, wofern man nicht gerade für die besonders hässlichen unter den Springerblättern arbeitete (oder, in Österreich, für die Kronenzeitung), immer auch den Stolz vor sich hertragen, zu den Vorwärtsverteidigern des antifaschistischen Grundkonsenses der Nachkriegsgesellschaft zu gehören: War es nicht klar Teil der Aufgabenstellung, all die fein ins Alltägliche eingesponnenen Faschismen und Autoritarismen zu enttarnen, sie zu sammeln und gebührend zu vermerken? Auf dass man »den Anfängen wehre«? (Als ginge es um liebliche Schmetterlinge, um außer-alltägliche Beinahfabelwesen, und nicht um die sprachlichen und gedanklichen und mentalitätsmäßigen Restmassen eines unverwundenen Menschheitsverbrechens…) 

Frei und gleich an Würde

Antwort: Ja, war es, aber derzeit beginnt es sich wieder »kontrovers« anzufühlen, wenn ich öffentlich zum Beispiel die Selbstverständlichkeit sage, dass alle Menschen frei und gleich an Würde geboren sind und sich im Geiste der Brüderlichkeit begegnen sollen usw. usf. Und da merken wir dann: Es ging uns, oder mir, all die Jahre eigentlich nicht nur um das Gesellschaftliche und die erwähnt-hervorzukitzelnden Faschismen – es ging schon auch darum, dass man einfach mal in Ruhe paar Jahre Lebenszeit aufs konzentrierte Textelesen und -absondern verwenden wollte. Und aber jetzt . . .

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. . . wie komm’ ich drauf? Bzw. Wo war ich? – Ach ja. Hausach, Kinzingtal. Industrie und Fachwerk; Steinschlagnetze; Katzen. Von hier aus besehen, schnurrt die innere Lage Österreichs zur Fernsehoperette mit Dosengelächter zusammen; deutlich weniger bedrohlich, aber alles in Allem auch nicht – äh – besser. So ging’s mir, liebe Gastgebergemeinde, gestern Abend, als ich ’rumsaß und mir kaum Zusammenhängendes, zur späteren Verwendung, notierte:

Die Herren Romantiker

»Dingdong« – »Schatz, kommst Du mal? Die Herren Romantiker sind da.« – [Hastig entfernen sich Schritte. Eine Tür knallt.] – [Die Herren Romantiker vor der Tür sind gut gekleidet. Das weiß die Dame des Hauses zu würdigen. Unsicher lächelt sie in verspiegelbrillte Gesichter.] – [Explosion. Putz bröckelt, Glas splittert, selbst, dass sich Steine von dem Berghang gegenüber lösen. Und auf ein Autodach . . . und die Alarmanlage . . .] –  [Und mit den Steinen fallen auch, vereinzelt, Kühe von den Bergen. Das wird zu Straßensperren führen, später, und zu einem zeitweiligen Preisverfall für Rinderhack. Aber jetzt erst mal:]  – [Der Hauseingang in Schutt und Asche. 

Die Hausfrau zupft sich Ziegelstaub und Mörtel aus den Haaren. Ui, wie so scharf sie atmet.] – »Damit habe ich jetzt nicht gerechnet!« – [Der Oberromantiker hat das Gesicht von David Caruso und nutzt den Moment, die Brille abzunehmen. Das Yeeeeaaaahh von CSI:Miami ist zu hören.] – [Wiederum andere Kühe, und wiederum andere Steine, die sich an ihren Hängen hielten. Ui, wie so scharf das alles atmet.]

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