Hausach

Jasmin Adam liest Frauengeschichten aus dem Jemen

Autor: 
Ella Diepen
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
15. März 2016

Ahmed Abdelali begleitete die Lesung von Jasmin Adam und erzeugte immer wieder eine dramatische Stimmung. ©Ella Diepen

Aufmerksames Publikum waren die Neunt- und Zehntklässler des Robert-Gerwig-Gymnasium, als Jasmin Adam in der Aula Geschichten von der prekären Situation von Frauen im Jemen las.

In vielen Teilen der Welt ist die Gleichberechtigung der Frauen ein nicht selbstverständliches Gut. In der Woche des Internationalen Frauentags las Jasmin Adam in der Aula des Robert-Gerwig-Gymnasiums aus ihrem ersten Roman »Felsenmond – Fünf Mädchen im Jemen« vor. Eine gedankliche, akustische und visuelle Reise in ein Land mit denkbar schlechten Lebensbedingungen für Frauen und für die Zuhörer Anstoß zum Nutzen und Schätzen der eigenen Freiheiten und Möglichkeiten.

Erfahrungen als Entwicklungshelferin

Jasmin Adam lebte nach ihrem Studium der Anglistik und Islamwissenschaft mit ihrer Familie zehn Jahre im Jemen, wo sie als Entwicklungshelferin viele Erfahrungen sammelte. In ihrem ersten Roman erzählt sie die Geschichte fünf junger Frauen im Jemen. Mit der Schilderung der Lebensumstände und des Umgangs mit Frauen will sie auf die prekäre Situation der Frauen dort aufmerksam machen. Jemen ist gesetzlich zwar offener als viele andere arabische Länder, die Grundstruktur der Gesellschaft ist jedoch sehr traditionell. Die Frauen kontrollieren einander und sind sehr strikt in ihrem Denken und Handeln.

Musikalisch umrahmt

Seit 2010 lebt die Autorin wegen der sich zuspitzenden Situation wieder in Deutschland in der Nähe von Freiburg. Bei dem Buch handelt es sich um fiktive Geschichten, die sie aber teilweise in ähnlicher Form selbst erlebte. Die Lehrerinnen Stephanie Suhr und Lisbeth Siegwart organisierten und moderierten die Veranstaltung, die von Ahmed Abdelali eindrucksvoll musikalisch begleitet wurde. 
Der vorgelesene Ausschnitt erzählt die Geschichte von Aischa, die mit der Tochter ihrer kaltherzigen Schwiegermutter in ein Gewitter gerät. Aischa schafft es nach Hause, Samira kehrt erst am folgenden Tag zurück. Sie teilte sich während des Unwetters den Unterschlupf mit einem Mann. Obwohl sie – wie ihre Mutter nach einer Untersuchung feststellte – noch Jungfrau ist, demütigt, schlägt und beschimpft diese sie aufs Übelste. 

- Anzeige -

Eigene Mutter wünscht ihr den Tod

Die eigene Mutter wünscht ihr lieber den Tod, als dass sie den Namen der Familie in den Dreck zieht. Aischa ist entsetzt über die Reaktion ihrer Schwiegermutter. Später findet sie Samira tot auf. Sie hat sich unter dem Druck ihrer Stiefmutter umgebracht.

Einfühlsamer Stil

Mit einfühlsamem und ausdrucksstarkem Schreibstil zieht Jasmin Adam das Publikum in ihren Bann. Auf die Fragen der Schüler erzählt sie von der Bevorzugung der Männer im Islam, davon, dass Frauen selbst daran Schuld sind, was ihnen zustößt und von den drastischen Mitteln, die angewendet werden, um den Ruf der Familie zu bewahren. Von Zwangsheirat, von Selbstmord (der im Islam ein Tabu ist und deshalb oft als Unfall deklariert wird) und davon, dass sie es genoss, in Deutschland in den Massen unterzugehen und nicht wie im Jemen trotz Anpassung der äußeren Erscheinung als Ausländerin erkannt zu werden.

Brücke zu arabischer Welt 

»Trotzdem habe ich sehr gerne im Jemen gelebt und die Herzlichkeit der freundlichen Jemeniten genossen. Die vielfältige, wunderschöne Natur sowie die Architektur haben mich inspiriert. Jemen ist eines der Länder, die nicht vom Tourismus verdorben wurden«, so Adam.
Der Buchtitel sei assoziativ zu verstehen. Mit dem »Mond«, der eine große Rolle im Islam spiele und mitunter als Sehnsuchtssymbol gelte, wollte sie eine Brücke zur arabischen Welt herstellen. Der Felsen verdeutlicht die Herausforderungen und Hindernisse, mit denen die Frauen aufgrund der eingeschränkten Denk- und Lebensweise zu kämpfen haben.
 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 1 Stunde
Dreikönigssingen
Jetzt liegt für das Dreikönigssingen das Ergebnis vor und die Verantwortlichen in Haslach sind wegen der großen Spendenbereitschaft der Bevölkerung mehr als überrascht.
vor 4 Stunden
Ausflugsziel
Auch im Kinzigtal ist der Wald in Zeiten von Corona ein beliebtes Ausflusgziel. Das Offenburger Tageblatt hat bei einem Waldbesitzer und einem Förster nachgefragt, wie sich die Lage darstellt.
vor 6 Stunden
K 5358
Die Hofstetter Straße (K 5358) in Haslach ist für Schwerlastverkehr gesperrt. Das teilt die Haslacher Stadtverwaltung  mit.
vor 7 Stunden
Bad Rippoldsau-Schapbach
Zur Fasnet 2020 feierten Schapbachs Kaffeetanten ihr 60-Jähriges. Zur Fasnet 2021 würde das nächste Jubiläum folgen: Die dienstälteste Kaffeetante Ursula Waidele tippelt seit 50 Jahren mit.
vor 10 Stunden
Schenkenzell
Wo Schenkenzells zweiter Kindergarten entstehen sollen steht fest – bei der Finanzierung gibt es noch Spielraum. Gleich zwei mögliche Fördertöpfe will der Gemeinderat dafür anzapfen.
vor 13 Stunden
Hausach/Oberwolfach
Der Transport der Windflügel scheitert an den Schneemassen – ein Flügel „parkt“ an der „Bettelfrau“. Erste Anlage soll „in den nächsten Wochen“ ans Netz gehen. 
vor 18 Stunden
Haslach im Kinzigtal
Wie ließe sich die Corona-Zeit besser nutzen, als mal wieder ein gutes Buch in die Hand zunehmen? Bekannte Kinzigtäler verraten in unserer Serie „Buchtipps“ ihre Lieblingsschmöker. Heute: Anna Teresa Agüera Oliver, Mitarbeiterin im Vorstandsstab der Sparkasse Kinzigtal, die privat ein großer...
vor 18 Stunden
Hornberg
Das Hornberger Pflegeheim ist ab sofort für Besucher geschlossen. Offensichtlich wurden Bewohner „von außen“ infiziert, da die Mitarbeiter alle negativ getestet wurden. 
vor 18 Stunden
Bad Rippoldsau-Schapbach/Oberwolfach
Die Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf die anstehende Fasnet. So auch beim Hamperleverein Schapbach und der Narrenvereinigung Oberwolfach.  
vor 18 Stunden
Altenpflegeheim
Im Alfred-Behr-Haus in Haslach haben am Samstag die Corona-Impfungen begonnen. In einer Pressemitteilung freut sich das Altenpflegeheim unter dem Dach des Caritasverbands Kinzigtal über die hohe Impfbeteiligung.
vor 18 Stunden
Postkartenserie „Zeitsprung“ (11)
Vor mehr als 150 Jahren wurde die erste Bildpostkarte verschickt. Das OT zeigt, was von alten Motiven aktuell noch sichtbar ist. Heute: das Hotel „Zum weyßen Rössle“ in Schiltach.
18.01.2021
Wolfach
Ja zum Geschäftsführer-Posten im Rathaus: Die Online-Abstimmung über die Zukunft von Wolfachs ­Gewerbeverein bringt ein eindeutiges Ergebnis. Noch-Vorsitzender Reinhold Waidele erklärt auf Nachfrage, wie das Projekt weitergehen soll – das Gemeinderats-Ja vorausgesetzt.