Hausach

Jiddische Musik und Geschichten im »Musicafé«

Autor: 
Andreas Buchta
Lesezeit 3 Minuten
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08. Oktober 2018

Die Klezmer-Gruppe „Chotsch“ mit (von links) Robert Dietrich, Moise Schmidt und Reinhold Prigge begeisterte ein zahlreiches Publikum im Musicafé. ©Andreas Buchta

Es war ein Erlebnis der besonderen Art, am Freitagabend der Klezmergruppe »Chotsch« im Musicafé zu lauschen. Die hohen Erwartungen der Zuhörer wurden nicht enttäuscht. 

Allein schon der merkwürdige Name, den sich die drei Musiker gegeben haben, machte neugierig. Was die Zuhörer darüber erfuhren, machte noch neugieriger: »Chotsch« heißt im Jiddischen so viel wie »schön, aber unnütz«, aber auch »trotzdem« – und im Engadin nennen sie angeblich die Säue so. 

Jedenfalls trafen die drei mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit nicht nur den originären »Klezmer-Sound« und illustrierten ihn in astreinem Jiddisch, sie erwiesen sich auch als brillante Könner, jeder an seinem Instrument: Robert Dietrich an der mal jauchzenden, mal weinenden Klarinette, Reinhold Prigge am übermütigen Kontrabass und Sänger, Erzähler und Gitarrist Moise Schmidt mit seinem unnachahmlichen Jiddisch und seiner fantastischen Erzählkunst.

Mit dem bekannten »Schpil’ she mir al Lidele« und dem herrlich expressiven Gesang Moise Schmidts begann das Programm. Mit dem innigen »Itamar Feilach« und dem aufgedrehten Walzer »Esther Walz« ging’s atemlos weiter, um dann unvermittelt mit »Farkoifn di Saposchkelech« mit einem Tanz aus Rumänien aufzuwarten.
In unbeschreiblicher Mimik und Gestik und mit treffendem masurischem Akzent erzählte Moise Schmidt eine Geschichte vom tollkühnen Schuster und dem kolossalen Tapochek aus Siegfried Lenz’ »So zärtlich war Suleyken«, immer wieder unterbrochen und musikalisch illustriert bis hin zum dramatischen Schwimmwettkampf im Dienste der Wahrheit.

Kabinettstückchen

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Das wurde zu einem kabarettreifen Kabinettstückchen, bei dem die Zuhörer sichtlich verzaubert waren vom fliegenden Wechsel von Geschichte und Musik. Dann zum Kontrast: Ein tieftrauriges Stück über das Glück, das noch gekommen ist, aber leider zu spät: »Glik«. 

Der zweite Teil des Konzerts wurde eröffnet mit »Doina« und »Feilach« in dieser schönen, aussterbenden Sprache, um dann, ausgelassen und melancholisch zugleich in das faszinierende »Jankele« auszubrechen. Mit »Bay mir bistu sheyn« wurde der zweite Teil der Geschichte aus Masuren eröffnet, bei der es um eine denkwürdige Zirkusvorstellung auf der Feuerwehrwiese Suleykens ging, immer wieder unterbrochen durch musikalische Illustrationen. Mit dem »Flatbush Waltz« endete die Zirkusgeschichte.

Gewaltiger Beifall

Dann kam mit »Gasu Nigun« ein kleiner musikalischer Höhepunkt des Abends, einer »Melodie ohne Worte, die bewusstseinserweiternd wirken soll« und, zum Mitsingen fürs Publikum, »Dos freyliche Schneyderleyn« und das melancholische Schlusslied »A bizzele Mazel«.
Der Beifall war erwartungsgemäß gewaltig, so gewaltig, dass die Musiker erst nach drei Zugaben von der Bühne durften – nach einem allerallerletzten Lied, einem jiddischen Gute Nacht-Lied.
 

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