Hausacher Stadtschreiber-Tagebuch (1)

Joachim Zelter schreibt aus dem Molerhiisle

Autor: 
Joachim Zelter
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
25. Februar 2017

Joachim Zelter aus Tübingen ist der 21. Hausacher Stadtschreiber. ©Yvonne Beradi

Jochaim Zelter lebt seit Mitte Februar bis voraussichtlich Mitte Mai als Gisela-Scherer-Stipendiat und Hausacher Stadtschreiberin im Molerhiisle im Breitenbach und schreibt jede Woche für die Leser des Offenburger Tageblatts eine Kolumne:

Darf ich mich vorstellen: Mein Name ist Joachim Zelter, ich bin Schriftsteller und der neue Hausacher Stadtschreiber. Oder um genauer zu sein: Ich bin Träger des Gisela-Scherer-Stipendiums. Ich gebrauche das Wort Träger mit Bedacht. Ich trage das Stipendium, und das Stipendium trägt mich. Es stützt mich und ermöglicht es mir, drei Monate hier in Hausach sein zu dürfen. Es ermöglicht mir auch, weiterhin den Beruf des Schriftstellers ausüben zu können. Dafür bin ich der Stadt und seinen Bewohnern sehr dankbar, ganz besonders auch Gisela Scherer, der großen Ermöglicherin, Begleiterin und Entdeckerin der Literatur.

Ich komme aus Tübingen, und man sagt über Tübingen, es gebe dort unzählige Autoren, mehr Autoren als es Brillengeschäfte oder Bäckereien gebe, und es stimmt: Es gibt in Tübingen eine gewaltige Zahl lebender oder verstorbener Autoren. Man kann dort kaum eine Straße überqueren, ohne mit irgendeinem Autoren zusammenzustoßen: ob nun Lyriker, Roman- oder Theaterautor – oder alles drei in einer Person vereint. Überall stößt man in Tübingen auf Autoren. 

- Anzeige -

Hausach ist in dieser Hinsicht anders. Das Schriftstellerische verdichtet sich hier auf den großen Dichter und Essayisten José Oliver. Er ist nicht nur Autor wunderbarer Gedicht- und Essaybände, sondern auch der Autor, der Begründer, der Organisator des mittlerweile weithin bekannten Hausacher LeseLenzes. In Tübingen sind die Autoren eher wie Reihenhäuser. José Oliver und der LeseLenz sind Meilensteine. Oder wie die Hausacher Burg: weithin sichtbare Wahrzeichen.

Es war José, der mich letzten Mittwoch am Molerhiisle empfing und mich sogleich in die Stipendiatenwohnung führte. Man kommt zuerst in einen Vorraum, von dem aus eine kleine Treppe in einen großen Wohn- und Arbeitsraum führt. Fast ist es so, als ob man auf eine Bühne tritt. Man kommt nicht einfach nur in eine Wohnung, sondern man schreitet beschwingt in sie hinein. Am Ende der Treppe beginnt ein weitflächiger, heller Raum: links ein Bereich zum Kochen und zum Essen; rechts ein Wohn- und Schlafraum. Nirgendwo stößt man hier auf Wände oder auf Türen. Alles ist eins, frei, hell und offen. Fließende Übergänge. Durch eine Glastür gelangt man auf eine Terrasse, die nach wenigen Metern in einen parkartigen Garten übergeht. Rhododendronbüsche und sogar ein kleiner Teich. Für einen Moment fühlte ich mich wie Thomas Mann. 
In der Mitte der Wohnung steht ein Schreibtisch. Er ist das Zentrum der Wohnung, der Blickfang, die ständige Erinnerung, wer ich bin und warum ich eigentlich hier bin: zum Schreiben, nicht nur zum Fahrradfahren, Promenieren oder Kaffeetrinken, sondern zum Schreiben, nicht zuletzt auch zum Schreiben einer wöchentlichen Kolumne. 

Die Stipendiatenwohnung ist allerdings derart geräumig, dass man diesen Schreibtisch mit großen Schritten umgehen kann. Ganze Vormittage lang kann man ihn umlaufen und immer weiter umlaufen, im Uhrzeigersinn und gegen den Uhrzeigersinn, ohne einen einzigen Satz geschrieben zu haben, vor lauter Rundwegen um diesen freundlichen Schreibtisch. Insofern ist dieser Schreibtisch auch gefährlich. Er bietet zahlreiche Ausweichpunkte und Umgehungsmöglichkeiten. Sollten meine Kolumnen also nicht immer regelmäßig erscheinen, dann liegt es an der Eigenart dieses Schreibtisches. Ich werde ihn trotzdem so stehen lassen wie er jetzt steht. 
 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
Goldschmiede Patrick Schell in Achern
11.12.2018
Schmuck zu Weihnachten ist ein besonderes Geschenk. Doch welches Stück ist das richtige für einen lieben Menschen? Die Goldschmiede Patrick Schell in Achern gibt hier individuelle Beratung – und als besonderes Highlight: Personalisierte Schmuckstücke und Uhren mit Gravur.
Fachberatung aus Ortenberg
07.12.2018
Smart Home vernetzt das eigene Zuhause und spart Zeit und senkt Energiekosten. Es sorgt aber vor allem für mehr Sicherheit – wenn man die passende Ausrüstung hat. Der Einstieg ist mit dem richtigen Fachmann aber gar nicht schwierig.
Netzwerk Fortbildung
06.12.2018
Die Weiterbildung boomt – und immer mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer erkennen, wie wichtig es ist, sich durch eine Weiterqualifizierung sicher in der Welt zurecht zu finden. Wer eine geeignete Weiterbildung sucht, ist beim „Netzwerk Fortbildung“, dem Weiterbildungsportal des Landes Baden-...
Bodyscan bei Möbel Singler in Lahr
05.12.2018
Der Schlaf ist für den Menschen besonders wichtig. Wer nicht gut schläft, ist morgens müde und nicht fit für den Alltag. Im schlimmsten Fall entstehen sogar dauerhafte Rückenschmerzen. Matratzen mit dem Bodyscan-Liegesystem ändern das, denn sie sind perfekt auf den eigenen Körper abgestimmt.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Kinzigtäler Adventstüren (14)
vor 25 Minuten
Auch in diesem Jahr wirft das Offenburger Tageblatt wieder täglich einen Blick hinter eine Adventskalendertür. Welche Weihnachtsgeschichten sich hinter den Hausnummern 1 bis 24 verbergen, lesen Sie auf der jeweiligen Lokalseite. Heute: Herlinsbachweg 14 in Wolfach.
Hornberger Haushaltsentwurf 2019
vor 2 Stunden
Hornbergs Rechnungsamtsleiterin Simone Mayer stellte am Mittwoch alle Zahlen des Haushaltsentwurfs 2019 vor. Die Gemeinderatsfraktionen gehen nun intern in die Beratungen und werden auch öffentlich über das Werk diskutieren.
Wolfach
vor 5 Stunden
Qualitätsmanagement mit Brief und Siegel: An den Beruflichen Schulen Wolfach unterzeichneten am Donnerstag Vertreter von Schule und Schulverwaltung eine neuerliche Zielvereinbarung im Bereich der Qualitätsentwicklung vor Ort.  
Gemeinderat Oberwolfach
vor 5 Stunden
Bereits am 23. November war die Erdenbrücke im Oberwolfacher Gemeinderat Thema: Franz Doll vom Büro RS-Ingenieure aus Achern hatte zwei Varianten für eine Instandhaltung zur Auswahl im Gepäck, eine Brücke aus Holz wie bisher oder eine aus Beton (wir berichteten). Eine Entscheidung wurde erst mal...
Hausach
vor 11 Stunden
Wie geht es mit der Lebensmittelversorgung in Hausach weiter? Edeka hat nun eine Bauvoranfrage für die Umnutzung des Treff-Markts in einen Getränkemarkt eingereicht. 
Kolumne »Schönes Wochenende«
vor 12 Stunden
Thomas Hafen war mit seinem Navi "Lisa" unterwegs. Und mit noch mehr Stimmen.
Hausach
vor 12 Stunden
Sandra Boser, Landtagsabgeordnete und bildungspolitische Sprecherin der Grünen, besuchte gestern die Graf-Heinrich-Gemeinschaftsschule. Eines der Probleme, mit der die Schule zu kämpfen hat, ist der Mangel an Vertretungs-Lehrkräften.
Oberwolfach
vor 13 Stunden
Vorsichtig stellte Forstbezirksleiterin Silke Lanninger am Dienstag dem Oberwolfacher Gemeinderat den Bewirtschaftungsplan 2019 für den Gemeindewald vor. »Nageln Sie mich nicht darauf fest«, bat sie, denn  die Marktlage sei noch nicht abzuschätzen.
Wolfach
vor 13 Stunden
Eine positive Bilanz zog der Verein Kultur im Schloss in seiner Hauptversammlung in der Flößerstube des Museums am Dienstag. Der Fokus lag auf der laufenden Ausstellung »Spieluhren & Co.« und der Beteiligung des Vereins am Forum Zukunft.  
Verbandsversammlung Wasserversorgung Kleine Kinzig
vor 15 Stunden
Der Zweckverband WKK (Wasserversorgung Kleine Kinzig) kann in seiner Versammlung gestern, Donnerstag, ein Rekordjahr melden, was die Wasserabgabe aus der Talsperre betrifft. Die magische Sechs-Millionen-Kubikmeter-Grenze wird jedoch nicht erreicht.
Hofserie: Waldschütz in Bad Rippoldsau-Schapbach
vor 16 Stunden
Im Gespräch mit dem Offenburger Tageblatt spricht die Hofbesitzer-Familie Schoch über die Befürchtungen der Glaswaldbewohner im Hinblick auf den geplanten  Langzeitpumpversuch von Peterstaler Mineralquellen. Außerdem äußerte sie sich über die lange Trockenphase in diesem Jahr sowie über den...
Hofserie: Bad Rippoldsau-Schapbach
vor 16 Stunden
Hof- und Flurnamen geben ein lebendiges Bild und einen interessanten Einblick in die Vergangenheit. In einer Serie stellen wir die Höfe in der Region vor und erzählen ihre Geschichten. Heute: das Anwesen Waldschütz in Bad Rippoldsau-Schapbach.