Hausacher Stadtschreiber-Tagebuch (5)

Joachim Zelter schreibt aus dem Molerhiisle

Autor: 
Joachim Zelter
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
21. März 2017

Joachim Zelter aus Tübingen ist der 21. Hausacher Stadtschreibe ©Yvonne Beradi

Joachim Zelter lebt seit Mitte Februar bis voraussichtlich Mitte Mai als Gisela-Scherer-Stipendiat und Hausacher Stadtschreiber im Molerhiisle im Breitenbach und schreibt jede Woche für die Leser des Offenburger Tageblatts eine Kolumne:
 

Im Schwäbischen umkreise ich oft die Sportgeschäfte, nähere mich ihnen vorsichtig an, will eintreten, um mich dann wieder abzuwenden und ein anderes Geschäft aufzusuchen. Unschlüssig stehe ich dann vor dem nächsten Laden, bis ich irgendwann hineingehe und allen Mut in meine Stimme fasse und eine einzige Frage stelle: Haben Sie ein SC-Freiburg-Trikot? Und Stille. Ich wiederhole meine Frage. Die Verkäuferin gibt vor, mich nicht zu verstehen. Oder sie antwortet sehr hastig: Was ist das? Was soll das? Natürlich haben sie kein solches Trikot. Und selbst wenn sie es irgendwo unter dem Ladentisch hätten, sie würden das nie öffentlich zugeben. Und sie bitten mich, zu gehen. 

Andere Geschäfte sind nicht ganz so schroff, ansatzweise sogar freundlich, allerdings mit dem deutlichen Hinweis, dass sie selbstverständlich keine SC Trikots in ihrem Sortiment führen. Es würden sich niemals welche verkaufen. Ich selbst sei eine geradezu wahnwitzige Ausnahme. Und auch wenn sich irgendwann andere Kunden mir anschließen sollten, so wäre ein öffentlicher Verkauf immer noch völlig undenkbar. So also irre ich schon seit Jahren von Sportgeschäft zu Sportgeschäft, erlebe aus der Ferne die Triumphe, Abstiege und Wiederauferstehungen des SC Freiburg, ohne je ein SC Trikot erworben zu haben. 

- Anzeige -

Der lange Arm Schwabens könnte bis nach Hausach reichen

Vorsichtig umkreiste ich auch die Hausacher Sportläden, näherte mich ihnen mit neuem Elan, um dann wieder entmutigt abzudrehen, einerseits mit der Überlegung, dass Hausach ja im Badischen liegt und es dort durchaus möglich sein könnte, dass ein Sportgeschäft ein SC- Freiburg-Trikot führen darf. Anderseits liegt Hausach fast noch beängstigend nah am Schwäbischen, gewissermaßen noch im Grenzgebiet. Der lange Arm Schwabens könnte selbst bis hierher nach Hausach reichen, hinein in die hintersten Regale der hiesigen Sportgeschäfte. 
Tagelang schlich ich um die Hausacher Sportläden, versuchte wenigstens im Vorbeigehen einen Blick zu erhaschen, ob sich vielleicht irgendwo (und sei es nur in einer fernen Ecke) ein SC-Trikot befinden könnte. An manchen Tagen schritt ich resolut, an anderen wieder demoralisiert. Und selbst, so meine Überlegung, wenn ich auf irgendwelchen Wegen ein solches Trikot hier erlangen könnte − was dann? Wie bringe ich es nach Tübingen? Man müsste es geradezu konspirativ dort einschleusen, kaum anders als man früher Westzeitungen in die DDR schmuggelte. Und wenn es dann irgendwann sicher in Tübingen wäre. 

Ich könnte es nirgendwo tragen. Allenfalls in meiner abgedunkelten Wohnung. Oder hinter Panzerglas. Oder während der Tübinger Fasnet, die es ja gar nicht gibt. Oder auf meinem Rennrad, sofern noch realistische Fluchtmöglichkeiten bestehen. Als SC Fan lebt man im Schwabenland am Rande der Illegalität. Ich hörte von rechtschaffenden Studiendirektoren, die von Stuttgart aus disziplinarisch und beamtenrechtlich gemaßregelt wurden, nur weil sie sich in einer Minute größter Unaufmerksamkeit zum SC Freiburg bekannt hatten.
Tagelang umstreifte ich die Hausacher Sportgeschäfte, bis ich mir irgendwann ein Herz fasste und eintrat. Haben Sie ein SC-Trikot? Aber natürlich, so der Verkäufer. Er war über alle Maßen verständnisvoll und freundlich, präsentierte eine atemberaubende Auswahl. Schon das erste Trikot, das ich anprobierte, passte. Ich kaufte es auf der Stelle. Seither bin ich ein neuer Mensch. Oder um es mit den Worten eines berühmten Romanautors zu sagen: Ich bin hier angekommen.
 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 1 Stunde
Mühlenbach
Die Gemeinde Mühlenbach hat ihre Verkehrsinseln als insektenfreundliche Blühflächen gestaltet und sich damit am Wettbewerb „Blühende Verkehrsinseln“ beteiligt. 
vor 4 Stunden
Infos im Ortschaftsrat
Haslachs Stadtbaumeister Clemens Hupfer informierte im Bollenbacher Ortschaftsrat über den Stand der Arbeiten und den weiteren Zeitplan.
vor 7 Stunden
Gutach
Der Gutacher Gemeinderat lehnte am Mittwoch den Antrag mit neun Gegenstimmen ab, obwohl es einige interessierte Landwirte gab, die auf neue Möglichkeiten für ihren Berufsstand hofften.
vor 9 Stunden
Hornberg
Ganze 20 Jahre lang beschäftigte den Hornberger Gemeinderat das Sanierungsgebiet „Nord“. Nun wurde es förmlich abgeschlossen und die Sanierungssatzung aufgehoben.
vor 9 Stunden
Oberwolfach/Wolfach
In fast 50 Jahren wurde Albert Schmid so etwas wie das Gesicht der Volksbank in Oberwolfach. Jetzt wechselt der beliebte Berater in den Ruhestand und ein neues Team übernimmt.
vor 9 Stunden
Schenkenzeller Bildstöcke und Wegkreuze (8)
Kleindenkmale sind aussagekräftige Zeugnisse der Geschichte. Von Menschenhand mit einer bestimmten Absicht geschaffen. Es sind dies Bildstöcke, Feldkreuze, Grab- und Gedenksteine; Zeichen religiöser Gesinnung im früheren Herrschaftsgebiet Fürstenberg. Die Gemeinde Schenkenzell hat davon noch...
vor 16 Stunden
Wolfach
Katrin Kilguß geht: Die Direktorin des Amtsgerichts Wolfach wird zum 1. Oktober ans Oberlandesgericht Karlsruhe berufen. Doch der Abschied soll noch nicht für immer sein.
vor 17 Stunden
Oberwolfach
Seit Mittwoch ist das „Wolftalcafé“ geschlossen – vorsorglich: Bis ein Covid-19-Test Klarheit schafft, ob das Virus in Sandra Müllers Familie angekommen ist, will das kleine Team trotz finanzieller Einbußen auf Nummer sicher gehen: „Wir stellen uns der Verantwortung.“
vor 18 Stunden
Steinach
Es geht voran in Sachen Breitbandausbau in Steinach: Die Gewerbegebiete und Schulen sollen ­innerhalb der kommenden beiden Jahre ans Glasfasernetz angeschlossen werden. 
vor 19 Stunden
Corona wirkt sich aus
Vor dem Start der Fußball-Bundesliga beschäftigt die Fans bei Weitem nicht nur sportliche Dinge. Denn trotz Lockerungen werden wegen Corona viele von ihnen (vorerst) nicht ins Stadion kommen.
vor 21 Stunden
Schenkenzell
Er war Bauernhof und als „St. Georgsritter“ Gasthaus. Nun wurde der Roßberghof in Schenkenzell nach dreijähriger Sanierungssphase am Dienstag offiziell als Ferienhaus wiedereröffnet.
17.09.2020
Auf Falk wird Roth folgen
Benjamin Roth übernimmt 2021 die kaufmännische Leitung der Stadtwerke Haslach. Bis dahin wird er von Hand-Peter Falk eingearbeitet, der nächstes Jahr in den Ruhestand geht.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Curvy Queen bietet trendy Mode bis Kleidergröße 60.
    16.09.2020
    Coole Looks bis Kleidergröße 60 / Drei tolle SSV-Shoppingtage
    Das Bekleidungsgeschäft Curvy Queen in der Offenburger Platanenallee bietet eine große Auswahl an Plus-Size-Mode. Vom 17. bis 19. September gibt es beim Sommerschlussverkauf die starke Mode zu reduzierten Preisen.
  • Voller Einsatz für die Patienten: Das Reha-Sport-Team vom Offenburger RehaZentrum - Sabrina Weidner, Sarah Figy, Mario Truetsch und Lars Bilharz (v. l.)
    15.09.2020
    Neue Kurse starten im Oktober – jetzt anmelden!
    Fit werden, fit bleiben: Dieses Ziel hat sich das Team des RehaZentrums in Offenburg für seine Kunden auf die Fahnen geschrieben. Hier bekommt jeder sein maßgeschneidertes Therapie- und Fitnessprogramm. Wer langsam wieder in Bewegung kommen will oder an einer Grunderkrankung, wie Rückenschmerzen...
  • Alexander Benz (von links), Michel Roche, Thomas Kasper, Erhard Benz und Erika Benz stehen an der Spitze des Top-Life.
    07.09.2020
    Top-Life Berghaupten: Die Adresse für Gesundheit und Fitness
    Gesundheit und Fitness haben eine Adresse in der Ortenau: Seit 1996 ist das Top-Life Gesundheitszentrum Benz KG in Berghaupten Ansprechpartner Nummer eins, wenn es in der Region um private Gesundheitsvorsorge, Wellness und medizinische Versorgungsangebote geht.
  • Die Vereine im ewo-Gebiet haben die Chance, für ihre Nachwuchsmannschaften zu gewinnen.
    28.08.2020
    Vereinsaktion #Ballwechsel: Energiewerk Ortenau und Partner suchen trickreiche Teams und deren Fans
    Ballkünstler gesucht! Das Energiewerk Ortenau (ewo) startet zusammen mit starken Partnern die Vereinsaktion #Ballwechsel: Wer seinen Club vorschlägt, eröffnet ihm die einmalige Chance, ein Fest und jede Menge Equipment im Gesamtwert von mehr als 5000 Euro zu gewinnen. Alles, was die meistgevoteten ...