Wolfach

Jörg Kabierske gibt Jung und Alt Tipps für Sicherheit im Netz

Autor: 
Tobias Lupfer
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07. Dezember 2017

»Vor dem Bildschirm: Hirn einschalten«, rät Jörg Kabierske kurz und knapp. Der 50-jährige Regensburger ist inzwischen seit zwölf Jahren als Medien-Sicherheitstrainer in ganz Deutschland unterwegs. Am Dienstag und Mittwoch gab er seine Tipps an der Realschule Wolfach in Workshops und Vorträgen allen Schülern sowie interessierten Eltern und Lehrern weiter.

Schüler weist er ohne erhobenen Zeigefinger in unverblümter Sprache auf Gefahren hin. Eltern ermuntert er ebenso deutlich, Technik nicht zu verteufeln und ihr Licht selbst nicht unter den Scheffel zu stellen. Sind Kinder und Jugendliche ihren Eltern nicht meilenweit voraus in Sachen Mediennutzung? Nein, ist Kabierske überzeugt: »Das Defizit wird als schwerwiegender empfunden, als es ist.« Fünf bis sieben Apps seien bei den Jugendlichen aktuell angesagt. Von Snapchat über Whatsapp bis Instagram reiche die Palette. Eltern müssten sich nur damit beschäftigen und dürften sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. »Das ist nicht viel.«

Facebook hingegen sei für die Jugendlichen »völlig irrelevant«. Gerade einmal drei der gut 400 Schüler, die ihm an den zwei Tagen in Wolfach gegenübersaßen, würden dieses Netzwerk nutzen. »Das machen die Fossilien und die 50-Jährigen.« Für Firmen und Vereine sei die Nutzung legitim, für Jugendliche sei Facebook out.

Oberflächliches Wissen

Sattelfest seien aber auch die Jugendlichen in der neuen Technik nur selten: Trotz intensiver Nutzung der Apps verfügten sie oft nur über oberflächliches Wissen. Wenn Kabierske in seinem Vortrag auf Paragrafen hinweist und mit praktischen Beispielen auf drohende Bußgelder oder gar Haftstrafen hinweist, wird es aufmerksam still unter den Schülern. Ein derber Kommentar bei Whatsapp könne schnell ernste Konsequenzen haben, mahnt der Referent die Paragrafen 185 bis 187 des Strafgesetzbuchs an: Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung. »Das sind richtig knallharte Straftaten. Ihr müsst da echt vorsichtig sein.« 

Auch das Verbreiten von Fotos und Videos sei mit Vorsicht zu genießen. Während die älteren Schüler in einstündigen Vorträgen über rechtliche Konsequenzen aufgeklärt wurden, ging es am Dienstag mit den Fünft- und Sechstklässlern in ausführlichen Workshops ums Thema Cybermobbing. Umgang und Prävention spielten dort die Hauptrolle.

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»Es geht eigentlich um Werte«, fasst Kabierske zusammen. »Die sind aber Bildschirmunabhängig.« Mit sozialen Netzwerken erreichten Streitereien heute schneller ein größeres Publikum. Die Technik an sich sei aber nicht ausschlaggebend: »Was Social Media gut oder schlecht werden lässt, ist immer der Nutzer.«

Als Infoquelle für Erwachsene empfiehlt Jörg Kabierske:
www.klicksafe.de
www.saferinternet.at

Info

Tipps für Eltern

»Verbote allein helfen nicht«, betont Jörg Kabierske. Stattdessen rät er Eltern, sich mit ihren Kindern auszutauschen und gemeinsam Grenzen zu definieren, damit die Bildschirmzeit nicht überhandnehme. 

60 bis 70 Prozent der Viertklässler hätten heutzutage bereits ein Smartphone. Zu früh für den Experten: »Ich finde, Smartphone und Grundschule passen überhaupt nicht zusammen.« Doch auch bei einem späteren Einstieg fordert Kabierske: Die Eltern dürften ihre Kinder nicht einfach sich selbst überlassen, sondern sollten sich die gleichen Apps installieren. »Da seilen sie sich sonst von ihrer Erziehungspflicht ab.« Online gebe es diverse Tutorials auch für erwachsene Einsteiger. Wer nicht lesen wolle, der finde bei Youtube entsprechende Videos.