Schiltach

Jubel und mächtiger Applaus in der Kirche

Autor: 
Franziska Buzzi
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
15. April 2014

Das Vocalensemble Rastatt stimmte zusammen mit dem Orchester »Les Favourites« musikalisch einfühlsam auf die Karwoche ein. ©Franziska Buzzi

In der Stadtkirche in Schiltach erklang am Samstag die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach, in der Fassung von 1749. Rund 200 Zuhörer waren begeistert von der Darbietung des Vocalensembles Rastatt und des Orchesters »Les Favourites«.

Schiltach. Schon beim düster-erhabenen Eingangschoral »Herr unser Herrscher« drängte Holger Speck, Dirigent und musikalischer Gesamtleiter dieses Konzertunternehmens die Musiker zu scharfer Ungeduld. Akzentuiert und einfühlsam bewältigte er die Aufgabe, die Interpreten »den Ruhm des Herrschers« in Moll preisen zu lassen – Moll ist das Tongeschlecht des Passionsleidens und nicht des Lobpreises. Speck zählt wie auch beide Ensembles, die von ihm gegründet wurden, zu Musikern internationaler Spitzenklasse. Die hochkarätigen Solisten Maria Bernius (Sopran), Christina Bock (Alt), Michael Connaire (Tenor, Arien), Markus Flaig (Bass, Arien) und Karsten Müller (Bass) ergriffen die Zuhörer mit der Leidensgeschichte Jesu.
Der so genannte »Evangelist« singt erzählende Texte. Diese Aufgabe übernahm Tenor Michael Connaire, der den Evangelien-Berichten den nötigen vorwärtsdrängenden Impuls sehr eindringlich gab. Durch seine Akzente setzende und strahlende Stimme vermittelte er Rührung und Ergriffenheit. Connaire gelang mit seiner Darbietung ein stimmiges Evangelisten-Parlando. Den Part des Petrus hatte Markus Flaig, der durch sein »offizielles« Auftreten, die Macht über Leben und Tod entscheiden zu können, sehr glaubhaft darstellte.
Sein Gegenüber war Karsten Müller, der die Rolle des Jesus verkörperte. Er charakterisierte die Rolle mit der geistlichen Überlegenheit des Weltenherrschers, einer klaren Artikulation und flexibler Intonation. Wunderbar interpretierten die beiden Solistinnen Maria Bernius und Christina Bock »Es ist vollbracht« und »Zerfließe mein Herz«.
Sehr einfühlsam begleitete und unterstützte das Orchester »Les Favourites« den Gesang. Mit dem Einsatz historischer Instrumente wie Oboe d’amore, Oboe da caccia und Traversflöten konnte es den Klang der Originalfassung hörbar machen. Der Chor sang die Rufe des Volkes und bekannte Kirchenlieder. Die Johannispassion wurde erstmals 1724 in der Nikolaikirche in Leipzig während des Gottesdienstes am Karfreitag aufgeführt. Dort sang die Kirchengemeinde die Lieder des Volkes.
Musik geht nahe
Durch beeindruckend präzise Übergänge und ausdrucksstarke Dialoge kam das Publikum nicht nur der Musik sehr nahe, sondern auch dem Inhalt dieser Passion. Sie handelt vom Verrat und der Gefangennahme Jesu bis hin zu seinem Begräbnis. Der eindringliche Ruf des Volkes »Kreuzige, kreuzige!«, der Befehl des Volkes an Pilatus, drang durch die Stadtkirche, verfehlte seine Wirkung nicht und führte das Publikum direkt ins Passionsgeschehen. Trotz bekanntem Ausgang der Geschichte lag eine deutlich fühlbare Spannung in der Luft – fast wie eine Hoffnung, dass Pilatus das rasende Volk doch noch von der Unschuld Jesu überzeugen könne.
»Herr Jesu Christ, erhöre mich, Ich will dich preisen ewiglich!« Diese letzten Worte der Johannespassion wurden vom Geläut der Kirchturmglocken hinausgetragen. Mit stehenden Ovationen bewiesen die Zuhörer den Künstlern ihre Ergriffenheit.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 5 Stunden
Hausach
Vor 25 Jahren wurde die Firma Wolber und Pfaff am heutigen Klosterplatz abgerissen. Karl-Otto Pfaff erinnert sich auch an den Dolchstoß „ausgefallene Fasent“ vor 30 Jahren.  
vor 7 Stunden
Wolfach
Über drei Jahrzehnte zählte Elfriede Mellert zum Team des katholischen Kindergartens St. Laurentius in Wolfach. Zum Jahreswechsel wurde sie verabschiedet.
vor 7 Stunden
Bad Rippoldsau-Schapbach
Auch wenn mit einem Neubaugebiet gegengesteuert werden soll: 2020 ging die Zahl der Einwohner in Bad Rippoldsau-Schapbach weiter zurück. Und die, die im Oberen Wolftal wohnen, werden immer älter.
vor 7 Stunden
Hornberg
Christian Brüstle starb wenige Wochen nach seinem 100. Geburtstag. In Reichenbach hinterlässt er tiefe Spuren. 
vor 7 Stunden
St. Sebastian
Heute, 20. Januar, ist der Namenstag von Haslachs Stadtpatron St. Sebastian. Viele wissen aber wohl nicht, dass er das ist, wer er war und wo er überall im Städtle auftaucht. Das OT klärt auf.
vor 7 Stunden
Kinzigtäler Buchtipps (45)
Wie ließe sich die Corona-Zeit besser nutzen, als mal wieder ein gutes Buch in die Hand zunehmen? Bekannte Kinzigtäler verraten in unserer Serie „Buchtipps“ ihre Lieblingsschmöker. Heute: Kornelia Buntru, Verwaltungsdirektorin des Ortenau Klinikums Wolfach.
vor 14 Stunden
Dreikönigssingen
Jetzt liegt für das Dreikönigssingen das Ergebnis vor und die Verantwortlichen in Haslach sind wegen der großen Spendenbereitschaft der Bevölkerung mehr als überrascht.
vor 17 Stunden
Ausflugsziel
Auch im Kinzigtal ist der Wald in Zeiten von Corona ein beliebtes Ausflusgziel. Das Offenburger Tageblatt hat bei einem Waldbesitzer und einem Förster nachgefragt, wie sich die Lage darstellt.
vor 19 Stunden
K 5358
Die Hofstetter Straße (K 5358) in Haslach ist für Schwerlastverkehr gesperrt. Das teilt die Haslacher Stadtverwaltung  mit.
vor 19 Stunden
Bad Rippoldsau-Schapbach
Zur Fasnet 2020 feierten Schapbachs Kaffeetanten ihr 60-Jähriges. Zur Fasnet 2021 würde das nächste Jubiläum folgen: Die dienstälteste Kaffeetante Ursula Waidele tippelt seit 50 Jahren mit.
vor 22 Stunden
Schenkenzell
Wo Schenkenzells zweiter Kindergarten entstehen sollen steht fest – bei der Finanzierung gibt es noch Spielraum. Gleich zwei mögliche Fördertöpfe will der Gemeinderat dafür anzapfen.
19.01.2021
Hausach/Oberwolfach
Der Transport der Windflügel scheitert an den Schneemassen – ein Flügel „parkt“ an der „Bettelfrau“. Erste Anlage soll „in den nächsten Wochen“ ans Netz gehen.