Schiltach/Schenkenzell

Kantorin Anna Myasoedova sagt Schiltach zum 1. Mai Adieu

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28. April 2020

Gruppenfoto mit Corona-Sicherheitsabstand als Andenken: Anna Myasoedova (Vierte von links) wurde am Sonntag im Gottesdienst offiziell verabschiedet. ©Evangelische Kirchengemeinde

Mit frischen Ideen trat Anna Myasoedova 2016 ihren Dienst in Schiltach an – am Sonntag wurde die Kantorin verabschiedet: Zum 1. Mai wechselt das „Stadtkind“ wieder in die Stadt.

Ihre Koffer sind bereits verschickt, jetzt muss nur noch ihr Pferd Gera ins neue Domizil umziehen: Kirchenmusikerin und Kantorin Anna Myasoedova verlässt die evangelische Kirchengemeinde in Schiltach. Nach knapp vier Jahren hat sie ihr Experiment auf dem Land beendet: „Ich bin ein Stadtkind und möchte zurück“, sagt die gebürtige Moskauerin auf Nachfrage des ­Offenburger Tageblatts. 

Neue Aufgaben warten

Weit hat sie es dorthin nicht mehr: Frankfurt, Darmstadt, Arbeitsstelle und Pferdestall sind lediglich 15 bis 20 Minuten von ihrem künftige Wohnort entfernt. Myasoedova übernimmt die musikalische Leitung einer Kantorei, eines Gospel- und Posaunenchors, eines Auswahlbläserchors und eines Projektorchesters der evangelischen Kirchengemeinde Mörfelden-Walldorf des Dekanats Rüsselsheim. „Ich freue mich auf zentrale, klar beschriebene sowie neue Aufgaben und Menschen“, sagt sie.

Vor knapp vier Jahren besetzte die Badische Landeskirche die neu geschaffene Stelle einer Regionalkantorin „Obere Täler“, die die evangelischen Kirchengemeinden Schiltach/Schenkenzell, Kirnbach, Wolfach, Hausach, Gutach und Hornberg umfasste, mit der 30-Jährigen. Die Stelle habe sich als nicht praktikabel erwiesen, so Myasoedova.

Vertrag bis Ende Juli

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Die Aufgaben der Kantorin änderten sich im vergangenen Jahr und wurden bis Ende Juli 2020 befristet. Sie übernahm neben kirchenmusikalischen Aufgaben im Bereich „Obere Täler“ die musikalische Leitung des Chormusicals „Martin Luther King“, das im November mit Musikern vom Bodensee bis Heidelberg in Offenburg uraufgeführt wurde.

„Mit der Befristung des Vertrags war klar, dass ich mich nach neuen Aufgaben umschauen musste.“ Mit Erfolg: Sie setzte sich in Mörfelden in einem aufwendigen Bewerbungsverfahren gegen zuletzt drei weitere Kandidaten in der engeren Auswahl durch und bekam den Job zum 1. Mai.
Sie übernehme zwar begeistert die neue Herausforderung, schaue allerdings auch dankbar auf die vergangenen dreieinhalb Jahre. Das tat sie bei ihrer Verabschiedung im Gottesdienst am Sonntag in Schiltachs Kirche wegen der Corona-Krise in kleinem Rahmen, dafür vor laufender Kamera.

Bedauern über Situation

Myasoedova bedauert, dass sie sich nicht persönlich von der Kirchengemeinde und „ihren“ Musikern verabschieden könne. Im Abspann des Gottesdienst-Videos äußert sie sich schriftlich: „Ich sage Danke für jede einzelne Hilfe, jedes Wort, jede Rückmeldung, jedes Gespräch, jede Probe, jede einzelne Begegnung.“ Pfarrerin Marlene Schwöbel-Hug gab der Kirchenmusikerin bei der „herzlichen Verabschiedung, auch ohne Händeschütteln und mit berührungsloser Geschenkübergabe“ gute Wünsche und Gottes Segen mit. 

Für die Interessengemeinschaft Orgel und Kirchenmusik erinnerte Martin Schillinger an die „Orgel plus“-Konzerte, die Myasoedova ins Leben gerufen hatte. Karola Feger, Obfrau des Posaunenchors, richtete sich sichtlich bewegt an dessen musikalische Leiterin: „Danke für die gute Probenarbeit und die gute Begleitung unseres Posaunenchors.“

  • INFO: Den Gottesdienst mit der Verabschiedung gibt es als Video auf Youtube: www.bo.de/Jyi
Stichwort

Nachfolge

Die Vorsitzende des Kirchengemeinderats Ursula Buzzi Informiert auf Nachfrage von Gesprächen mit Vertretern der Landeskirche und auf Bezirksebene, wie die Kantorenstelle künftig zugeschnitten werden soll. Einen Nachfolger gebe es noch nicht. Ein potenzieller Vertreter für die Probenarbeit des Posaunenchors sei aber angesprochen. Die Begleitung der Gottesdienste sei durch ehrenamtliche Musiker gesichert, sagt Buzzi: „Wir werden weiterhin Musik haben.“

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