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Schenkenzell

Kindergartenkinder erleben Schlachtung einer Kuh

Woher kommt die Wurst? / Erzieher der Waldorfkindergarten-Naturgruppe helfen mit den Kindern beim Schlachten einer Kuh
21. November 2014
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Die Kinder der Naturgruppe des Waldorfkindergartens erleben, wie eine Kuh geschlachtet und das Fleisch verarbeitet wird. Durch die Erzieher auf den Tag behutsam vorbereitet, helfen sie tatkräftig bei der Arbeit.

Im vergangenen Januar sind die Kinder des Waldorfkindergartens aus ihrem Gebäude in der »Schenkenzeller Straße« in die Natur umgezogen. Ihre »Wetternotunterkunft« haben sie auf einem Bauernhof an der »Steige«. Dort helfen sie gern bei der täglichen Arbeit mit und kennen die Tiere sehr gut. Sie melken, füttern, misten aus und haben sogar schon Schafe geschoren – und wissen jetzt auch, woher die Wurst auf dem Brot kommt. Zusammen mit Kindergartenleiter Helmut Siegl und den Erzieherinnen halfen sie dem Metzger beim Schlachten einer Kuh.

An diesem Morgen zeigen die Kinder dem Besuchskind und zwei »Schnupperkindern« mit ihren Müttern einen ihrer Geheimplätze an der »Steige«: die Überreste der Ruine »Willenburg«. In ihrem selbstgebauten Blätterhaus stärken sie sich mit einem Pausenbrot und dann erzählen die Erzieherinnen eine ganz schön spannende Geschichte. Zusammengekuschelt lauschen die Kinder, wie der Wolf in der Nähe des Hauses der sieben Geißlein sein Unwesen trieb, die Geißenkinder überlistete und eins nach dem anderen auffrisst. Warum Tiere sterben, wie das mit dem Schlachten geht und dass heute die älteste Kuh »Mira« auf dem Bauernhof ebenfalls geschlachtet wird, haben die Kinder schnell verstanden. Den Müttern und Kindern bleib freigestellt, ob sie zur Schlachtung dazukommen möchten –  jedoch erst, wenn die bereits tote Kuh am Frontlader des Traktors hängt, gibt Siegel vor.

Jetzt sind die Kinder neugierig und wollen unbedingt dabei sein, wenn »Mira« dafür sorgt, dass die Menschen etwas zu Essen haben. Als die Kinder zum Hof zurück kommen, grast die Kuh noch gemütlich auf der Wiese, sodass sich die Kinder von ihr verabschieden können. Gegen elf Uhr kommt der Metzger und Kinder sowie Erzieher suchen sich einen Aussichtsposten und warten dort, bis die tote Kuh am Frontlader hängt.

Ein Berg von Därmen

Zunächst von Weitem schauen sie zu, wie der Metzger den enthäuteten Tierkörper öffnete, um einen ganzen Berg von Mägen und Därmen herauszuheben und alles in eine Schubkarre und die Wanne legt – das ist ein Kraftakt. Als er nach der Milz auch die Leber aus dem Kuhkörper schneidet, wollen das doch alle aus der Nähe sehen. Der Metzger beantwortete alle Kinderfragene gut verständlich.

Als Speiseröhre, Lunge, Herz und Nieren für den Fleischbeschauer an Haken hingen, ziehen sich die Kinder wieder auf ihre Aussichtsplattform zurück. Der Fachmann  leistet indes Schwerstarbeit und zerteilt »mit einer Riesenaxt« den Kuhkörper in zwei Teile, erzählen die Kinder später.

Wie die Wurst dann in die Pelle kommt und das Fleisch weiterverarbeitet wird, durften die Kinder in der Wurstküche anschauen. »Sicher bleibt ihnen dieses einmalige Erlebnis im Gedächnis«, hofft Siegl. Sie haben gelernt, wenn sie Fleischessen möchten, brauchen sie Tiere und jemanden, der sie schlachtet und weiterverarbeitet. »Mira« lebte 15 Jahre glücklich auf Wiesen und Weiden, hat Kälber geboren und großgezogen und Milch für die Menschen gegeben. »Vroni« ist nun die neue Kuhmutter im Stall und versorgt Kälbchen »Tina« mit Milch. Nach ein paar Eingewöhnungstagen lässt sich »Vroni« auch von den Kindern melken: »Geht ganz schön schwer, aber es geht«, stellt die fünfjährige Vanessa fest.

Autor:
Martina Baumgartner

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