Hausacher Leselenz

"Kinderleicht & lesejung" lockt Ortenauer Schüler an

Claudia Ramsteiner
Lesezeit 3 Minuten
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27. Juni 2016

(Bild 1/2) Mit drei achten Klassen begannt gestern die erste Lesung der Woche "kinderleicht & lesejung" ©Claudia Ramsteiner

Mehr als 1000 Schüler haben sich zur Jugendliteraturwoche »kinderleicht & lesejung« angemeldet, mit denen der Hausacher Leselenz die Begegnung von Kindern und Jugendlichen mit »leibhaftigen Autoren« ermöglicht.
 

»Ich hasse mein Leben. In drei Jahren werde ich zwanzig, das ist die Hälfte von vierzig«, beginnt Rolf Lappert seine Lesung, und eine halbe Stadthalle voller 13-15-Jähriger haben die Handys weggesteckt. Eine halbe Stunde später sind die Teenies noch immer aufmerksam. Die Geschichte des 16-jährigen Karl erreicht sie offenbar mit Sätzen wie diesen: »Wer behauptet, man könne das Leben selber bestimmen, hat keine Ahnung. Und bestimmt keinen senilen Opa, um den er sich kümmern muss«. Oder »Bier gibt es bei uns als eine Art Schluckimpfung gegen Stumpfsinn«. 

Rolf Lappert, der mit »Pampa Blues« sein erstes Jugendbuch geschrieben hat (das gleich ausgezeichnet wurde), erzählt, wie es dazu kam. Dass der Stoff eigentlich als Kinofilm konzipiert war. Dass wenige Monate vor Drehbeginn der Hauptdarsteller gestorben ist und kein neuer Termin gefunden werden konnte. So wurde halt ein Roman draus. Aber offensichtlich mit Qualitäten für einen Film, denn der SWR sprang darauf an, inzwischen lief »Pampa Blues« im Fernsehen, es gibt auch eine DVD davon. 

So kam es zum Buchtitel

»Wie kam es gerade zu diesem Titel?«, will ein Junge wissen. Und Lappert erklärt: Der ist kurz und knapp, man kann ihn sich gut merken, und er sagt aus, worum es in dem Buch geht. Pampa steht für »Arsch der Welt«, Blues für die Stimmung im Buch. Die ist allerdings nur am Anfang so trist. Später bringt Lena Schwung in Karl Leben. Wie, das müssen die Jugendlichen dann schon selbst lesen (oder notfalls die DVD anschauen). 

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Anstoß zum Lesen

Kann man mit solchen Lesungen Jugendliche wirklich zum Lesen bringen? Ulrike Wörner, Kuratorin der Leselenz-Woche »kinderleicht & lesejung«, glaubt nicht nur fest daran, das sei auch nachgewiesen: »Dass es die persönliche Begegnung mit Autoren ist, die den Anstoß gibt, ihr Buch auch wirklich zu lesen.« Die Leselenz-Stadt Hausach sei in dieser Beziehung besonders nachhaltig, weil hier seit fast zwei Jahrzehnten regelmäßig Lesungen in allen Altersbereichen geboten werden. 

Sie sucht die Autoren nicht nur nach dem Gesichtspunkt aus, dass sie kind- oder jugendgerecht schreiben – sondern sie müssen auch mit ihren jungen Zuhörern umgehen können. »Rolf Lappert war für mich klar, dass der dabei sein muss«, sagt Ulrike Wörner. Und Nils Mohl wollte sie schon lange – und sie hat ihn eingeladen, bevor er sich für als Leselenz-Stipendiat beworben hat. Er wird von Oktober bis Herbst Hausacher Stadtschreiber sein. 
Für alle anderen gab es ebenfalls gute Gründe für eine Einladung nach Hausach: Auch Lukas Hartmann, Ulli Schubert, Andrea Karimé, Martin Gülich, Franco Supino und Katja Alves werden mehr als 1000 Kinder und Jugendliche der Ortenau bis Freitag in die Stadthalle locken. 

"Spüren, was Leselenz ist"

»Ein großer Dank an Ulrike Wörner und José Oliver, dass hier so viele spüren dürfen, was Leselenz ist«, sagte Bürgermeister Manfred Wöhrle gestern bei der Eröffnung der Woche »kinderleicht & lesejung«. Und Wolfgang Zink vom Kooperationspartner Bildungsregion Ortenau findet es auch klasse, dass alle Generationen hier Begegnungen erleben mit Menschen, die es schaffen »Erfahrungen, Gedanken, Fantasie und Gefühl« zu spannenden Geschichten zu formen.
 

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