Wolfach-Kirnbach

Kinzigtäler Schäfer hoffen auf stärkere Unterstützung

Autor: 
Tobias Lupfer
Lesezeit 3 Minuten
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23. Februar 2016

Liebe auf den ersten Blick: Im Stall von Robert Pachollek in Kirnbach gingen die beiden Grünen-Landtagskandidatinnen Sandra ­Boser (rechts) und Sonja Rajsp gestern auch auf Tuchfühlung mit zwei jungen Ziegen. 104 Schafe und 19 Ziegen hält Landschaftspfleger Pachollek aktuell – doch der wichtige Nebenjob ist mit vielen bürokratischen Hürden verbunden. ©Tobias Lupfer

Mehr Geld in der Fläche wünschten sich Kinzigtäler Schäfer gestern im Gespräch mit der Grünen-Landtagsabgeordneten Sandra Boser. Das Problem der Kleinbetriebe: die Landschaftspflege sei aktuell nicht wirtschaftlich.

Schafe und Ziegen – auch im Kinzigtal gern als Lösung im Dauerthema Offenhaltung der Landschaft genutzt. Doch wie steht es aktuell um die Landschaftspflege und vor allem die Schafhaltung? Darüber diskutierte Sandra Boser, Grünen-Landtagsabgeordnete und -kandidatin aus Wolfach, am Montag mit Schäfern, Vertretern der Landschaftserhaltungsverbände und des Naturschutzbunds (Nabu). Im Schafstall von Robert Pachollek in Kirnbach stellte Anette Wohlfarth, Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbands, dabei eine deutliche These auf: »Landschaftspflege ist nicht wirtschaftlich im Moment.«

Hohe bürokratische Hürden, schwache Förderung

Ein Kernproblem der Kinzigtäler Landschaftspfleger: Die Schäferei ist in der Regel ein Nebenjob am Ende eines ohnehin schon langen Arbeitstags. Der Faktor Zeit spielt daher eine wesentliche Rolle. Ebenso die finanzielle Seite: »Es ist nicht ausreichend«, sagte Wohlfarth mit Blick auf die Förderung. Überbordende Bürokratie sei gerade für Kleinbetriebe ein Problem – hinzu stünden vor einer Förderung hohe Mindestinvestitionssummen, die im Nebenerwerb niemand »mal eben so« ausgebe.

Die Politik habe in Sachen Förderung neue Programme geschaffen, erläuterte Boser. Gleichwohl könnten durch EU-Recht damit nicht alle Wünsche erfüllt werden. Ein Problem, das Nabu-Landesvorsitzender Andre Baumann bestätigte: Mit dem Landesschafzuchtverband habe der Nabu ein Programm auf Grundlage der Wolle anstoßen wollen. Vor wenigen Tagen habe man dazu eine Absage erhalten. Grund: Wolle sei in der Europäischen Union nicht mehr als landwirtschaftliches Produkt gelistet. Tatsächlich gilt sie für die Entsorgung als Sondermüll. »Das kommt psychologisch nicht gut an bei den Schafhaltern.«

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Vorstoß: »Rein in die reine Landschaftspflege«

Der Wolfacher Franz Bruder regte darum an, neue Wege zu gehen: »Raus aus der Landwirtschaft, rein in die reine Landschaftspflege.« Für die Kleinbetriebe müssten andere Maßstäbe angelegt werden als für landwirtschaftliche Großbetriebe. »Die Landschaft, die offengehalten wird, ist etwas wert – aber das schlägt nirgends zu Buche«, sagte Bruder.

»Wir brauchen einfach Unterstützung«, betonte Schäfer Reinhard Bischler aus Gengenbach. Er sehe in der Landespolitik der vergangenen Jahre Schritte in die richtige Richtung, gab Bischler der Abgeordneten ein Lob mit. Es brauche aber weitere Hilfe, etwa beim Aufbau von Vermarktungsstrukturen. Denn: Selbstvermarktung ist sehr zeitaufwendig – und im Handel fänden sich oftmals noch eher Lämmer aus Neuseeland als jene aus der Region.

Nabu-Landeschef: Offenhaltung »geht nur mit den Schäfern«

Bosers Wertschätzung dürfen sich die Schäfer sicher sein. Die erfahre man in den vergangenen Jahren auch vermehrt aus der Bevölkerung, freute sich Bischler. Die artenreichen Landschaften seien nicht ohne Weidetierhaltung zu erhalten, betonte Nabu-Vorsitzender Baumann: »Deswegen geht das nur mit den Schäfern.«

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