Kinzigtal

Kinzigtäler Firmen setzen vermehrt auch ohne Pflicht auf Corona-Tests

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19. April 2021
Auch ohne Pflicht setzen immer mehr Kinzigtäler Arbeitgeber auf eigene Test-Angebote in der ­Corona-Pandemie. Vor allem Selbsttests kommen dabei zum Einsatz.

Auch ohne Pflicht setzen immer mehr Kinzigtäler Arbeitgeber auf eigene Test-Angebote in der ­Corona-Pandemie. Vor allem Selbsttests kommen dabei zum Einsatz. ©Friso Gentsch/dpa

Masken, Abstand, Homeoffice: Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsalltag vieler Kinzigtäler verändert. Tests gehörten bisher nicht dazu – doch das ändert sich zunehmend: Während Arbeitgebervertreter auf Bundesebene am Donnerstag noch eine Pflicht massiv ablehnten, schafft man vor Ort auf eigene Initiative freiwillige Angebote.

„Wir wollten ein bisschen ein Zeichen setzen“, sagt Edith Chrobok, Geschäftsführerin von Fensterbau Schillinger in Oberwolfach. Seit vergangener Woche gibt es dort einmal wöchentlich die Chance für alle Mitarbeiter, sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Mitarbeiterin Luisa Benz ließ sich dafür bei der IHK in Freiburg für die Anwendung der Abstrich-Kits schulen (wir berichteten). „Es wird sehr gut angenommen“, bilanziert Chrobok. Von den 55 Mitarbeitern hätten nur sechs in der ersten Woche auf den Test verzichtet. Ausschlaggebend für das Angebot sei gewesen, die Mitarbeiter weiter für die Schutzmaßnahmen zu sensibilisieren. „Es muss jeder seinen Beitrag geben, damit die Wirtschaften aufmachen können.“

Kostenlose Selbsttests

Auch bei Benz Werkzeugsysteme in Haslach wird seit Monatsbeginn getestet – allerdings mit einem anderen Verfahren: Alle Mitarbeiter erhalten einmal pro Woche einen kostenlosen Selbsttest, „den dürfen sie dann zu Hause anwenden“, erklärt Pressesprecherin Nadine Uhl. „Wie das genutzt wird, kann man jetzt aber noch nicht sagen.“ Fällt ein Test positiv aus, ist der Mitarbeiter angehalten, daheim zu bleiben und durch einen PCR-Test das Ergebnis abzusichern. Am Donnerstag gab es mit dem DRK einen „Selbsttest-Tag“ bei Benz, bei dem die Mitarbeiter unter Anleitung den Umgang üben konnten. „Das Angebot wurde sehr gut angenommen“, erklärt Julia Scheffing aus der Benz-Personalabteilung. „Nächste Woche wird es nochmals zwei solche Tage geben.“

Wie in den anderen großen Firmen sind die Tests auch bei Benz nur eine von mehreren Vorsichtsmaßnahmen. Bereits seit dem ersten Lockdown seien alle Mitarbeiter, die mobil arbeiten könnten, im Homeoffice, um die Arbeit in den Büros zu entzerren. Rund 50 der 290 Benz-Beschäftigten am Standort Haslach arbeiten so aktuell von zu Hause. „Zusätzlich gibt es ein ganz striktes Besuchermanagement. Wir lassen nur noch Besucher rein, wenn es wirklich nötig ist.“

Vorsorgliche Schulung

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Bei Vega in Schiltach sammelte man Ende Januar leidlich Erfahrung mit mehreren Corona-Infektionen in der Belegschaft. „Die große Testaktion war damals sehr erfolgreich“, sagt Leona Fleig aus der Personalabteilung. In den vergangenen Wochen bereitete auch Vega freiwillige Tests vor. So hätten sich sechs Mitarbeiter mit medizinischen Vorkenntnissen beim DRK schulen lassen, um einen tiefen Nasen-Rachen-Abstrich für Schnelltests nehmen zu können. „Das haben wir vorsorglich gemacht, weil noch nicht klar war: Wie soll unsere Teststrategie aussehen?“

Inzwischen habe man sich dafür entschieden, den knapp 850 Mitarbeitern wöchentlich einen Selbsttest zur Verfügung zu stellen – aus drei Gründen: Sie seien einfacher anzuwenden, der Aufwand fürs Unternehmen sei geringer und schließlich seien die Selbsttests auch angenehmer, weil das Abstrichstäbchen nur etwa zweieinhalb Zentimeter in die Nase eingeführt werden müsse, nicht bis ganz hinten an die Rachenwand. „Die Resonanz kann man aktuell noch recht schwierig beurteilen, weil es erst diese Woche angelaufen ist“, sagt Fleig. Das Angebot gelte aber bis auf Weiteres – auch für Besucher, die ins Unternehmen kommen.

Schneller als staatliche Maßnahmen

„Wir lassen anlassbezogen seit Beginn der Pandemie umfangreich Antigen-Tests und PCR-Tests durchführen“, erklärt Leonie Wöhrle, Pressesprecherin der Duravit in Hornberg. Dazu arbeite das Unternehmen seit Frühjahr 2020 eng mit den Ärzten am Bärenplatz und dem Gesunden Kinzigtal zusammen. „Unsere Erfahrung zeigt uns, dass wir deutlich schneller sind als jede staatlich angeordnete Maßnahme.“ In Zusammenarbeit mit dem Gesunden Kinzigtal sichere Duravit Mitarbeiter mit höherer Kontaktfrequenz regelmäßig über PCR-Speicheltests ab. Für Mitarbeiter, die in Präsenz arbeiten, gibt es pro Woche zwei Selbsttests.

„Zusätzlich haben wir allen Mitarbeitern Anfang April in Kooperation mit Gesundes Kinzigtal zwei Testtage vor Ort angeboten, an denen sie zusätzlich einen PCR-Test machen lassen konnten.“ Das freiwillige Angebot werde gut angenommen. Bei einem positiven Test werde innerhalb von zwei Stunden reagiert, Mitarbeiter freigestellt. „Wir handeln vorsorglich und sofort, auch bei Verdacht – im Interesse unser Mitarbeiter und deren Familien.“

Stichwort

Kosten und Verfügbarkeit

Ob Schnelltest mit Rachenabstrich oder Selbsttest: Je nach Abnahmemenge müssen die Firmen rund fünf Euro pro Test veranschlagen. Wie schwer ist es, überhaupt an Tests zu kommen?

„Das ist überhaupt gar kein Problem. Schnelltests bekommt man ohne Ende“, sagt Edith Chrobok. Ob per Post oder digital: Sie erhalte täglich diverse Werbeangebote. Bei Schillinger habe man Tests, Handschuhe und Schutzausrüstung komplett online geordert.

Leonie Wöhrle von Duravit macht durchaus Engpässe aus: „Hier entscheidet sicher die Geschwindigkeit des Handelns am Markt. Die umfangreichen staatlichen Beschaffungsaktionen der letzten Tage im Bereich Antigentests haben den Markt für Unternehmen aktuell geleert.“ Bei Masken und Schutzausrüstung sei die Lage aber Anfang 2020 deutlich prekärer gewesen.

„Die Beschaffung ist tatsächlich schwierig“, sagt Leona Fleig von Vega. „Es ist oftmals schwierig, ein zugesichertes Lieferdatum von den Anbietern zu bekommen.“ Die Lieferanten seien ihrerseits abhängig von den Herstellern.

Michael Holderer, Geschäftsführer von Holderer Automaten und ASB Vending in Hausach, bietet den Mitgliedsbetrieben des Forums Hausach über seinen Verband Selbsttests zu günstigen Konditionen an. „Die Nachfrage aus der Hausacher Geschäftswelt ist derzeit leider noch sehr dürftig. Aus meinem Kundenstamm habe ich allerdings schon positive Rückmeldung und Aufträge erhalten“, sagt er. Als Dienstleister wollte er seinen Mitarbeitern seit Dienstag auch im eigenen Betrieb Selbsttests anbieten. Allerdings: „Leider hat sich die Lieferung der Schnelltests durch das Problem im Suez­kanal verzögert und die erhofften Tests sind noch nicht eingetroffen.“

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