Wolfach-Kirnbach

Kirnbachs Rathaus soll aus Dornröschenschlaf geweckt werden

Autor: 
Tobias Lupfer
Lesezeit 3 Minuten
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18. Mai 2018

Schlichte Schönheit: Die Vision der Initiatoren mit frisch gestrichener Fassade, originalgetreuen Fensterläden und einem kleinen Ehrenamts-Café im Außenbereich. ©Hardy Happle

Etwas frische Farbe, eine weitere Gemeinschaftsaktion der Talbewohner und die verbindliche Zusage der in Aussicht gestellten städtischen Unterstützung sollen Kirnbachs altem Rathaus neuen Pep geben: Beim Infoabend am Donnerstag kamen die Ideen der Initiatoren gut an.

Neben dem zweiten Bauabschnitt des Bollenhut-Talwegles bahnt sich in Kirnbach ein weiteres Gemeinschaftsprojekt an: Ein neuer Anstrich fürs alte Rathaus – verbunden mit dem Austausch von fünf Fenstern im Erdgeschoss. Geht es nach den Initiatoren, soll das Projekt im Juli starten und nur der Anfang sein, um das Rathaus mit neuem Leben zu erfüllen.

»Das Gebäude sieht unschön aus« – kostspielige Probleme aber biete die Bausub­stanz deshalb nicht, bilanzierte Hardy Happle am Donnerstag beim Infoabend der Freunde des alten Kirnbacher Rathauses. Der Architekt ist einer der 15 Ideengeber – und erfahrener Fachmann bei der Sanierung denkmalgeschützter Anwesen. »Im Erdgeschoss gibt es ein paar kaputte 60er-Jahre-Fenster. Alles andere ist eigentlich nutzbar.« Ausnahme: Ein überdachter Vorsprung an der Rückseite, der undicht ist und im Zug der Arbeiten über Sponsoring erneuert werden soll.

Bis ins 13. Jahrhundert

Es sei ein Gebäude, das eng mit der Entwicklung des Orts verbunden sei. Das Rathaus habe einen spätgotischen Kern, berichtete Happle. Die ältesten Teile im hinteren Bereich stammten aus dem 13. Jahrhundert. Das Dachgebälk sei um die Zeit von 1710, den letzten Umbau an der Fassade zur Straße hin habe es 1810 gegeben. »Das Gebälk hat überhaupt keine Probleme – an keiner Stelle«, betonte Happle.

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»Das Rathaus wäre aus unserer Sicht eine super Bereicherung fürs ganze Tal«, sagte Sandy Sum, die mit Happle die Ideen der Initiatoren präsentierte. »Das ist ein zentraler Punkt, an dem die zwei Wegabschnitte zusammenkommen«, sagte sie mit Blick auf das Talwegle und dessen geplante Fortführung zum Moosenmättle (wir berichteten). In einem ersten Schritt wollen die Initiatoren mit ehrenamtlichen Helfern die Fassade reinigen, neu streichen, die gut 100 Jahre alten Fenster in den oberen Stockwerken sanieren und – wenn es finanziell klappt – die nicht mehr verwenbaren 60er-Jahre-Fenster im Erdgeschoss ersetzen. I-Tüpfelchen der Renovierungsvision: Fensterläden nach altem Vorbild.

Offenes Gebäude für alle

Und wozu der Aufwand? Das Rathaus soll zum Gemeinschaftsgebäude werden. »Wo wir uns als Dorf auch präsentieren können«, sagte Sum. Mit Blick auf die »dürftiger werdende Gastronomie im Tal« ist eine Idee auch, an Wochenenden einen Café-Betrieb auf Spendenbasis zu installieren. Genutzt werden soll dazu zunächst das Erdgeschoss – mit gespendeten Mobiliar: urig, einfach, aber gemütlich. Weitere Ideen für die oberen Stockwerke würden sich sicherlich finden, waren auch die knapp 25 Zuhörer überzeugt.

»Kirnbach ist groß und hat viele, die mit anpacken können«, betonte Sum. Ideen und Bedarf seien da. Die Federführung zur Fassadensanierung wird Manfred Martin als Fachmann übernehmen. Gut drei Wochen werde das Gebäude ab Juli wohl eingerüstet sein müssen. Ziel ist, den konkreten Arbeitsplan mit Martin abzustimmen und danach mit den Ehrenamtlern einen Einteilungsplan zu erstellen.

Stichwort

Finanzierung und Perspektiven

Neben dem ehrenamtlichen Einsatz steht und fällt das Projekt Kirnbacher Rathaus mit der Unterstützung der Stadt. Mit Bürgermeister Thomas Geppert sei die Planung besprochen, sagten Hardy Happle und Sandy Sum. Anfang Juni folgt ein Ortstermin mit Vertretern aller Ratsfraktionen.

Rund 3300 Euro sind an Materialkosten für die Fassadenfarbe veranschlagt. Arbeiten am Sockel sollen nach einer ersten Überlegung vom Bauhof erledigt werden. Hinzu kämen fünf neue Fenster fürs Erdgeschoss. »Wir reden da nicht über horrende Summen«, sagte Happle. Etwa 600 Euro pro Fenster schätzte er an Kosten. Für die hoffen die Initiatoren ebenfalls auf städtische Gelder. Schließlich seien die Fenster notwendige Unterhaltungsarbeiten durch die Stadt als Eigentümerin.
Die Fensterläden hingegen sollen voraussichtlich über eine Spendenaktion finanziert werden. Und für die Zukunft seien auch Anträge auf Fördermittel denkbar. 

»Ich bin nicht die Stadt, sondern nur ein Mitglied des Gemeinderats«, sagte Ulrich Wiedmaier (FWV), der als Zuhörer beim Infoabend war. »Im Prinzip ist man da aber offen, so wie ich das einschätze.« Er verglich das Projekt mit dem alten Schulhaus im Langenbach. Abrissplänen fürs alte Rathaus, wie von Einzelnen vermutet, habe es aber nicht gegeben: »Es gab keinen Schubladenplan in irgendeine Richtung.«

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