Hausach/Wolfach

Kitze totgemäht: Ein Jahr Knast auf Bewährung

Claudia Ramsteiner
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
05. Dezember 2013
Mehr zum Thema
Wegen der späten Mahd in diesem Jahr lebten die Rehkitze im hohen Gras besonders gefährlich. Ein Hausacher Landwirt wurde nun zu einer empfindlichen Strafe verurteilt, weil er ein Kitz billigend und eines vorsätzlich umgemäht hatte.

Wegen der späten Mahd in diesem Jahr lebten die Rehkitze im hohen Gras besonders gefährlich. Ein Hausacher Landwirt wurde nun zu einer empfindlichen Strafe verurteilt, weil er ein Kitz billigend und eines vorsätzlich umgemäht hatte. ©Rolfes/DJV

Das Wolfacher Amtsgericht verurteilte am Mittwoch den Landwirt, der im Juni zwei Rehkitze »vermäht« hat (wir berichteten) zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und 4000 Euro Strafe. Der Landwirt hatte zuvor einen Strafbefehl über 3000 Euro nicht akzeptiert.

Dass der Hausacher Landwirt, der am 4. Juni auf einer gepachteten Wiese zwei Rehkitze »vermäht« hat, obwohl er vor dem Mäheinsatz bereits gewusst hatte, dass sich diese noch im hohen Gras befinden müssen, stand bei der Verhandlung heute vor dem Wolfacher Amtsgericht außer Frage. Unbestritten blieb auch, dass der Landwirt den zuständigen Jagdpächter etwa eine Woche vorher angerufen hatte, um ihn auf die zwei Kitze hinzuweisen.

Für den Angeklagten war allerdings der Jäger der Hauptschuldige. Jener habe, als er hinzugerufen wurde, nicht einmal einen Hund dabei gehabt – und um für die Suche neben seinem Schlepper herzulaufen, habe die Kondition der über 70-Jährigen nicht ausgereicht: »Es tut mir leid, aber es hätte nicht passieren müssen, nur weil ein unprofessioneller Jäger dabei war.« Der Landwirt verwies außerdem auf den großen Zeitdruck, nachdem der Mai verregnet war und er dringend das Futter heimbringen musste.

Die beiden Zeuginnen, die die Tat damals zur Anzeige gebracht hatten (wir berichteten) schilderten noch einmal, dass sie den Landwirt vor dem Mähen darauf aufmerksam gemacht hatten, dass sich die Rehkitze noch in der Wiese befänden – er habe die davonspringende Rehgeiß nicht beachtet und sei auch unbeirrt weitergefahren, als er das erste Rehkitz bereits lebensgefährlich verletzt hatte.

»Vorsätzliche Tat«

Der Jäger, der von einer Nachbarin von der Mähaktion benachrichtigt und sofort herbeigeeilt war, bestätigte im Zeugenstand, dass der Landwirt etwa eine Woche vorher bei ihm angerufen habe – seiner Bitte, ihm einen Tag vorher noch einmal Bescheid zu geben, habe er aber nicht entsprochen. »Nur dann kann man durch entsprechende Maßnahmen eine Störung herbeiführen, damit die Rehgeiß ihre Kitze aus der Wiese führt. Wenn man das eine Woche vorher macht, gewöhnen sie sich daran«, erläuterte er.

Dies bestätigte später auch der Jagdsachverständige Rolf Roth aus Löchgau. Bei entsprechender Vorlaufzeit bestehe zwar keine Garantie, aber eine etwa 85-prozentige Chance, dass man eine Rehgeiß mit ihren Jungen aus der Wiese vertreiben könne. Der 73-jährige Jäger habe kaum eine Chance gehabt, die Tiere noch zu finden – er konnte lediglich die schwer verletzten Rehkitze mit einem Messerstich erlösen.

Der Landwirt habe nur gehupt und die Handkante an den Hals gelegt, um ihn darauf hinzuweisen, dass das erste Kitz vermäht ist und von ihm getötet werden muss, sagte der Jäger. »Er hat nicht angehalten und schon gar nicht beim Suchen des zweiten Kitzes geholfen«, antwortete der Jäger auf die Frage der Staatsanwältin Daphne Bader.

Die Rechtsreferendarin sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte das erste Kitz billigend und das zweite vorsätzlich lebensgefährlich verletzt hatte, und forderte für beide Straftaten insgesamt ein Strafmaß von 100 Tagessätze zu je 30 Euro. Über 3000 Euro lautete auch der Strafbefehl, den der Angeklagte zuvor nicht akzeptiert hatte – sonst wäre es zu dieser Gerichtsverhandlung gar nicht gekommen.

- Anzeige -

»Die alleinige Schuld«

Damit hat er sich allerdings gewaltig verzockt. Der Richter Patrick Lehmann fällte nach der dreistündigen Verhandlung ein weit härteres Urteil als von der Staatsanwaltschaft gefordert: Ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung. Außerdem muss er 4000 Euro in Monatsraten zu 200 Euro an den Tierschutzverein Kinzigtal zahlen und die Gerichtskosten (weitere rund 1000 Euro) übernehmen. In seiner Begründung betonte der Richter, er glaube ihm zwar, dass ihm die Sache nachträglich leid tue – er habe aber die Schuld maßgeblich dem Jäger zugeschoben. »Sie trifft aber die alleinige Schuld«, beschied der Richter dem Angeklagten, der das Urteil mit unbewegter Miene verfolgte.

Die Gefahr für die Tiere habe ihn »nicht die Bohne gekümmert«. Lehmann beschuldigte den Landwirt des »Gewinnstrebens um jeden Preis« – und dass er nach der Tat unbekümmert davongefahren sei, lasse auf eine »rohe innere Haltung« schließen. Er gehe davon aus, dass die Gefängnisstrafe nicht notwendig sein wird, »wenn Sie künftig in jeder Situation, in der es um Tiere geht, umsichtig handeln«, redete der Richter dem Angeklagten ins Gewissen.

Er machte zum Schluss noch deutlich, dass sich das Gericht nicht von öffentlicher Meinung populistisch leiten lasse, sondern dass dieses Unrecht mit einer harten Strafe geahndet werden müsse. Der Landwirt hatte sich in der Verhandlung zuvor beklagt, dass er im Offenburger Tageblatt »wie ein Trottel« hingestellt worden sei.

STICHWORT Tierschutzgesetz

Richter Patrick Lehmann berief sich bei seinem Urteil auf das Tierschutzgesetz § 17: Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 2. einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

Der Verteidiger hielt zwar die Ziffer 1, dass ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund getötet wurde, für erfüllt, aber der Straftatbestand Ziffer 2, der dem Landwirt Rohheit unterstelle, sei gewiss nicht gegeben. Dies sei sicher »kein glorreicher Tag seines Mandanten« gewesen, aber aufgrund der Drucksituation lasse sich keine negative Gesinnung herbeileiten.

Der Angeklagte hat nun noch die Möglichkeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Der Chor des Robert-Gerwig-Gymnasiums in Kostümen der "Dorfbewohner" bei der ersten Probe des Musicals "Shrek", hier mit Regisseur Giovanni Santo (vorne, Mitte).
vor 1 Stunde
Hausach
Die Schüler des Robert-Gerwig-Gymnasiums führen im Juni das Musical "Shrek" auf. Wir waren bei der ersten Probe des Chors dabei und haben hinter die Kulissen des Theates geschaut.
Mario Volk und Maren Müller unternahmen in den Bergen von Peru Wanderungen rund um den Vinicunca. 
vor 4 Stunden
Mühlenbach
Weltreise (36): Die Mühlenbacher Mario Volk und Maren Müller waren neun Monate lang unterwegs auf Weltreise. In Peru und Rio de Janeiro verbrachten sie ihre letzten Tage.
Der stellvertretende Kommandant Christian Keller, der stellvertretende Abteilungskommandant Philipp Doll, Bürgermeister Thomas Geppert und Kommandant Christoph Mayer stellen das neue UTV in Dienst. ⇒Foto: Feuerwehr Wolfach
vor 7 Stunden
Wolfach
Der Feuerwehr Wolfach steht nun ein Utility-Terrain-Vehicle (UTV) zur Verfügung. Dieses soll im Rettungsstollen des Reutherbergtunnels und in unwegsamen Geländen zum Einsatz kommen.
Das "Gigolo Reinhardt Jazztett" mit Peter Streicher (von links), Gigolo Reinhardt und Berthold Klein begeisterte in der Wolfacher Schlosshalle. 
vor 10 Stunden
Wolfach
"Gigolo Reinhardt Jazztett" begeistert die Zuhörer bei "Mittwochs im Museum". Das Trio bewegte sich auf den Spuren des Jazzgitarristen Django Reinhardt.
Zum Finale kamen der Mühlenbacher Frauenprojektchor und der Männergesangverein gemeinsam auf die Bühne. 
vor 10 Stunden
Mühlenbach
Der Männergesangverein Mühlenbach bescherte den vielen Besuchern in der Gemeindehalle einen gelungenen Konzertabend. Unterstützt wurde er vom Frauenprojektchor und "Akkordeon Pur".
Die Vorstände Axel Fahner (links) und Alexander Thau stellten zusammen mit Marketingleiterin Sarah Müller die Bilanz 2023 der Sparkasse Wolfach vor. 
vor 13 Stunden
Wolfach
Positive Bilanz: Die Sparkasse Wolfach hat im Geschäftsjahr 2023 insgesamt zugelegt – trotz eingebrochenem Kreditgeschäft und dank gestiegener Zinsen starkem Wettbewerb.
Viele Besucher schauten sich zum Mühlentag am Montag das Innenleben der Hofstetter Mühle an.
vor 15 Stunden
Hofstetten
Zahlreiche Besucher kamen am Pfingstmontag zum Mühlenfest, das die Hofstetter Trachten- und Volkstanzgruppe im Rahmen des Mühlentags zum ersten Mal veranstaltet hatte.
Die DJK-Jugend gestaltete den Gottesdienst beim Pfingstsportfest im Festzelt mit. Melanie Klausmann (links) und Andrea Brüstle begleiteten mit Musik.
vor 15 Stunden
Steinach - Welschensteinach
Die DJK Welschensteinach hat ihr dreitägiges Pfingstsportfest veranstaltet. Ein Turnier musste zwar abgesagt werden, dennoch war viel los.
Vertrag unterschrieben, Förderung fix – doch der Umbau des Schafstalls soll nun doch erst 2025 starten. 
vor 22 Stunden
Wolfach - Kirnbach
Der Förderbescheid für den Umbau des kommunalen Schafstalls in Kirnbach ist da – jetzt sind alle Hürden genommen. Doch umgesetzt werden soll das Projekt nun trotzdem erst im kommenden Jahr.
Die neuen Pächter des "Krokodil": Edvin Jasinskij (links), Geschäftsführer und Restaurantleiter, und Küchenchef Alexandru Matcas, die spanische Spezialitäten anbieten werden.
vor 22 Stunden
Hornberg
"Wir lieben, was wir machen", sagen die neuen Pächter des Hornberger Gasthauses "Krokodil", Edvin Jasinskij und Alexandru Matcas. Die beiden wollen ab Juli etwas Neues für die Region bieten.
Spatenstich für die neue Kreisstraße (von links): Grünen-Landtagsabgeordnete Sandra Boser, CDU-Bundestagsabgeordneter Yannick Bury, Haslachs Bürgermeister Philipp Saar, Landrat Frank Scherer, Regierungspräsident Carsten Gabbert, Fischerbachs Bürgermeister Thomas Schneider und der Leiter des Straßenbauamts Roland Gäßler. 
21.05.2024
Haslach im Kinzigtal
Der erste Spatenstich markierte am Dienstag den offiziellen Baustart für die neue Kreisstraße zwischen Fischerbach und Haslach. Ende 2025 soll diese bereits fertig sein.
Die Akteure der Badischen Revolution im Vogtsbauernhof entführten die Besucher mit ihrer Kleidung und ihrem Auftreten in das Jahr 1848. 
21.05.2024
Gutach
Die Offenburger Heckerbuben zogen am Wochenende bei der Badischen Revolution in den Gutacher Vogtsbauernhof ein. Dort stellten sie sich ihren Feinden und präsentierten ein historisches Schauspiel.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das gediegene neue Corporate Design von Sport Kuhn spiegelt sich auch in der Fassadengestaltung wider.  
    vor 19 Stunden
    Sport Kuhn: Führungstrio geht mit Drive in die Zukunft
    Seit vergangenem Sommer steht die vierte Generation bei Sport Kuhn in Offenburg an der Spitze und hat in den wenigen Monaten viele Änderungen angestoßen. Immer im Mittelpunkt: der Kunde.
  • Finanz- und Versicherungsmakler Tino Weissenrieder betreut mit dem Team der "W&K Wirtschaftsberatung" in Lahr einen bundesweiten Kundenstamm.
    vor 19 Stunden
    Rundum beraten: W&K Wirtschaftsberatung Tino Weissenrieder
    In Unternehmen werden viele Entscheidungen getroffen – strategische, finanzielle und technologische. Doch wer stellt die Weichen für die Zukunft der Unternehmer? Die "W&K Wirtschaftsberatung" Tino Weissenrieder hilft mit Kompetenz und Erfahrung weiter.
  • Das Geheimnis des Erfolgs ist der große Zusammenhalt der Familie. Jeder bringt sich mit seinen Erfahrungen und Talenten ein (von links): Erika und Erhard, Brigitte und Hubert Benz sowie Anja Vetter und Alexander Benz mit ihrem kleinen Lukas. 
    29.04.2024
    Top-Life Gesundheitszentrum: Alle Altersgruppen willkommen!
    Das Top-Life Gesundheitszentrum in Berghaupten feiert in diesem Jahr ein außergewöhnliches Firmen-Jubiläum. Es basiert auf dem Alter aller sieben Familienmitglieder, die zum Erfolg des Unternehmens beitragen.
  • Physiotherapeutin Luise Wolf schätzt die Zusammenarbeit und innovativen Ansätze bei ihrem Arbeitgeber. 
    22.04.2024
    Top-Life Berghaupten: Hier steht der Mensch im Mittelpunkt
    Das Gesundheitszentrum Top-Life in Berghaupten bietet ein Komplettpaket rund um Gesunderhaltung, Rehabilitation, Prävention und Wellness. Physiotherapeutin Luise Wolf ist Teil des motivierten Teams und gibt im Interview Einblick in ihre abwechslungsreiche Arbeit.