Mühlenbach

Klaus Armbruster baut vier Jahre an Erdgeschichteweg

Autor: 
Bastian André
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
25. August 2015

(Bild 1/4) Jedes Hinweisschild steckt ein Zeitereignis in der Erdgeschichte ab. ©Bastian André

Vier Jahre hat Klaus Armbruster an einem Erdgeschichteweg rund um sein Haus gearbeitet. Das Ergebnis zeugt von seinem unbändigen Willen, die Erde zu retten – vor uns.

Das Haus von Klaus Armbruster liegt ein bisschen irgendwo im Nirgendwo. Google Maps kann mit der Adresse in Mühlenbach nichts anfangen. Armbrusters Anwesen steht ein gutes Stück weit oben, den Berg hinauf. Um ihn zu besuchen, geht es erstmal ein paar Kilometer über eine ziemlich holprige Steinstraße, bis das Haus plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht. Man fürchtet unterwegs ein wenig um die Auto-Radachsen. Doch dort oben belohnt die fantastische Aussicht ins Tal. Und die Ruhe. Nur ein paar Kühe grasen friedlich am Hang. Sonst ist da nichts.

An diesem Freitagnachmittag haben einige Gäste den Weg hoch zu Klaus Armbruster gefunden. Es sind Freunde von ihm aus dem Gemeinderat, Mitarbeiter des BUND und sogar Mühlenbachs Bürgermeister Karl Burger. Es ist ein großer Tag für Armbruster. »Vier Jahre lang habe ich an diesem Weg gearbeitet – und ich freue mich unheimlich, dass ich ihn heute eröffnen kann«, spricht der 52-Jährige zum kleinen Menschkreis, der sich um ihn herum versammelt hat.

Armbruster steht vor einer Holztafel. Sie markiert den Beginn eines rund 1,2 Kilometer langen Wanderwegs durch den Wald und einmal um Armbrusters Haus herum. Der 52-Jährige hat ihn selbst angelegt, nahezu vollständig in Alleinarbeit. Dort erzählt er über einzelne Holzschilder die Geschichte unseres Planeten. Akribisch hat Armbruster recherchiert, Texte verfasst, sie auf Din-A4 Papier ausgedruckt, laminiert und in die Holzschilder gelegt. Freunde haben die Holztafeln für ihn angefertigt. Der Clou: Die Strecke des Wegs hat Armbruster auf das Alter der Erde umgerechnet. Das heißt, die 1,2 Kilometer stehen für die 4,6 Milliarden Erdenjahre. »Jeder Meter entspricht einer Zeitspanne von 3,8 Millionen Jahren«, erklärt Klaus Armbruster.

Der Waldweg beginnt anfangs mit einer ziemlichen Steigung. Die Wanderer kommen ins Schwitzen. Gewollt ist das nicht, doch der schwierige Aufstieg steht sinnbildlich für die schwierige Geburt unseres Planeten, die – wie so vieles – einer Kette von Zufällen zu verdanken ist. »Der Mond entstand bei der Kollision eines Himmelskörpers mit der Erde«, erklärt Armbruster vor einer Tafel. Seine Zuhörer staunen. Einige Meter weiter kommt die Gruppe vor einer Tafel wieder zum Stehen. »Das Leben entsteht«, sagt Armbruster. 300 Meter sind sie nun gelaufen. Armbruster spickelt ab und zu auf kleine Kärtchen, die er in der Hand hält. Doch er braucht sie nur selten. Sein Erdwissen sitzt.

Nach 810 Metern auf dem Weg hat das Leben das Land erobert. Und in der Erdgeschichte sind 1,5 Millionen Jahre vergangen. »Die Erde hatte übrigens schon mal einen Klimawandel hinter sich«, holt Armbruster aus. »Innerhalb von 100 000 bis 300 000 Jahren stieg die Temperatur um zehn Grad.« Der 52-Jährige erwähnt das nicht ohne Hintergedanken: »Heute stellen wir einen Temperaturanstieg von einem Grad alle Hundert Jahre fest. Aus erdgeschichtlicher Sicht ist das ein gigantischer Vorgang!« Und verheißen tue das nichts Gutes.

17 Meter vor dem Ende des Waldweges sterben die Dinosaurier aus. Auf den letzten fünf Zentimetern ist erstmals von menschlichem Leben zu lesen. Ein Wimpernschlag an Zeit, stellen die Zuhörer fest.

- Anzeige -

Uns droht die Steinzeit

Klaus Armbruster geht es bei seinem Erdgeschichteweg nicht nur ums Informieren. Er will vor allem warnen. »Die Idee dafür kam mir, als ich eine Diskussion mit meinem Nachbarn hatte. Er wollte nicht glauben, dass die Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind. Also überlegte ich mir, wie ich ihn davon überzeugen kann«, so Armbruster.

Auf den 1,2 Kilometern will der Geschäftsführer einer Software-Firma zeigen, wie verschwenderisch die Menschen mit ihrem Heimatplaneten umgehen. »Wir verbrauchen fossile Brennstoffe, die sich über Millionen Jahre angereichert haben, binnen weniger Jahrzehnte«, so Armbruster. »Ich schätze in 200 Jahren gehen sie uns aus.« Und dann? »Dann hat kein Auto mehr Benzin und kein Ofen mehr Öl.« Das hieße Steinzeit. »Wir, also unsere Generation jetzt, ist in der Verantwortung, das zu verhindern«, betont Armbruster. »Und da muss jeder Einzelne aktiv werden.«

Seit knapp acht Jahren, so schätzt Armbruster, fahre er nicht mehr mit dem Auto, sondern mit dem Zug zur Arbeit. Als er am Bahnhof einmal Autos beobachtete, habe er erst im 30. mehr als einen Insassen gezählt. »Das ist doch verrückt.« Urlaub mache er jetzt lieber in Deutschland, anstatt mit dem Flugzeug. »Wenn ich in der Maschine sitze, bekomme ich ein schlechtes Gewissen.«

Den Weg sieht der 52-Jährige als Experiment. »Ich würde mich freuen, wenn Leute kommen und anfangen nachzudenken«, sagt er. Für Diskussionen sei er ebenso offen wie für Projekte mit Schulen. Und doch scheint Armbruster seine Hilflosigkeit bewusst zu sein. Die ganze Welt ändern, das kann er nicht. Aber zumindest versuchen, sie zu einem besseren Ort zu machen, dort, wo er wohnt, das geht. Insofern ist sein Erdgeschichteweg auch mehr als nur eine potentielle neue Touristenattraktion. Er ist Armbrusters kleines Geschenk an die Erde, die er zu retten versucht. Es ist sein Weg – für seinen Planeten.

Der Erdgeschichteweg verläuft rund um das Haus von Klaus Armbruster im Bärenbach 16 in Mühlenbach. Es ist ein Wanderweg und jederzeit zugänglich.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 5 Stunden
Storchentag
„Heraus, heraus“ tönte es am Freitag beim traditionellen Storchentag durch die Gassen der Haslacher Altstadt. Und die Hausbewohner ließen sich  nicht lumpen und beantworteten die Rufe mit dem Werfen von Orangen, Brezeln oder auch Schokoriegeln.
vor 7 Stunden
Hausach
Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Sandra Boser, hörte sich am Dienstag die Sorgen und Nöte der Rettungswache des DRK-Kreisverbands an. Es waren nicht wenige, die Geschäftsführer, Notfallsanitäter und Notärzte vorbrachten.
vor 7 Stunden
Kolumne "Ä schees Wucheend"
Heute, zum „Tag der Muttersprache“, gibt es unsere Wochenendekolumne wieder auf Alemannisch – zu einem ernsten Thema zur Fasnacht.
vor 8 Stunden
Wolfach
Hinter den Kulissen wird seit Langem geplant, jetzt kommt Bewegung ins Thema Hochwasserschutz: Einstimmig billigte der Gemeinderat am Dienstag die Landesplanung für den Bereich Wolfach West – Kernvoraussetzung für die Erschließung neuer Gewerbeflächen.
vor 11 Stunden
Hausach
Die Schulleitung des Robert-Gerwig-Gymnasiums ist nun komplett: Julia Saecker aus Berghaupten wurde mit einiger Verzögerung vom Regierungspräsidium zur Abteilungsleiterin für die Unterstufe bestellt.
vor 17 Stunden
Steinach
Ideen für die Umgestaltung der Ortsmitte diskutierten rund 30 Steinacher Bürger am Mittwochabend in einem Workshop. Planer und Gemeinderat sollen sich nun mit den Vorschlägen auseinandersetzen und prüfen, was davon realisierbar ist.    
vor 19 Stunden
Schiltach
Wenn der Gutacher Lärmschutzplan so kommt, wie ihn der Gemeinderat mit sieben zu sechs Stimmen abgesegnet hat, dann braucht man künftig zwischen 22 und 6 Uhr knapp drei Minuten länger durch Gutach – dafür können die Anwohner ruhiger schlafen. 
vor 22 Stunden
Fasnachter unterstützen organisierten Hilfsdienst
Der Nachbarschaftshilfeverein bekommt von den Schänzle-Hexen in Gutach bereits zum zweiten Mal eine Finanzspritze. Das Geld soll unter anderem für den Aufwand der Organisation der Dienste verwendet werden.
20.02.2020
Tourismus-Statistik 2019
Sinkende Übernachtungszahlen, aber ein steigender Tagestourismus: Carina Gallus stellte am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung die Oberwolfacher Tourismus-Statistik 2019 vor. Die Grube Wenzel knackte die 9000er-Marke. 
20.02.2020
Oberwolfach
Die Planungen stehen: Die Sanierung der Erdenbrücke für rund 280 000 Euro steht in diesem Jahr an. Brücken-Experte Lukas Osterloff stellte am Dienstag in der Gemeinderatssitzung unter anderem den Bauzeitplan vor. Er verriet auch, wie lange die Brücke wohl voll gesperrt sein wird.
20.02.2020
Rathaussturm
Als „Oscar reif“ bezeichnete Zunftmeister Manuel Seitz das Schauspiel zum Rathaussturm am Schmutzigen Donnerstag. In „Planlos im Weltall“ hatte am Ende Jedi Ritter Philipp Saar den Schlüssel zur Lösung aller intergalaktischen Verkehrsprobleme.
20.02.2020
Zeugen in Schiltach gesucht
Der Schienenbus, der in der Schiltacher Bahnhofstraße besichtigt werden kann, wurde mit einem schwarzen Edding beschmiert. Unbekannte haben dabei unter anderem das Wort „Jude“ auf einen Waggon hinterlassen. Die Polizei ermittelt. 

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...
  •  Der Freizeitpark "Funny World" in Kappel-Grafenhausen ist mit mehr als 50 Attraktionen ein ideales Ausflugsziel für groß und klein.
    07.02.2020
    Spiel, Spaß, Abenteuer in Kappel-Grafenhausen
    Der In- & Outdoor-Familienpark in Kappel-Grafenhausen wartet auch in diesem Jahr mit neuen Attraktionen, Workshops und vielen weiteren Aktivitäten für die gesamte Familie auf. Im Funny World können Kinder und Eltern ganzjährig einen Tag voller Spiel, Spaß und Abenteuer erleben.