Rottweil und Schramberg bewerben sich um die Landesgartenschau

Landesgartenschau: Zwei Nachbarstädte mit demselben Ziel

Autor: 
Martina Baumgartner
Lesezeit 3 Minuten
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26. Mai 2018

(Bild 1/3) Viele erläuternde Stadtspaziergänge, Infomationsveranstaltungen und Workshops mit den Bürgern dienen nicht nur der Transparenz, sondern auch einem aktiven Mitmachen. Diese Praxis verfolgen sowohl Rottweil als auch Schramberg. ©Stadt Schramberg

Insgesamt neun Städte bewerben sich um die Ausrichtung einer Landesgartenschau. Mit den Nachbarstädten Schramberg und Rottweil kommen zwei davon aus dem Landkreis Rottweil. Bereits im Vorfeld des Zuschlags laufen viele Aktionen zum Thema in beiden Städten.
 

Gute Gründe und große Pläne sind der Antrieb sowohl für Rottweil als auch Schramberg sich eine Landesgartenschau in die Stadt zu holen. Beide Bewerber rechnen sich große Chancen auf einen Zuschlag aus: Rottweil, als älteste Stadt Baden-Württembergs verbinde mit dem neuen Fahrstuhltesturm wie keine andere Stadt im ländlichen Raum die Kombination von Tradition und Moderne, so deren Oberbürgermeister Ralf Broß in einer Pressemitteilung. Im Neckartal fehle der Stadt allerdings noch eine leistungsfähige touristische Infrastruktur um die vielen Besucher des Testturms aufnehmen zu können. Mit einer Landesgartenschau könnten dort neue Möglichkeiten geschaffen werden. 

Schramberg dagegen setzt auf die notwendige Stadtentwicklung, die bereits seit einiger Zeit in den Rathausschubladen schlummert, die in Teilen bereits läuft und die durch die Bewerbung um eine Landesgartenschau in den vergangenen Monaten richtig Fahrt aufgenommen hat. 

Ideen bringen Schrambergs Stadtentwicklung in Fahrt

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Käme eine Landesgartenschau nach Schramberg würde Oberbürgermeister Thomas Herzog fünf Ideen dort favorisieren: Durch die Revitaliserung der Schiltach entsteht der begleitende Bürgerpark, die erste durchgängige barrierefreie Grünanlage in der Talstadt. Er verbindet über neue Wege und mit zahlreichen Attraktionen und einem neuen Stadthaus die Talstadt mit dem Sulgen. Auf dem Sulgener Wittumgelände soll ein Landschaftspark mit See entstehen. Die Weichen dafür sind bereits gestellt. Ein eigenes Grünprojekt ist durch die Neuordnung des Weiherwasengeländes in Waldmössingen geplant. Das Sportzentrum, der Erlebnisbauernhof und ein Abenteuerspielplatz locken dort Besucher an. In Tennenbronn entsteht ein Naherholungsgelände und städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten. 

Rottweil will innovative Mobilitätsformen nutzen und entwickeln

Broß denkt dagegen an einen Neckarpark. Dort soll die Industrielandschaft für Mensch und Natur zurückgewonnen werden. Ein Neckarstrand wird den Fluss wieder erlebbar machen. Unter dem Motto »Hängende Gärten« könnten in der Stadt welche nach historischen Vorbildern entstehen. Das Landesgartenschaugelände könnte durch innovative Mobilitätsformen mit der Innenstadt, dem Bahnhof und dem Testturm verbunden sein, beispielsweise durch autonom fahrende Zubringerbusse oder moderne Aufzüge. Zusätzliches Erlebnis für Landesgartenschaubesucher in Rottweil: der Testturm mit Deutschlands höchster Aussichtsplattform und eine Hängebrücke, die den Turm mit der historischen Innenstadt verbindet.

Die Entscheidung, welcher der neun Bewerber den Zuschlag für die drei Landesgartenschauen zwischen 2026 und 2030 bekommt, fällt das Landeskabinett jedoch erst im Sommer. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht bekannt. Bis dahin arbeiten die Planer und Bürger jedoch schon weiter darauf hin. 

Zitat

Kurzinterview mit den Oberbürgermeistern Ralf Broß und Thomas Herzog

Die Oberbürgermeister der benachbarten Städte Ralf Broß in Rottweil und Thomas Herzog in Schramberg sehen sich in der Bewerbung um die Landesgartenschau nicht als konkurrierend an. Rottweil möchte im Wettbewerb mit seinem Konzept landesweit überzeugen und Schramberg stellt das Verbindende in den Vordergrund.

Sollte Ihre Stadt den Zuschlag für die Landesgartenschau bekommen, wie lange würde die Vorbereitung ungefähr dafür benötigen und welche wären die ersten Schritte dahin?
Ralf Broß: Dann wird Rottweil im kommenden Jahr ein Planungswettbewerb zu starten, in dem die Konzeption der vorliegenden Machbarkeitsstudie weiter konkretisiert wird. Dabei ist es uns eine Bürgerbeteiligung sehr wichtig. Die genaue Zeitplanungen kann erst danach erstellt werden. Die umfangreichen Planungs- und Bauarbeiten für die Daueranlagen, beispielsweise der Neckarstrand oder die »Hängenden Gärten« werden jedoch sicherlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Mit zehn Jahren steht uns genügend Vorlaufzeit zur Verfügung. 
Thomas Herzog: Die Notwendigkeit und das Potential unserer städtebaulichen Konzeption werden uns von vielen Stellen bestätigt, so dass wir derzeit sehr intensiv an der Revitalisierung der Schiltach und den begleitenden Sanierungsgebieten arbeiten. Deshalb befinden wir uns sozusagen schon in der Umsetzungsphase, die mit einem Zuschlag natürlich beschleunigt würde. Das Wettbewerbsverfahren für die zentralen Bereiche, wie Wittumgelände würde 2021 erfolgen.

Über das Landesprogramm »Natur in Stadt und Land« wird den ausrichtenden Städten und Kommunen ein Zuschuss in Höhe von maximal fünf Millionen Euro für eine Landesgartenschau in Aussicht gestellt. Wie hoch schätzten die Projektierer Ihrer Stadt die Kosten für eine Landesgartenschau in Rottweil ein? 
Broß: Wir gehen von Investitionen in Anlagen in Höhe von 20 Millionen Euro und von Kosten für die Durchführung der Landesgartenschau von 10 Millionen Euro aus. Über die fünf Millionen Euro hinaus ist mit weiteren Einnahmen zu rechnen: Für die Investitionen sind weitere Fördermittel in einer Größenordnung von fünf Millionen Euro zu erwarten, die Durchführung einer Landesgartenschau ist durch Einnahmen aus dem Kartenverkauf refinanzierbar. 
Herzog: Die Investitionen für die Landesgartenschau sind mit zwölf Millionen Euro veranschlagt. Hier greift der Zuschuss von fünf Millionen Euro. An flankierenden Maßnahmen, wie Hochwasserschutz und ökologische Verbesserungen, haben wir acht Millionen Euro eingeplant, die ebenfalls mit hohen Förderquoten bezuschusst werden. Die große finanzielle Anstrengungen leisten wir gemeinsam und schöpfen unsere Möglichkeiten aus. Das bedeutet auch eine Anhebung des Gewerbesteuersatzes. 

Besonders ist die konkurrierende Nachbarschaft Ihrer Städte als Bewerberinnen um die Landesgartenschau. Welche Vorteile hat Ihre Stadt im Vergleich zur Mitbewerberin?
Broß: Die Stadt Rottweil steht nicht im Wettbewerb mit einer einzelnen Kommune, es haben sich landesweit insgesamt neun Städte um die drei zu vergebenden Termine für eine Landesgartenschau beworben. Wir möchten daher keine direkten Vergleiche zu einzelnen Mitbewerbern ziehen, wir müssen landesweit überzeugen. Rottweil ist sehr zuversichtlich, wir glauben dass wir eine sehr gute Konzeption eingereicht haben, um damit einen Zuschlag für einen der drei Termine zu erhalten. 
Herzog: Schramberg sieht sich gut aufgestellt im Wettbewerb mit den acht weiteren Bewerbern um eine Landesgartenschau. Wir wollen revitalisieren, verbinden und überwinden. Wir werden die erste Landesgartenschaustadt ohne eigenen Bahnhof sein. Deshalb müssen und wollen wir unter anderem exemplarisch eine neue Mobilität im ländlichen Raum unter topografisch schwierigen Rahmenbedingungen entwickeln. Wir benötigen eine kreative und funktionierende Vernetzung mit unseren Nachbarstädten und den dortigen Bahnhöfen. Die Regiobuslinie Rottweil- Schiltach ist ein bewährtes Beispiel.

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