Hausach

Landwirtschaftsstudent aus Burkina Faso zu Gast in Hausach

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 4 Minuten
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09. August 2017

Landwirtschaftsstudent Adama Tonde aus Burkina Faso ist zu Gast bei seiner »Patin« Angela Menke und ihrem Lebensgefährten Michael Waitz (links). Er interessiert sich brennend für die Landwirtschaft hier und lässt sich von Bernhard Kohmann den Unteren Hof zeigen. ©Claudia Ramsteiner

Für acht Wochen besucht der 22-jährige Adama Tonde aus Burkina Faso seine Patin in Hausach. Angela Menke unterstützt ihn während seines Landwirtschaftsstudiums. Und natürlich interessiert ihn hier besonders brennend die Landwirtschaft.

Türen, die sich von selbst öffnen – da ging’s schon los am Flughafen in Frankfurt, dass sich Adama Tonde über die Technik in diesem Europa wunderte. Und dann bei seiner Patin Angela Menke: eine Maschine, die Kaffee macht, eine, die abspült, eine die den Staub vom Teppich saugt. Im Unteren Hof in der Frohnau gingen dem Landwirtschaftsstudenten endgültig die Augen über.

Als seine Professoren hörten, dass er nach Europa fliegen würde, bereiteten sie ihn schon mal darauf vor, dass man dort in der Landwirtschaft »mit der Technisierung schon etwas weiter sei«. Was er hier dann sah, haute ihn schlichtweg um. »Und trotz all der Maschinen wird hier sehr viel gearbeitet«, ist ihm gleich aufgefallen. Bei ihm zu Hause werden die Zebus von Hand gemolken, und am Ende hat man drei Liter im Eimer. Hier zeigt die Digitalanzeige bei den leistungsstarken Kühen im Melkstand schon mal 15 Liter an. Auch wenn diese Leistung in einem Biobetrieb wie dem Unteren Hof eher selten ist.

Nach drei Jahren Studium zwei Jahre Praxis

Natürlich seien die Rinder seiner Heimat auch nicht auf Milchleistung gezüchtet – sie müssten erstens auch Feldarbeit erledigen und zweitens lange Trockenzeiten überstehen. Dennoch grübelt Bernhard Kohmann, was man wohl damit anrichtet, wenn man überschüssige Milch aus Europa billig nach Afrika schifft – und den Bauern dort die letzte Chance nimmt, ihre Milch zu einem auskömmlichen Preis zu vermarkten.

Nach seinem Abitur begann Adama ein Landwirtschaftsstudium in Bobo Dioulasso. Nach drei Jahren Studium folgen Examen und zwei Jahre Praxis. Dann darf er sich Agraringenieur nennen und will sich eine Existenz aufbauen. Warum gerade Landwirtschaft? »Unser Land müsste dringend industrialisiert werden – aber da geht überhaupt nichts vorwärts. Alles funktioniert nur in der Theorie. Wenn ich Maschinenbau oder Ähnliches studiert hätte, stünde ich danach auf der Straße«, sagt Adama.

Dann lieber selbst das Heft in die Hand nehmen. Die Basis für ein Fortkommen sei, dass die Leute genug zu essen haben. Er wird sich Land kaufen, »Land gibt es genügend«, und da er bereits seit sechs Jahren in allen Ferien auf dem Bau hilft, kann er sich seinen Bauernhof selbst bauen. 

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Großes Problem: Es fehlt an Wasser

Deshalb interessiert er sich hier brennend für die Landwirtschaft. Und auch, wenn die Voraussetzungen so ganz anders sind als bei ihm zu Hause, so hofft er doch, viel zu lernen: wie man hier arbeitet, was man einsetzen muss, wie die Vermarktung funktionieren könnte. Natürlich will er die Landwirtschaft kommerzialisieren und nicht nur ernten, um seine Familie zu ernähren. Und das heiße eben nicht »petit commerce« und sich mit einer Tüte Erdnüsse an die Straße setzen, wie es oft und ziemlich erfolglos praktiziert werde. 

Vor allem Mais und Hirse, aber auch Reis und Baumwolle werden in Burkina Faso angebaut. Aber handgepflückt auf dem Eselkarren transportiert könne auch die Baumwolle nicht mit der subventionierten in den USA konkurrieren.

Adama denkt eher an Tieraufzucht. Die langen Trockenzeiten und der Wassermangel seien hier die größten Probleme. Bernhard Kohmann gefallen die Visionen des jungen Afrikaners. Eine Eimer-Melkanlage, die außer Vakuum nichts braucht, die ließe sich vielleicht irgendwo auftreiben. »So hat man bei uns vor mehr als 50 Jahren auch angefangen«, sagt der Landwirt.

Erste deutsche Wörter

Adama will seine Zeit hier aber auch nutzen, um Deutsch zu lernen – zu seiner Zeit gab’s in der Schule als einzige Fremdsprache Latein. Heute wird in der Oberstufe Deutsch unterrichtet, und dort will er erzählen von seinem Aufenthalt in Hausach. Stolz präsentiert er seine ersten deutschen Wörter, und da wird klar, wo sein Schwerpunkt liegt: Kuh, Bulle, Milch, Melkmaschine, Grundfutter, Kraftfutter . . .

Zur Person

Vom Waisenhaus zum Studium

Adama Tonde ist im Waisenhaus von Dégougou aufgewachsen, für dessen Kinder der Hausacher Verein »Wir für Burkina« das Schulgeld übernimmt. Durch diese Unterstützung hat er es ins Gymnasium geschafft, legte sein Abitur ab – und dann sprachen die Lehrer im Waisenhaus vor: Der Junge sei ungeheuer intelligent, der müsse unbedingt studieren.
Doch Heimleiterin Schwester Bernadette ist froh, wenn sie die 110 Kinder ihres Waisenhauses satt bringt und fragte bei Angela Menke, ob der Verein die Finanzierung des Studiums übernehmen könnte? Könnte er nicht, weil die Gelder nach Satzung verwendet werden müssen. Aber bei ihrem letzten Aufenthalt in Burkina Faso traf Angela Menke Adama – und konnte nicht mehr anders. Sie unterstützt ihn nun privat mit einem festen Betrag monatlich, in den Semesterferien verdient er sich am Bau noch etwas hinzu. 

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