Hornberg

Lust am Spiel ist ungebrochen

Autor: 
Petra Epting
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
13. Juni 2015

Der Herzog ist über den misslungenen Empfang und die Erklärungsversuche des Bürgermeisters zunächst empört. ©Petra Epting

357 mal wurde es schon gespielt, bislang wurden 178 332 Besucher verzeichnet – jetzt feiert es 60 Jahre: das »Hornberger Schießen«. In einer kleinen, losen Serie blicken wir auf seine Entstehungsgeschichte zurück.

Einst sollte es nur eine Saison lang gespielt werden, »das Stück heimatlicher Lebensfreude mit dem Anstoß zum Nachdenken«, wie es der frühere Vorsitzende Wilhelm Brüstle zum 40. Jahrestag der Vereinsgründung des Historischen Vereins Hornberg schrieb. Heute, weitere 20 Jahre später, wird das »Hornberger Schießen«, gespickt mit selbstkritischer Ironie, noch immer erfolgreich aufgeführt, halten die Darsteller den Besuchern den Spiegel vor und zeigen, was passiert, »wenn das Pulver zu früh verschossen wird«.
»Es ist doch eine seltsame Sache«, schreibt Wilhelm Brüstle: Aus einem sprichwörtlichen Missgeschick der Vorfahren ist ein blühender Verein entstanden. Und die Geschichte um die ergebnislosen Bemühungen der einstigen Hornberger Bürger zum Empfang des Herzogs, die das allenthalben bekannte Sprichwort »Es geht aus wie das Hornberger Schießen« bescherten, scheint aktueller denn je zu sein. Doch wie entstand eigentlich das Spiel, das schon sechs Jahrzehnte lang die Menschen in der Hornberger Freilichtbühne begeistert?
Zwei verstorbene Menschen sind da besonders zu nennen: der »Denker«, Friseurmeister Erwin Leisinger, und der »Macher«, Brauereibesitzer Albert Ketterer. Unvergessen bleiben wird auch der »Nachtwächter« Walter Aberle, der die Figur 35 Jahre lang ununterbrochen verkörperte.
So geht es in Aufzeichnungen von ihm, dem verstorbenen Bäckermeister, nicht nur darum, dass er sich sicher war, dass einst die Lehrer den Samen in den Freunden säten, der zum »Hornberger Schießen« führte, sondern auch wie Erwin Leisinger damals 1955 zu ihm in die Backstube kam –  mit den Worten: »Do hanne ebbis!«  »Er ließ mir weder die Zeit zum Lesen noch die Wahl der Rolle«, schrieb Walter Aberle nieder. Erwin Leisinger, der später zum Ehrenbürger Hornbergs ernannt wurde, hatte seinen Nachtwächter gefunden. Und nicht nur diesen, sondern auch auf einige andere gestandene Hornberger hatte er sich für bestimmte Rollen längst festgelegt.
Fachwelt begeistert
Auch von Erwin Leisinger selber, dem begnadeten Schreiber, der mit seinem fröhlichen Freilichtspiel Anerkennung in der Fachwelt fand, existieren Aufzeichnungen. In denen hat er notiert, wie er sich als Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg in der weiten Steppe Amerikas Gedanken machte um die geliebte Heimat und wie man das Hornberger Städtchen noch bekannter machen könnte. So reifte schließlich die Idee, über die Sage oder die wahre Begebenheit vom Missgeschick der einstigen Hornberger Bürger ein Freilichtspiel zu schreiben – aus den Erzählungen, die über Generationen mündlich weitergegeben wurden.
In der Weihnachtswoche 1947 kehrte Erwin Leisinger nach Hause zurück – und der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. »Mit Mut und Engagement schaffte er es nach dem Krieg in trostloser Zeit, den Streich der Hornberger in ein fröhliches Freilichtspiel zu fassen«, heißt es in Schriftstücken – und keiner ahnte damals, was sich daraus noch entwickeln würde.
Dem Kreis »alter Hornberger Bürger«, in dem nach den Kriegsjahren der eine oder andere Freund fehlte, ging es mit kräftigem Humor und einem ungeheuren Tatendrang um die Belebung Hornberger Traditionen. Daraus entstand schließlich der Historische Verein Hornberg, und in der Folge mussten die rührigen Männer erst einmal nach einer Bühne für das geplante Spiel suchen.
Die Vereinsgründung 1955 und die Entstehung der Freilichtbühne sind die Themen im nächsten Serienteil.

- Anzeige -

Jubiläumsspiel

Das Jubiläumsspiel findet am Tag vor dem Stadtfest am Freitag, 17. Juli, um 18 Uhr in der Freilichtbühne Hornberg statt. Dabei sind nach vielen Jahrzehnten wieder der Kraichgau Fanfarenzug Mühlhausen und der Musik- und Trachtenverein Reichenbach. »So wie es früher einmal war«, freut sich Obfrau Bärbel Ketterer auf eine ganz besondere Aufführung. Kartenreservierungen bei der Tourist-Info Hornberg, • 0 78 33 / 7 93 44, Fax: 0 78 33 / 7 93 29, oder per E-Mail tourist-info@hornberg.de

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
Goldschmiede Patrick Schell in Achern
vor 8 Stunden
Schmuck zu Weihnachten ist ein besonderes Geschenk. Doch welches Stück ist das richtige für einen lieben Menschen? Die Goldschmiede Patrick Schell in Achern gibt hier individuelle Beratung – und als besonderes Highlight: Personalisierte Schmuckstücke und Uhren mit Gravur.
Fachberatung aus Ortenberg
07.12.2018
Smart Home vernetzt das eigene Zuhause und spart Zeit und senkt Energiekosten. Es sorgt aber vor allem für mehr Sicherheit – wenn man die passende Ausrüstung hat. Der Einstieg ist mit dem richtigen Fachmann aber gar nicht schwierig.
Netzwerk Fortbildung
06.12.2018
Die Weiterbildung boomt – und immer mehr Arbeitgeber und Arbeitnehmer erkennen, wie wichtig es ist, sich durch eine Weiterqualifizierung sicher in der Welt zurecht zu finden. Wer eine geeignete Weiterbildung sucht, ist beim „Netzwerk Fortbildung“, dem Weiterbildungsportal des Landes Baden-...
Bodyscan bei Möbel Singler in Lahr
05.12.2018
Der Schlaf ist für den Menschen besonders wichtig. Wer nicht gut schläft, ist morgens müde und nicht fit für den Alltag. Im schlimmsten Fall entstehen sogar dauerhafte Rückenschmerzen. Matratzen mit dem Bodyscan-Liegesystem ändern das, denn sie sind perfekt auf den eigenen Körper abgestimmt.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Gutach
vor 5 Stunden
Dank der guten Vorarbeit von Kämmerer Thomas Blum hatte der Gutacher Gemeinderat seinen Haushalt für 2019 am Montagabend in drei Stunden erstmals öffentlich beraten. Neben der Presse lockte dies einen weiteren Zuhörer an. 
Kommentar
vor 7 Stunden
Das Thema eines Wasseranschlusses des Außenbereichs ist ein Thema, das bei weitem nicht nur Steinach betrifft. Vielmehr hört man aus verschiedenen Ecken des Kinzigtals die Hiobsbotschaft versiegender Quellen.
Gemeinderäte wollen mehr Infos
vor 7 Stunden
Soll man den Weiler Niederbach an die öffentliche Wasserversorgung anschließen? Diese Frage beschäftigte am Montagabend den Steinacher Gemeinderat. Auch weil das gar nicht alle Anlieger wollen, fällt die Antwort darauf schwer.
Wolfach-Kirnbach
vor 7 Stunden
Zu einem kurzweiligen Nachmittag hatte die evangelische Kirchengemeinde Kirnbach am Sonntag die Senioren in die Gemeindehalle eingeladen. Zwischen Gebet, Musik und Gesprächen gedachten die Teilnehmer auch dem am Freitag verstorbenen Kurt Ratzinger.
Hausach
vor 7 Stunden
Gestern Nachmittag startete mit dem »ersten Spatenstich« offiziell der Erweiterungsbau der Graf-Heinrich-Schule. In sieben Jahren werden hier rund 14,6 Millionen Euro in die Jugend und die Bildung investiert.
Christine Bartenbach
vor 8 Stunden
Christine Bartenbach hat ein interessantes Hobby. Als Laiendarstellerin durfte sie ihr Schauspieltalent schon mehrfach unter Beweis stellen. Bisheriger Höhepunkt war eine Komparsenrolle beim Dreh eines ZDF-Schwarzwaldkrimis im Oktober. 
Nikolausmarkt
vor 10 Stunden
Zahlreiche Besucher schlenderte am Sonntag über den Nikolausmarkt im Bad Rippoldsauer Kurhaus. Auch der Nikolaus kam mit Knecht Ruprecht vorbei und hatte Geschenke für die Kinder dabei. 
Hausach
vor 11 Stunden
Nach dem Premiumwanderweg »Hausacher Bergsteig« und dem sehr stark frequentierten »Abenteuerweg der Gruppe« der Gruppe »Junges Hausach« hat die Stadt Hausach nun einen dritten Themen-Wanderweg: die »Geo-Tour Hausach«.
Oberwolfach
vor 14 Stunden
Den Rahmen der Weihnachtsfeier nutzte Feuerwehrkommandant und Bürgermeister Matthias Baunernfeind um neun verdiente Oberwolfacher Feuerwehrmänner zu ehren. Einer von ihnen ist Martin Leist  er erhielt das Ehrenzeichen in Silber für 25 Jahre im Dienst der Feuerwehr.
Wolfach-Kirnbach
vor 16 Stunden
Mit den Kirnbacher Adventsfenstern unter Federführung der evangelischen Kirchengemeinde gestalten viele Ehrenamtliche auch in diesem Jahr wieder die Zeit bis Weihnachten. Am Freitag öffnete sich im alten Rathaus das sechste Adventsfenster.  
Kinzigtäler Adventstüren (11)
vor 17 Stunden
Auch in diesem Jahr wirft das Offenburger Tageblatt wieder täglich einen Blick hinter eine Adventskalendertür. Welche Weihnachtsgeschichten sich hinter den Hausnummern 1 bis 24 verbergen, lesen Sie auf der jeweiligen Lokalseite. Die elfte Tür öffnen wir in der Hausacher Straße 11 in Wolfach.
Hornbergerin schreibt Tagebuch aus Kanada
vor 18 Stunden
Für ein Jahr lebt Ana-Lena Dold aus Hornberg als Au-pair in Kanada bei einer Gastfamilie. In einer Kolumne teilt sie einmal im Monat ihre Erlebnisse mit den Lesern des Offenburger Tageblatts. Heute berichtet sie, wie sie sich ein Stück deutsche Adventsstimmung ins Zuhause holt – und über das...