Kinzigtal

Mitläufer mit gesunder Seele?

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. Oktober 2004
Kunsthistorikerin Anja Rudolf fügte in einem brillanten Vortrag dem Schwarzweißbild des Hausacher Malerpoeten Eugen Falk-Breitenbach viele Grautöne hinzu.
Hausach. Ein Jahr lang ist Kunsthistorikerin Anja Rudolf um die Lyrik des Eugen Falk gekreist, der sich später nach dem Tal, in dem er wohnte, selbst den Zusatz »Breitenbach« gab. »Es wäre so leicht gewesen, wenn ich ihm in seinen Gedichten Blut- und Boden-Probaganda hätte nachweisen können. Aber ich habe ihn nicht erwischt«: Anja Rudolf zeichnete in ihrem spannenden, informativen und sehr objektiven Vortrag über den Hausacher Malerpoeten das Bild eines Künstlers, der nicht wegen seiner Genialität ihr Interesse fand, sondern weil er exemplarisch für seine Zeit steht. Jochen Schicht, Leiter des Kultur- und Tourismusbüros, leitete den Abend ein mit dem Beitrag, den der Kultursender SWR 2 über Eugen Falk-Breitenbach gesendet hatte. Anja Rudolf hat ein halbes Jahr der Biografie des Malerpoeten nachgeforscht und stellte klar: »Wenn es etwas Dramatisches gegeben hätte, hätten wir die Ausstellung gar nicht oder anders gemacht«. Es gab nichts Dramatisches, aber viele Belege dafür, dass man einem Leben im Dritten Reich nicht nur mit Schwarz-weiß-Malerei beikommt. Hat der Katholik und zeitweise Kulturwart der NSDAP nun das verhöhnende »Pfaffenbild« des Stadtpfarrers Brunner aus Gründen nationalsozialistischer Probaganda gemalt, oder hat er diese nur genutzt, um sich an jenem Pfarrer zu rächen, der ihm nach seiner Heirat mit einer geschiedenen Frau die Eucharistie und den Kirchenchor verweigert hat? Eugen Falk-Breitenbach war zwar Kulturwart und Filmstellenleiter, ließ sich aber nicht als SA-Rekrut verteidigen. Ging es ihm mehr um die damalige Kunstprobaganda, die Wasser auf seine Mühlen goss, als um Parteiideologie? Wann schwärzte er die Hakenkreuze in den Publikationen der 1930/40er-Jahre? Warum betonte Eugen Falk-Breitenbach bis zu seinem Tod, ein Schüler Hermann Gradls, des Lieblingsmalers Adolf Hitlers, gewesen zu sein, obwohl dies sicher nur bis 1945 oppertun war? Anja Rudolf verstand es ausgezeichnet, dem Schwarzweiß-bild von Falk-Breitenbach viele Grautöne hinzuzufügen. Die Titelfrage »Traditionsbewahrer oder heimattrunkener Mitläufer?« wurde von ihr nicht beantwortet – der Zuhörer bekam aber jede Menge Material an die Hand, um selbst Antworten zu finden – und neue Fragen aufzuwerfen: Wer würde heute zum Mitläufer, wenn er aus einem diktatorischen System Nutzen schlagen könnte? Der Vortrag hatte Eugen Falk-Breitenbachs Leben und Wirken im Dritten Reich und ihren Ausläufern zum Thema. Einem Freund des des 1979 verstorbenen Malerpoeten war er zu »politisch überfrachtet«. Er bekannte in der anschließenden Diskussion, er müsse »trocken schlucken, um dies alles zu verdauen« und verwies darauf, dass Text und Schrift Falk-Breitenbachs darauf hindeuten, dass er »eine gesunde Seele« gehabt habe. Weiterhin umstritten Eine Zuhörerin gab zu bedenken, dass es auch im Dritten Reich viele Menschen gegeben habe, die sich bewusst nicht vor den Karren der Nationalsozialisten spannen ließen. Ein Indiz dafür, dass die schillernde Persönlichkeit auch weiterhin umstritten bleiben wird.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 44 Minuten
Wolfacher Posaunist
Corona hat vielen Veranstaltungen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch den Wolfacher Posaunisten Frederic Belli hat es getroffen. Er spricht über die Corona-Zeit und sein nächstes Konzert.
11.07.2020
Kinzigtal
Wolfachs Pfarrer Hannes Rümmele übernahm zum 1. Mai die gemeinsame Leitung von drei Seelsorgeeinheiten. Diese wachsen in Zukunft immer mehr zusammen. 
11.07.2020
Kinzigtal
Pfarrer Hannes Rümmele und der neue Dreier-Verbund der katholischen Seelsorgeeinheiten des Kinzigtals bekommen mit Pastoralreferentin Lioba Jörg aus Weil am Rhein und Kaplan Georg Henn ab September doppelte Unterstützung.
11.07.2020
Steinach
Grünen-Landtagsabgeordnete Sandra Boser besuchte gestern die Armbruster GmbH in Steinach. Das Unternehmen plant einen großen Erweiterungsbau.
11.07.2020
Schiltach
Der Schiltacher Gemeinderat braucht Zeit für eine grundsätzliche Entscheidung, was mit dem maroden Pavillon beim Schlossberg geschehen soll. Eine Neugestaltung des Geländes wäre denkbar.
11.07.2020
Haslach im Kinzigtal
Beim morgigen Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche Haslach dürfen die Besucher erstmals seit dem Lockdown wieder singen – allerdings nur mit einem Mund-Nasen-Schutz.
11.07.2020
Erste Frist in Haslach endet
Der aktuelle Anmeldeschluss zur Teilnahme am Sommerspaßprogramm endet am Sonntag, 12. Juli. Für einige Angebote wird die Anmeldefrist aber verlängert.
10.07.2020
Hausach
Die Mensa im Hausacher Schulzentrum ist noch geschlossen. Elke Beckmann wird nicht mehr dorthin zurückkehren. Im Gespräch mit dem Offenburger Tageblatt erläuterte sie die Gründe. 
10.07.2020
Hornberger ist weltweit unterwegs
Stammzellenkurier Luca Weisser aus Hornberg berichtet über die derzeitigen Schwierigkeiten und Problemlösungen beim weltweiten Reisen. Grenzbeamte schauen aktuell ganz genau hin.
10.07.2020
Vorstandsteam wiedergewählt
In ihrem Ämtern bestätigt wurde das Vorstandsteam der ökologischen Verbrauchergemeinschaft Kiebitz am Mittwochabend in der Hauptversammlung in der Haslacher Stadthalle.
10.07.2020
Wolfach
Das Unternehmen Heizmann aus Oberwolfach übernimmt auch im neuen Schuljahr 2020/21 die Schüler­beförderung. Dafür gab der Gemeinderat am Mittwoch grünes Licht.
10.07.2020
Haslach im Kinzigtal
Vor 40 Jahren wurde das Schwarzwälder Trachtenmuseum in Haslach offiziell eröffnet. Mehr als 100 Trachten sind dort zu sehen – für weitere ist zum Bedauern des Museumsleiters kein Platz.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das edel-graue Parkett schafft eine klare Raumstuktur.
    06.07.2020
    Im grenznahen Neuried werden Wohnträume wahr
    Holz ist ein wunderbarer Werkstoff für den Innenausbau: Er ist durch und durch natürlich und passt sich den Anforderungen an. Dabei ist er genauso individuell wie die Menschen, die in den vier Wänden leben. Wer seinen Wohntraum in Holz verwirklichen will, ist bei marx Design in Holz in Neuried an...
  • Willkommen zu Hause: Stressless® steht für Komfort und Entspannung. Modell: Tokyo Linden Sand.
    02.07.2020
    Stressless®: Raus aus dem Alltag, rein ins Zuhause
    Möbel RiVo ist eine der führenden Adressen für anspruchsvolles Einrichten und Wohnen in Baden. Das Möbelhaus in Achern-Fautenbach ist Partner ausgewählter Marken und präsentiert mit Stressless® norwegischen Komfort. Die Welt des exklusiven Möbelherstellers wartet im Stressless®-Studio darauf,...
  • Kai Wissmann präsentiert am Donnerstag, 16. Juli, die Gewinner der Shorts 2020.
    25.06.2020
    Trinationales Event: Großes Finale am 16. Juli
    Die Shorts lassen sich nicht ausbremsen, auch nicht von einer weltweiten Pandemie: Das trinationale Filmfestival der Medienfakultät der Hochschule Offenburg wird diesmal komplett online ausgerichtet. Die Filme sind donnerstags und sonntags ab 19 Uhr im Live-Stream hier abrufbar. Das große Finale...
  • Eine reduzierte Formensprache, robuste Materialien und eine seriöse Optik zeichnen Möbel von Musterring aus.
    25.06.2020
    Möbel RiVo in Achern: Wohnwelt auf 8000 Quadratmetern
    Bei der Einrichtung zählt einzig und allein der persönliche Geschmack. Und Geschmack ist bekanntlich vielseitig. Gerade deshalb bietet das Einrichtungshaus Möbel RiVo in Achern-Fautenbach eine riesige Auswahl an Markenkollektionen von Top-Designern und -Herstellern wie Musterring.